Natur kennt keine Grenzen: Biodiversitätsmanagement in Naturschutzgebieten

Der Storch wurde mittlerweile zu einem der Symboltiere des Artenschutzes. (Copyright: BeNatura)<br>

Europaschutzgebiete sind wichtig, um die Artenvielfalt Europas zu erhalten. Wenn diese Gebiete allerdings nicht richtig organisiert und geführt werden, verlieren sie einen großen Teil ihres Nutzens. Das internationale Forschungsprojekt BeNatur untersucht daher, wo derzeit die Probleme liegen, und durch welche Regelungen Europas Naturschutzgebiete ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen besser gerecht werden können. Eine umfangreiche Studie dazu wurde nun im Rahmen einer internationalen Konferenz an der TU Wien präsentiert.

Natura 2000 Schutzgebiet- und was nun?

Die EU hat schon 1992 festgelegt, welche Arten und Lebensräume besonders schützenswert sind. Diese Richtlinien bilden die Grundlage von „Natura 2000“, einem umfassenden Netzwerk von Schutzgebieten. Wenn man eine Region zum Schutzgebiet erklärt, ist aber zunächst noch nicht viel erreicht: Wie man das Bestreben, Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume zu schützen nämlich in Gesetze, Verwaltungs- und Managementstrukturen umlegt, ist zunächst noch nicht klar.

Besonders in den Natura 2000 Schutzgebieten des südosteuropäischen Raumes gibt es Verbesserungsbedarf. Daher hat man das Projekt „BeNatur“ ins Leben gerufen: In diesem internationalen Forschungsprogramm wird untersucht, wie man die bestehenden Ziele und Direktiven am besten in konkrete Regelungen gießen und umsetzen kann. Untersucht wird dabei der südosteuropäische Raum von Italien über Österreich und den Balkan bis nach Griechenland. Ein ganz besonderes Augenmerk wird dabei auf Flüsse, Seen und Küstengebiete gelegt.

Gut für die Umwelt, gut für die Menschen

„Natura 2000 haben nicht nur eine wichtige ökologische Bedeutung, sondern auch eine wirtschaftliche und soziale“, sagt Prof. Michael Getzner vom Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung der TU Wien. Schutzgebiete können für eine Region einen großen Mehrwert bringen, wenn sie sich etwa für nachhaltigen Tourismus nutzen lassen und für neue Arbeitsplätze sorgen.
„In vielen Natura 2000 ist allerdings das nötige Verständnis für Planung und Management noch nicht gegeben“, meint Denise Zak (TU Wien). „Wenn man ein Naturschutzgebiet leitet ohne zu wissen, welche Möglichkeiten es gäbe und wie viel Geld dafür erforderlich wäre, dann kann man die möglichen Vorteile auch nicht nutzen.“ Trainingsangebote für Schutzgebiets-Verwaltungen sind daher ein wichtiger Teil des BeNatur-Projektes.

In Österreich werden die Natura 2000 Gebiete vergleichsweise gut geführt. Größere Probleme gibt es weiter im Osten – und ganz besonders dort, wo sich Naturschutzgebiete über Staatsgrenzen hinweg erstrecken. „Dort fehlen oft nach wie vor länderübergreifende Konzepte für diese Gebiete“, kritisiert Denise Zak.

Natur, Mensch, Wirtschaft

Das Forschungsteam der TU Wien rund um Prof. Michael Getzner trat mit Behörden und Schutzgebiets-Managern aus ganz Südosteuropa in Kontakt um ein genaueres Bild vom aktuellen Zustand zu erhalten. Analysiert wurden rechtliche, organisatorische, ökologische und sozioökonomische Fragen. „Die rechtliche Umsetzung ist mittlerweile zum Großteil erfolgt, im organisatorischen Bereich gibt es große Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten“, „Die rechtliche Umlegung ist mittlerweile zum Großteil erfolgt, in der tatsächlichen Umsetzung und der Organisation gibt es enorme Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten“, sagt Denise Zak.

Der „Pandabär-Effekt“: Sind manche Arten wichtiger als andere?

Im Bereich Ökologie wäre vor allem eine effizientere Dauerbeobachtung (Monitoring) der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten wünschenswert. „Manchmal beschränkt man sich hier auf einzelne, spezielle Arten, die besonders populär sind, auch wenn andere Spezies ökologisch genauso wichtig sind. Manchmal gibt es sogar ein angemessenes Monitoring, doch die Daten werden nicht entsprechend weitergeleitet und bleiben in der Schublade liegen“, so Zak. Das Projekt BeNatur soll dazu beitragen, die Vernetzung zwischen den einzelnen Naturparks und auch die Informationsflüsse an politische Stellen zu verbessern.

Aus der Analyse der derzeitigen Situation lassen sich folgende Forderungen ableiten:

• In jedem Natura 2000 Gebiet sollten eigene SchutzgebietsbetreuerInnen für das Management verantwortlich sein.

• Es müssen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten (Seminare, Kurse) für SchutzgebietsbetreuerInnen und Verwaltung angeboten werden, die spezifisch auf die Natura 2000 Fragestellungen eingehen.

• In jedem Staat sollte ein Natura 2000 Kompetenzzentrum eingerichtet werden, das den Nationalen und internationalen Wissensaustausch und Förderschienen koordinieren soll • Es sollten Standards für die einheitliche Entwicklung von Managementplänen und Qualitätsstandards für das Management ausgearbeitet werden.

• Es müssen Konzepte, Indikatoren und Mechanismen zur regelmäßigen Erfolgskontrolle des Managements ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Insgesamt ist das Programm BeNatur nicht nur für jene da, die sich mit der Verwaltung und Regulierung von Natura 2000 Gebieten beschäftigen. Das langfristige Ziel ist, ganz allgemein das Bewusstsein für die Bedeutung von Naturschutz und Biodiversität zu fördern.

Be-Natura im Web:
http://www.be-natur.it/
Bilderdownload: http://www.tuwien.ac.at/dle/pr/aktuelles/downloads/2012/naturschutzgebiete/

Rückfragehinweise:

Mag. Denise Zak
Department für Raumentwicklung,
Infrastruktur- und Umweltplanung
Fachbereich für Finanzwissenschaft
und Infrastrukturpolitik
Technische Universität Wien
Resselgasse 5, 1040 Wien
T: +43-1-58801-280316 bzw. 0650/4312347
denise.zak@tuwien.ac.at

Prof. Michael Getzner
Department für Raumentwicklung,
Infrastruktur- und Umweltplanung
Technische Universität Wien
Fachbereich für Finanzwissenschaft
und Infrastrukturpolitik
Resselgasse 5, 1040 Wien
T: +43-1-58801-280320
michael.getzner@tuwien.ac.at

Ansprechpartner für Medien

Dr. Florian Aigner Technische Universität Wien

Weitere Informationen:

http://www.tuwien.ac.at

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