Neuer organischer Schadstoff zum ersten Mal im Arktischen Ozean nachgewiesen

Der Arktische Ozean wird zu einer Quelle für Schadstoffe wie bestimmte PFAS, die schon längst verboten sind. HZG/Hanna Joerss

Einige PFASs, darunter PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure), stehen in Verdacht, eine verringerte Immunantwort auf Impfungen zu bewirken. Zudem können sie einen erhöhten Cholesterinspiegel und weitere Gesundheitsprobleme verursachen.

Aufgrund ihrer besorgniserregenden Eigenschaften wurden PFOA und PFOS von der Industrie freiwillig aus dem Verkehr gezogen, und die EU-Kommission hat 2006 den Einsatz von PFOS stark eingeschränkt.

HZG-Küstenforscherin Hanna Joerss erklärt: „Da die Schadstoffe aber langlebig und nahezu unzerstörbar sind, werden diese noch immer in großem Umfang in der Umwelt nachgewiesen.“

Die neue Substanz, HFPO-DA (Handelsname GenX), wird von der Industrie als Ersatz für das regulierte PFOA eingesetzt. Auch diese Substanz könnte sich als gefährdend für die Meeresumwelt, für im Meer lebende Tiere und für die Gesundheit der Menschen herausstellen.

Auf der Suche nach Problemstoffen
Hanna Joerss und weitere Forschende des HZG, der Universität Harvard sowie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben den weiträumigen Transport von PFAS-Altstoffen und PFAS-Ersatzstoffen am Eingangstor der Arktis, der Framstraße, einem abgelegenem Seegebiet zwischen Grönland und Spitzbergen, untersucht.

An Bord des Forschungseisbrechers FS POLARSTERN sammelten sie Wasserproben entlang zweier Strömungen, die in den Arktischen Ozean ein- und austreten sowie entlang der Fahrt von Bremerhaven in die Arktis und zurück nach Tromsø (Norwegen). Die Probennahmen erfolgten bis in 3.000 Meter Wassertiefe.

Das Wissenschaftlerteam wies mithilfe der Massenspektrometrie elf verschiedene PFAS in den Wasserproben nach. Darunter PFOA, PFOS, HFPO-DA und andere lang- und kurzkettige PFAS. Dies war das erste Mal, dass der neue Ersatzstoff HFPO-DA in Meerwasser einer so abgelegenen Region nachgewiesen wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbindung wie ihre Vorgängersubstanz über lange Strecken transportiert wird.

Zudem wurden höhere Konzentrationen von PFAS im Meerwasser festgestellt, welches den Arktischen Ozean verlässt als im Wasser, das aus dem Nordatlantik in die Arktis eintritt. Die charakteristische Zusammensetzung der verschiedenen PFAS im austretenden Wasser deutet darauf hin, dass ein größerer Anteil aus atmosphärischen Quellen stammt als im eintretenden Wasser, in dem der Transport mit den Meeresströmungen eine größere Rolle spielt.

Der Klimawandel – Bumerang für Schadstoffe
Hanna Joerss macht deshalb auf ein Problem aufmerksam: „Durch den Klimawandel und die steigenden Temperaturen schmilzt das arktische Eis. Schadstoffe, die über weite Strecken in die Arktis gelangt sind und sich dort jahrzehntelang angereichert haben, werden wieder freigesetzt.“ Der arktische Ozean wird so zu einer Quelle für Schadstoffe, wie zum Beispiel PFOS, die schon längst verboten sind.

Hanna Joerss
Department of Environmental Chemistry / Institute of Coastal Research
Helmholtz-Zentrum Geesthacht
Phone: +49 (0)4152 87-2353
Hanna.Joerss@hzg.de

https://dx.doi.org/10.1021/acs.est.0c00228
Die Publikation wird am 29.07.2020 um 8 a.m. EDT veröffentlicht. Das Paper können Sie über newsroom@acs.org anfragen.

Media Contact

Dr. Torsten Fischer Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Weitere Informationen:

http://www.hzg.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Durchleuchten im Nanobereich

Physiker der Universität Jena entwickeln einen der kleinsten Röntgendetektoren der Welt Ein Röntgendetektor kann Röntgenstrahlen, die durch einen Körper hin­durchlaufen und nicht von ihm absorbiert werden, aufnehmen und somit ein…

Wer hat das Licht gestohlen?

Selbstinduzierte ultraschnelle Demagnetisierung limitiert die Streuung von weicher Röntgenstrahlung an magnetischen Proben.   Freie-Elektronen-Röntgenlaser erzeugen extrem intensive und ultrakurze Röntgenblitze, mit deren Hilfe Proben auf der Nanometerskala mit nur einem…

Mediterrane Stadtentwicklung und die Folgen des Meeresspiegelanstiegs

Forschende der Uni Kiel entwickeln auf 100 Meter genaue Zukunftsszenarien für Städte in zehn Ländern im Mittelmeerraum. Die Ausdehnung von Städten in niedrig gelegenen Küstengebieten nimmt schneller zu als in…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close