Erste "Volkszählung der Meere" veröffentlicht

Als Ende April die ganze Welt auf den Golf von Mexiko blickte, konnte niemand genau sagen, wie viele Meerestiere von der Ölkatastrophe betroffen sind. Diese Wissenslücke füllt nun der „Census of Marine Life“.

Diese erste und bisher umfangreichste Auflistung aller Lebewesen, die in den Meeren leben, wird im Oktober 2010 präsentiert. Schon jetzt veröffentlicht die Fachzeitschrift PLoS ONE die wichtigsten Ergebnisse. „Wir können nun etwa sagen, dass an der Stelle, an der das Öl austrat, 8.344 bekannte Arten leben“, berichtet Ron O'Dor, Census-Koordinator in Washington D.C., im pressetext-Interview.

Meere beherbergen 150.000 Arten

156.000 Arten in 25 Schlüsselregionen haben die über 2.000 beteiligten Forscher von 80 Nationalitäten insgesamt verzeichnet, wobei der Durchschnitt pro Region bei 10.000 liegt. Die größte Biodiversität verzeichnen die Meere Australiens, Japans und Chinas, die das Zuhause von bis zu 33.000 Arten sind. „Dieses goldene Dreieck ist aufgrund seiner Biodiversität der 'Regenwald der Meere'. Es sind besonders inselreiche Meeresstellen, zudem gibt es in dieser Zone die meisten Korallenriffe“, erklärt O'Dor. Dahinter rangieren das Mittelmeer und der Golf von Mexiko. Hier spielt auch mit, dass beide Regionen relativ gut erforscht sind.

Der Census ist durchaus für Überraschungen gut. „Er stellt etwa das populäre Bild der Meerestiere völlig auf den Kopf“, betont Census-Mitbegründer Jesse Ausubel gegenüber pressetext. Die artenreichste Gruppe bilden die Krustentiere, zu der jede fünfte bekannte Art gehört. Dahinter rangieren Mollusken (17 Prozent) und erst an dritter Stelle Fische (zwölf Prozent). Lange nach Einzellern, Algen, Würmern, Seeanemonen und Korallen kommt an letzter Stelle die Gruppe „anderer Wirbeltiere“ (zwei Prozent). „Von dieser machen wiederum nur zwei Prozent Tiere wie Wale, Seelöwen, Robben, Meeresvögel, Schildkröten und Walrosse aus. Die bekanntesten Meerestiere sind nur winziger Teil der marinen Artenvielfalt“, so Ausubel.

Überfischung ist globales Hauptproblem

Sichtbar wird auch, was die Biodiversität jeder Region am meisten gefährdet. „Wichtigstes globales Problem ist der kommerzielle Fischfang. Dahinter steht die Zerstörung von Lebensräumen durch Grabungen, Ölförderung oder Austrocknung. Die dritte Gefahr ist schließlich der Temperaturanstieg“, so O'Dor. Die Probleme unterscheiden sich von Region zu Region. „Invasive Arten sind etwa im Mittelmeer am gefährlichsten. Sie stammen aus dem roten Meer und dringen über den Suezkanal ein“, ergänzt Ausubel. Das Mittelmeer ist für den US-Forscher somit „Welthauptstadt der invasiven Tiere“.

Die Auflistung „vom Bakterium bis zum Wal und von der Wasseroberfläche bis hin zum Meeresgrund“ durch den Census nützt besonders der Wissenschaft und dem Naturschutz. „Erstmals können wir mit diesem Werkzeug den Artenverlust genau dokumentieren“, betont O'Dor.

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Johannes Pernsteiner pressetext.austria

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