Große Geheimnisse kleiner Moleküle

Der Frankfurter Atomphysiker Prof. Reinhard Dörner (47) erhält in den nächsten fünf Jahren zusätzliche Forschungsmittel in Höhe von 1,25 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die Förderung erfolgt im Rahmen der so genannten 'Reinhart Koselleck-Projekte', die besonders innovative und im positiven Sinne hoch risikobehaftete Forschungsvorhaben unterstützen. Neben Dörner erhält auch die Freiburger Nanotechnologie-Professorin Margit Zacharias eine Förderung in gleicher Höhe.

„Die Auszeichnung für Reinhard Dörner unterstreicht abermals die hohe Qualität der Frankfurter physikalischen Forschung“, hob Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl hervor. Insbesondere im Bereich der Kernphysik seien in den zurückliegenden Jahren große Erfolge erzielt worden: „Hierzu zählen beispielsweise die Verleihung des Davisson-Germer-Preises an Horst Schmidt-Böcking im Jahr 2007 oder, auf ideellerer Basis, die hochrangige Einbindung Frankfurter Wissenschaftler im europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf.“ Dörners Erfolg füge sich nahtlos in eine Reihe bemerkenswerter Forschungsförderungen ein, die WissenschaftlerInnen der Goethe-Universität in den zurückliegenden Monaten einwerben konnten: „In der Höhe des Förderbetrags entsprechen die Koselleck-Projekte in etwa den Grants des European Research Council, ERC“, erläuterte Müller-Esterl.

„In diesem Programm waren Ende 2008 unsere Juniorprofessorin Kira Kosnick, Prof. Stefanie Dimmeler sowie die Professoren Roman Inderst und Magnus Rueping erfolgreich. Insgesamt 1,2 Millionen Euro erhielten im Sommer 2008 auch unsere Nachwuchs-Geisteswissenschaftler Tobias Müller, Gerson Reuther und Michael C. Schneider im Rahmen der Dilthey-Fellowships der Volkswagen-Stiftung.“

„Mit den Reinhart Koselleck-Projekten wollen wir ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit kühnen Ideen und Mut zum Risiko fördern“, erklärte DFG-Präsident Prof. Matthias Kleiner. Kleiner erinnerte daran, dass die nach dem 2006 verstorbenen Bielefelder Historiker Reinhart Koselleck benannten Projekte eine Lücke in den Förderprogrammen der DFG und in der Forschungsförderung in Deutschland insgesamt schließen. „Selbst renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zukunftsweisende, aber hoch risikoreiche Forschung betreiben wollten, hatten davor kaum die Möglichkeit, Fördergelder dafür zu beantragen“, so der DFG-Präsident. Da besonders innovative und risikoreiche Forschungen in der Regel noch weniger planbar seien als sonstige Forschungsarbeiten, müssten die AntragstellerInnen über ihre Idee hinaus auch mit ihren bisherigen wissenschaftlichen Leistungen überzeugen. Dörner beispielsweise veröffentlichte 2008 nebst anderem zwei Arbeiten in der renommierten Zeitschrift 'Science'.

Dörner möchte experimentell die besonderen Eigenschaften von kleinen Molekülen untersuchen, die aus zwei oder drei Heliumatomen zusammengesetzt sind. Diese Systeme haben einzigartige Quanteneigenschaften, die für die Grundlagenforschung von sehr hoher Bedeutung sind. So sind die beiden Atome im Heliumdimer äußerst schwach aneinandergebunden und haben einen Abstand von 100 Atomdurchmessern voneinander – somit ist es das größte bekannte Dimer-Molekül überhaupt. Für das aus drei Atomen bestehende Heliumtrimer wird theoretisch ein ganz neuer, schwach gebundener Anregungszustand, ein 'Efimov-Zustand', postuliert, der in der Literatur kontrovers diskutiert wird. Bei den experimentellen Untersuchungen soll nun erstmals versucht werden, diesen Zustand an Heliummolekülen nachzuweisen. Dörner hat an der Universität Frankfurt und an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Physik und Philosophie studiert. Nach Forschungsaufenthalten in den USA, Japan und China hatte er in Frankfurt zunächst seit 1998 eine Vertretungsdozentur inne, bevor er 2002 die Professur für experimentelle Atomphysik übernahm. Dörner war maßgeblich an der Entwicklung eines Reaktionsmikroskops beteiligt, mit dem in den vergangenen Jahren zahlreiche bedeutsame Erfolge auf dem Gebiet der atomaren Stoßphysik erzielt wurden.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Max-von-Laue-Str. 1, Tel: (069) 798-47003, doerner@atom.uni-frankfurt.de

Dr. Sarah Holthausen, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Tel: (0228) 885-2032, sarah-holthausen@dfg.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-Universität als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Redaktion: Stephan M. Hübner, Pressereferent. Abteilung Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-23753, Fax: (069) 798-28530, huebner@pvw.uni-frankfurt.de

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