Wälder sehen sich immer ähnlicher

Die Zusammensetzung der Pflanzenarten in den Wäldern gleicht sich immer mehr an. Zu diesem Schluss kommen britische Ökologen im Online-Magazin Proceedings of the Royal Society B.

Sie nahmen Wälder, deren Baumbestand bereits vor 80 Jahren untersucht wurde, erneut unter die Lupe und konnten so zeigen, inwiefern Änderungen stattgefunden haben. Wenngleich die Zahl der unterschiedlichen Pflanzen gleich geblieben ist, unterscheiden sich die vertretenen Arten immer weniger voneinander. Die Ergebnisse erweitern das Verständnis dafür, welche Vorgänge die natürliche Pflanzenwelt beeinträchtigen.

Die zunehmende Ähnlichkeit der Zusammensetzung der Pflanzen wird als biotische Homogenisierung bezeichnet. Die Forscher sehen diese Entwicklung, die zum Verlust der Artenvielfalt beiträgt, als Folge von falschen Umweltentscheidungen der Vergangenheit. „Die Luftverschmutzung und Fehler im Waldmanagement sind die größten Verursacher, weshalb die Rückführung der Wälder in einen früheren Zustand hier ansetzen muss“, betont Studienautor James Bullock vom Centre of Ecology and Hydrology. Der Waldboden sei heute weitaus nährstoffreicher als 1930, was auf den Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft zurückzuführen sei. Die Forscher konnten auch das Eindringen invasiver Pflanzen dokumentieren, wenngleich diesen nur ein geringer Einfluss auf die Homogenisierung zugestanden wird.

„Die Homogenisierung der Wälder geht in Mitteleuropa besonders auf die zunehmenden Stickstoff-Einträge zurück“, betont Andreas Bolte, Leiter des Instituts für Waldökologie und Waldinventuren am Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei http://www.vti.bund.de/de/institute/woi/ gegenüber pressetext. Der in der Landwirtschaft kaum verzichtbare Stickstoff gelange zusammen mit Abgasen aus der Industrie- und dem Verkehr über die Luft in die Wälder und sorge dort für ein Verschwinden der stickstoffarmen Standorte und deren Vegetation. „Der Wacholderstrauch ist davon ebenso betroffen wie Heiden und nährstoffarme Moore, deren Torfschicht sich bei übermäßig viel Stickstoff zersetzt. Bekommen wir das Problem dieser Stickstoff-Überdüngung nicht in den Griff, setzt sich der Trend fort, dass Allerweltsarten überhand nehmen und Arten nährstoffarmer Standorte verschwinden“, so Bolte. Solche Pflanzen seien besonders häufig auf den sogenannten „Roten Listen“ der Pflanzen zu finden, die vom Aussterben bedroht sind.

In Sachen Waldmanagement gehe Mitteleuropa einen anderen Weg als Großbritannien, erklärt der Waldexperte. „Hierzulande verfolgt man weitgehend die naturnahe Waldwirtschaft, die den Strukturreichtum und die Entwicklung eines starken Unterstandes durch nachrückende Bäume und Sträucher fördert.“ In Großbritannien nutze man Wälder öfter in Plantagenwirtschaft, während in den Alpenländern die Aufrechterhaltung der Kulturlandschaft im Vordergrund stehe. Kahlschläge wie in Skandinavien vermeide man, um einen übermäßigen Nährstoff-Austrag des Waldbodens zu verhindern, und versuche eine immerwährende Bewaldung beizubehalten. „Wälder stehen immer im Spannungsfeld zwischen Interessen der Forstwirtschaft und Anforderungen des Wasser- und Klimaschutzes sowie der Erholungsfunktion. Der Erhaltung der Waldstrukturen in Form des naturnahen Wirtschaftswaldes gelingt es am ehesten, alle Aspekte zu berücksichtigen“, so Bolte gegenüber pressetext.

Abstract zum Originalartikel unter http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/early/2009/07/20/rspb.2009.0938

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Johannes Pernsteiner pressetext.deutschland

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