Klimawandel gefährdet Wildbienen im Hochgebirge

Eine Berglandhummel (Bombus monticola) im Nationalpark Berchtesgaden auf einer Kleeblüte.<br>Foto: Bernhard Hoiß<br>

Gletscher schmelzen, Dauerfrostböden tauen auf: Die Klimaerwärmung zeigt sich auch in den Hochgebirgen. Und natürlich werden sich die höheren Temperaturen dort auch auf Tiere und Pflanzen auswirken – zum Beispiel auf Wildbienen, die wichtigsten Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen.

Wie beeinflussen unterschiedliche klimatische Bedingungen die Artenvielfalt der Wildbienen? Welche Eigenschaften dieser Bienen sind für ihr Überleben unter anderen klimatischen Verhältnissen wichtig? Das haben die Würzburger Biologen Bernhard Hoiß, Jochen Krauss und Ingolf Steffan-Dewenter im Nationalpark Berchtesgaden untersucht. „Der Nationalpark ist dafür hervorragend geeignet, weil es dort auf engem Raum große Höhen- und damit große Klimaunterschiede gibt“, erklärt Hoiß.

Wildbienen im Nationalpark Berchtesgaden

In 600 bis 2000 Metern Höhe haben die Würzburger Forscher im Nationalpark Berchtesgaden insgesamt 87 Arten von Wildbienen nachgewiesen. Allein 19 davon gehören zu den Hummeln. Der Artenreichtum und die Zahl der Individuen sind auf den niedriger gelegenen, warmen Flächen ungefähr zwei bis drei Mal größer als auf den Wiesen weiter oben.

Folgende Eigenschaften treten gehäuft in den Artengemeinschaften auf, die unter kälteren Bedingungen leben: die Organisation in sozialen Insektenstaaten, der Bau unterirdischer Nester, größere Körper und eine größere Höhenverbreitung. Der Großteil der Arten in höheren Lagen hat nur ein kleines Verbreitungsgebiet und ist an alpine und kühle Lebensräume angepasst.

Konkurrenzkraft sinkt mit steigender Höhe

Diese evolutionären Anpassungen an widrige klimatische Bedingungen im Gebirge gehen auf Kosten der Konkurrenzstärke. Das heißt: Sollten weniger kältetolerante Arten mit ähnlichen Ansprüchen in den Lebensraum der „Hochgebirgsspezialisten“ vordringen, wären diese im Nachteil – etwa weil ihre Blüten nun auch von anderen Bienen als Nahrungsquelle genutzt werden.

„Diese reduzierte Konkurrenzkraft könnte den Spezialisten zum Verhängnis werden, wenn mit einem wärmer werdenden Klima die dominanteren, wärmeliebenden Arten die alpinen Lebensräume erobern“, sagt Bernhard Hoiß. Dadurch sei das Überleben der spezialisierten Wildbienen in den hohen Lagen der Alpen gefährdet. Und für Regionen in hohen Breitengraden sei derselbe Effekt zu erwarten, zum Beispiel in Nordskandinavien.

Auswirkungen auf die Pflanzenwelt beschreiben

Wie wird sich der prognostizierte Schwund der Wildbienen auf die Bestäubung und damit auf die artenreichen Pflanzen-Lebensgemeinschaften in den entsprechenden Regionen auswirken? Diese Frage wollen die Würzburger Biologen als nächstes angehen. Erste Experimente dazu haben sie im Nationalpark Berchtesgaden schon gemacht.

Diese Ergebnisse wurden im Forschungsprojekt FORKAST erarbeitet. Es wird vom bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Rahmen des „Klimaprogramms Bayern 2020“ gefördert.

„Altitude acts as an environmental filter on phylogenetic composition, traits and diversity in bee communities”, Bernhard Hoiss, Jochen Krauss, Simon G. Potts, Stuart Roberts, and Ingolf Steffan-Dewenter, Proc. R. Soc. B (2012), online publiziert am 29. August, doi:10.1098/rspb.2012.1581

Kontakt

Bernhard Hoiß, Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie), Biozentrum der Universität Würzburg, T (0931) 31-82394, bernhard.hoiss@uni-wuerzburg.de

Media Contact

Robert Emmerich Uni Würzburg

Weitere Informationen:

http://www.uni-wuerzburg.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Live-Webinar 10.12.: Fraunhofer IPA vs. Corona

Aktuelle Anwendungsfälle aus der angewandten Forschung Die Corona-Pandemie stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen, denn es gilt, die Bevölkerung und den Wohlstand optimal zu schützen. Expertinnen und Experten von Fraunhofer…

Und der Haifisch, der hat Zähne

Besonderheit im Zahnschmelz von Haifischzähnen entdeckt Haifischzähne müssen während ihrer kurzen Verweildauer auf den Punkt funktionieren: Der Port-Jackson-Stierkopfhai ernährt sich von harten Beutetieren wie Seeigeln und Muscheln. Seine Zähne müssen…

Quantenphotonik für abhörsichere Kanäle und extrem genaue Sensoren

Yes, we quant! Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer IZM wollen die Quantenphysik aus den Lehrbüchern in die Realität bringen. Mit Hilfe von optischen Glas-integrierten Wellenleitern entwickeln sie eine universelle Plattform,…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close