Korallenriffe: Lebensgrundlage in arger Bedrängnis

Um die Korallenriffe der Welt ist es weiterhin schlecht bestellt. Nun hat ein Forscherteam der United Nations University ein neues Standardwerk geschaffen, das ein besseres Management für diese hochsensiblen Regionen bietet. „In vielen Entwicklungsländern sind die Riffe mit ihren Lebewesen eine der wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen“, so Peter Sale vom Institute for Water, Environment and Health an der UNU im pressetext-Interview. „Doch das Riff-Management lässt in vielen Regionen zu wünschen übrig“, erklärt der Forscher.

„Selbst wenn marine Schutzzonen eingerichtet wurden, werden diese aufgrund fehlender finanzieller Mittel häufig nur unzureichend verwaltet“, kritisiert der Wissenschaftler. Wie wichtig ein umfassender Schutz – inklusive temporärer Fischereiverbote – sei, zeige sich daran, dass viele Lebewesen im Larvenstadium besonders empfindlich sind. Wie lange verschiedene Tiere im Larvenstadium im freien Meer zum Teil sogar weit von ihren Riffen entfernt leben, ist unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass sie alle eine entscheidende Rolle für ein gesundes Riff spielen.

Schutz muss Geld wert sein

Der Zustand der einzelnen Riffe in der Karibik und im Pazifik variiert sehr stark, erklärt der Fachmann. Auch hier zeige sich sehr deutlich, wo gutes Management und Missmanagement betrieben wurde. „Riffe spielen nicht nur für die Fischerei, sondern auch für den Tourismus eine wesentliche Rolle“, erklärt Sale. Doch vielerorts kümmern sich große Hotelbetreiber um diese kaum oder gar nicht.

Ein abschreckendes Beispiel ist etwa der Massentourismus an der mexikanischen Karibikküste. Internationale Hotelbetreiber haben große Anlagen errichtet und kümmern sich um die Belange der lokalen Bevölkerung nicht. Mangroven, die für die Brut von unzähligen Tieren lebensnotwendig sind, wurden gerodet und in Strände umgewandelt. Küstenerosion sorgt dafür, dass der Sand für die Strände immer wieder neu aufgeschüttet werden muss.

Besser hat die Regierung des kleinen mittelamerikanischen Landes Belize reagiert. Hier fehlen die großen Hotelanlagen und man setzt auf Öko-Tourismus. „Natürlich gibt es auch dort Probleme mit einem effektiven Management der Riffe, dennoch sind die Auswirkungen weit weniger dramatisch als in Mexiko“, so Sale.

In den Erhalt der Riffe investieren

„Riffe sind heute nicht mehr frei“, meint Sale. „Zu viele Menschen entnehmen den Riffen zu viel. Erschwerend kommen Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung hinzu. Die Folgen sind dramatisch.“ Sale kritisiert, dass der Wert der intakten Natur immer noch zu gering geschätzt wird. „Es wäre kein Problem von Touristen, die Korallenriffe nutzen, einen Dollar pro Tag für den Schutz dieser Habitate abzuverlangen.“ Natürlich müsse dann sichergestellt werden, dass dieses Geld auch tatsächlich zum besseren Management verwendet wird.

Weitere Informationen zum Coral Reef Targeted Research & Capacity Building for Management (CRTR) Program: http://www.gefcoral.org

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://www.inweh.unu.edu

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