Verpackungen aus Popcorn

Nachhaltige Verpackung: Eine Arbeitsgruppe der Universität Göttingen forscht seit langem an Herstellungsverfahren für Produkte aus Popcorn, die eine umweltfreundliche Alternative zu Styropor- oder Kunststoffprodukten darstellen könnten.
Foto: Carolin Pertsch

Forstwissenschaftler der Universität Göttingen entwickeln biobasiertes umweltschonendes Material.

Verpackungen sollten heutzutage neben den besonderen Anforderungen für Transport, Lagerung und Produktdarstellung auch nachhaltig sein. Nachhaltig bedeutet in diesem Fall: Das Material sollte umweltschonend und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, gute Stabilität für ein mögliches Wiederverwenden aufweisen und sich am Ende der Gebrauchszeit gut recyceln lassen. Eine Arbeitsgruppe der Universität Göttingen forscht seit langem an Herstellungsverfahren für Produkte aus Popcorn, die eine umweltfreundliche Alternative zu Styropor- oder Kunststoffprodukten darstellen könnten. Über die kommerzielle Nutzung des Verfahrens und der Produkte für den Bereich Verpackungen hat die Universität nun einen Lizenzvertrag mit dem mittelständischen Unternehmen Nordgetreide abgeschlossen.

Noch ist die Verpackungsindustrie mit fast 40 Prozent der wichtigste Abnehmer der Kunststoffindustrie. Große Produzenten und Handelsketten haben jedoch längst begonnen, ihre Verpackungskonzepte zu überdenken und recyclingfähiger zu gestalten. Der Arbeitsgruppe „Chemie und Verfahrenstechnik von Verbundwerkstoffen“ an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen ist es nun gelungen, aufbauend auf ihren langjährigen Erfahrungen im Bereich nachwachsender Rohstoffe ein neuartiges Verfahren zu entwickeln, mit dem sich dreidimensionale Formkörper aus Popcorngranulat herstellen lassen. Großer Vorteil dieses Granulats: Es ist eine biobasierte, umweltschonende und nachhaltige Alternative zu den bisher in der Industrie verwendeten Produkten auf Styroporbasis.

„Mit diesem neuen an die Kunststoffindustrie angelehnten Verfahren lassen sich nunmehr die verschiedensten Formteile herstellen“, erklärt der Leiter der Forschungsgruppe, Prof. Dr. Alireza Kharazipour. „Besonders für den Bereich Verpackungen lässt sich so gewährleisten, dass Produkte sicher transportiert werden. Und dies mit einem Verpackungsmaterial, das anschließend sogar biologisch abbaubar ist.“ Darüber hinaus besitzen die neuen Popcorn-Produkte wasserabweisende Eigenschaften, was ihre Einsatzmöglichkeiten noch vergrößert.

Nordgetreide-Geschäftsführer Stefan Schult ergänzt: „Jeden Tag verschmutzen wir unsere Erde mit einer exponentiell zunehmenden Menge an Plastikmüll, der unser Öko-System auf Jahrtausende belastet. Unsere Popcorn-Verpackungen sind eine hervorragende, nachhaltige Alternative zu erdölbasiertem Styropor. Die pflanzenbasierten Verpackungen werden aus einem nicht für Lebensmittel geeigneten Reststoff unserer Cornflakes-Produktion hergestellt und sind nach der Verwendung rückstandslos kompostierbar.“

Den Lizenzvertrag zwischen Universität und Nordgetreide hat die MBM ScienceBridge GmbH vermittelt, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Georg-August-Universität Göttingen Stiftung Öffentlichen Rechts. Die Patentverwertungsagentur agiert für insgesamt neun niedersächsische Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen: Sie prüft wissenschaftliche Erfindungen auf die Möglichkeit einer Patentanmeldung und auf wirtschaftliches Potenzial. Anschließend kümmert sie sich um die weltweite Vermarktung sowie die Verhandlung, Betreuung und Überwachung von Lizenzverträgen. Das aktuelle Portfolio enthält Projekte aus der Biomedizin, Medizintechnik, Messtechnik, Chemie, Physik und den Forst- sowie Agrarwissenschaften.

Kontakt:

Prof. Dr. Alireza Kharazipour
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
AG Chemie und Verfahrenstechnik von Verbundwerkstoffen
Büsgenweg 2, Telefon (0551) 39-33488
E-Mail: akharaz@gwdg.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/72110.html

Weitere Informationen:

https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=6255 Foto

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Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

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