Kommunen gegen Flächenverbrauch

In einem grenzübergreifenden Verbundprojekt haben sich zwölf kleine und mittelgroße Kommunen am Oberrhein zusammengetan. Sie tauschen Wissen aus und wollen Konzepte dafür entwickeln, wie sich Flächenverbrauch intelligent und nachhaltig steuern lässt. KIT-Wissenschaftler koordinieren gemeinsam mit der Universität Strasbourg das deutsch-französische Projekt.

Das Vorhaben läuft drei Jahre und ist mit einem Etat von 490.000 Euro ausgestattet. Die Hälfte der Kosten trägt die Europäische Union aus Mitteln des Europäsischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Vier Ziele verfolgt das jetzt angelaufene Projekt „Qualitätsorientiertes Flächenmanagement in kleinen und mittelgroßen Kommunen am Oberrhein“: Die zwölf Kommunen an Runden Tischen tauschen grenzüberschreitend Wissen und Erfahrungen aus, um neue Konzepte für einen intelligenten Flächenverbrauch aufzusetzen. In einem zweiten Schritt erarbeiten gewählte Vertreter der Gemeinden, technische Experten und Universitäten innovative Leitfäden und praktische Werkzeuge, die der Zielgruppe angepasst sind.

„Im dritten Schritt folgt die exemplarische Umsetzung der Ergebnisse in den Modellkommunen, also der Transfer von Ideen und Werkzeugen“, erklärt Jana Wegner vom Deutsch-Französischen Institut für Umweltforschung (DFIU) des KIT. Um die Entwicklung zu verstetigen entsteht schließlich ein stabiles Netzwerk aller Akteure für eine kontinuierliche Wissensgenerierung. Das KIT fungiert als Projektträger und koordiniert das Projekt gemeinsam mit der Université de Strasbourg.

In einer Vorstudie haben sich die Teilregionen Elsass und Baden als ideales Feld für den Ansatz empfohlen. Es gibt viele Gemeinden mit unter 20.000 Einwohnern, die als prosperierende Wirtschafts- und Kulturstandorte unter starkem Flächendruck stehen und denen die technischen sowie finanziellen Mittel fehlen, um ein optimiertes Flächenmanagement durchzuführen. „Die trinationale Region Oberrhein hat angesichts ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und bewährten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zudem Modellcharakter als europäische Metropolregion“, ergänzt Projektkoordinator Dr. Ingmar Gehrke vom DFIU. Aufbauen können dabei die Projektpartner auf vorhandenem Potenzial: In der Region existieren drei unterschiedliche Planungskulturen sowie eine Vielzahl von Methoden, Erfahrungen, Konzepten und Ideen, die nun in neue Formen des Flächenmanagements münden sollen.

Flächenmanagement ist eine Querschnittsaufgabe und entsprechend sollen die Konzepte sowie praxisnahen Informationssysteme allen Flächenakteuren zur Hand gehen. Adressiert werden die planungsrechtliche Ebene mit Aufgaben wie Bauleitplanung, Brachflächenvermeidung oder Flächenrecycling, die ökonomische Ebene, auf der Themen diskutiert werden wie Städtebauförderung, Entfernungspauschale oder Standort-Image, Steuerungsinstrumente, zu denen Bürgerbeteiligung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zählen. „Generell zielt kommunales Flächenmanagement ab auf die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und den Schutz des Bodens“, erläutert die Raumplanerin Wegner. Zudem verfolge das Projekt quantitative Aspekte wie den optimierten Umgang mit der Ressource Fläche und qualitative Aspekte, „wie etwa den Erhalt von lebendigem Ortszentrum durch Innenentwicklung“.

Um dem Anspruch des Verbundprojekts gerecht zu werden, hat sich eine starke Teilnehmer- und Finanzierungsgemeinschaft formiert. Die EU schießt für das INTERREG-Projekt aus den Fördermitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) die Hälfte der Projektkosten zu. Das Motto ist hier: „Der Oberrhein wächst zusammen, mit jedem Projekt“. Kofinanzierer sind auf deutscher Seite das Umwelt- und Verkehrsministerium Baden-Württemberg und das KIT, auf französischer Seite die Région Alsace, der Conseil Général du Bas-Rhin, die Direction Régionale de l'Environnement, de l'Aménagement et du Logement (DREAL) Alsace sowie die Université de Strasbourg. Zu den zwölf Pilotgemeinden – von Au am Rhein bis Sexau – kommen noch acht weitere nicht-kofinanzierende Partner dazu, darunter der Kanton Basel-Landschaft und die Vogesen-Naturparks.

Die geplanten Projektkosten belaufen sich auf 492.970 Euro. „Unser Projekt ist in dem EU-Programm INTERREG IV-A Oberrhein angesiedelt“, erläutert Professor Frank Schultmann, Direktor des DFIU. Das „A“ stehe für die Ausrichtung auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Unterschied zu Kooperationen mit länderübergreifenden (B) und interregionalen (C) Charakter. In einem sogenannten „Operationellen Programm“ sind Programmstrategie und Schwerpunkte festgelegt.“

Das Deutsch-Französische Institut für Umweltforschung (DFIU; http://www.dfiu.kit.edu) am KIT trägt dem in Frankreich und Deutschland weit verbreiteten Wunsch nach verstärkter grenzüberschreitender wissenschaftlicher Zusammenarbeit im Bereich der Umweltforschung Rechnung. Die binationalen und interdisziplinären Forschungsaktivitäten erstrecken sich auf die Umweltmedien Luft, Abfall und Energie oder auch auf Fragen der Kreislaufwirtschaft, des Flächen- und Stoffstrommanagements, der Elektromobilität, des nachhaltigen Bauens, der Technikbewertung und des Risikomanagements. Weitere Informationen unter: http://www.dfiu.kit.edu/flaeche.php

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Weiterer Kontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 608 8126
Fax: +49 721 608 3658
E-Mail: Monika.Landgraf@kit.edu

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Dr. Elisabeth Zuber-Knost idw

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