Einschränkung des Welthandels nützt dem Klima kaum

Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass die westlichen Länder ihre Emissionen gleichsam ausgelagert haben und somit Regelungen zum Klimaschutz umgehen. Das zeigt eine diese Woche in Nature Climate Change erscheinende Studie.

Stattdessen haben die Forscher eine ganze Reihe von Faktoren für Ungleichgewichte bei den Emissionen dingfest gemacht, darunter die US-Exportschwäche. Ihr Fazit: Eingriffe in den Welthandel, etwa CO2-Zölle, würden die globalen Emissionen wohl nur in begrenztem Umfang mindern.

Der ständig wachsende internationale Handel führt, wie frühere Forschung gezeigt hat, auch zu einem beträchtlichen Transfer von CO2 von einem Land ins andere. Das Treibhausgas ist gewissermaßen in den gehandelten Gütern enthalten, weil es durch den Energieaufwand bei ihrer Herstellung entstand. „Typischerweise führen wir im Westen Waren ein, bei deren Herstellung in ärmeren Ländern viele Treibhausgase freigesetzt werden – und die Frage ist umstritten, wem diese Emissionen zugerechnet werden sollten“, erklärt Michael Jakob vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), einer der Autoren. Brisant ist dies, weil die westlichen Länder sich vielfach ehrgeizige Ziele zur Reduktion ihrer Emissionen gesetzt haben. Würden diese zu einem guten Teil dadurch erreicht, dass emissionsträchtige Industrie einfach in Drittländer verlagert wird, wäre dem Klimaschutz nicht gedient – der Wirtschaft aber vielleicht sogar geschadet.

Fast die Hälfte der CO2-Transfers in die USA hat ihre Ursache im amerikanischen Handelsbilanz-Defizit

„Erstmals haben wir die bekannten Emissions-Transfers jetzt in ihre Bestandteile zerlegt“, so Jakob. Die ökonomische Analyse beruht auf der Auswertung von Schätzungen, die von anderen Forschern im Rahmen vorheriger Studien ermittelt wurden. „Wir können zeigen, dass von dem in Form von Gütern in die USA strömenden CO2 fast 50 Prozent ihre Ursache allein im chronischen amerikanischen Handelsbilanz-Defizit haben“, erklärt Jakob. Die USA stoßen bei der Herstellung ihrer Exporte weniger CO2 aus, als in den Importen enthalten ist, einfach weil sie mehr importieren als exportieren. „Und nur rund 20 Prozent des CO2-Transfers aus China in die USA lässt sich darauf zurückführen, dass sich China gewissermaßen auf die Produktion schmutziger Güter spezialisiert hat“, so Jakob. Nur bei letzterem aber würden etwa Klimazölle greifen können.

Ohne Welthandel könnte der Ausstoß von Treibhausgasen in Ländern wie China möglicherweise sogar höher sein als heute, heißt es in der Studie. Westliche Länder exportieren oft Güter, etwa Maschinen, deren Herstellung viel Energie braucht. Diese Energie wird aber vergleichsweise sauber erzeugt. Hingegen stellt China viele Exportgüter wie zum Beispiel Spielzeug her, deren Produktion relativ wenig Energie benötigt, die aber von emissionsträchtigen Kohlekraftwerken bereitgestellt wird. Müsste China stattdessen mit seinem fossilen Energiemix mehr energieintensive Güter selbst produzieren anstatt diese zu importieren, stiegen die Emissionen. „Eingriffe in den Welthandel könnten also am Ende mehr schaden als nutzen“, sagt Ko-Autor Robert Marschinski von PIK und Technischer Universität Berlin.

„Entscheidend ist, wie sauber oder schmutzig die nationale Energieerzeugung ist“

„Entscheidend für die CO2-Transfers ist also nicht nur der Welthandel, sondern auch die Frage, wie sauber oder schmutzig die nationale Energieerzeugung jeweils ist“, betont Marschinski. Der Blick allein auf die CO2-Transfers könne täuschen. Wenn etwa die EU auf besonders emissionsarme Fertigungsweisen setze, könnte sie stärker zum Importeur von CO2 werden, ganz ohne dass sie ihre Produktion ausgelagert hätte.

„Um handelspolitische Eingriffe wie die viel diskutierten CO2-Zölle dennoch zu rechtfertigen, bräuchte man weitergehende Analysen – die beobachteten CO2-Bewegungen alleine reichen als Grundlage jedenfalls nicht aus“, erklärt Marschinski. „Derlei Maßnahmen können nicht das ersetzen, was wirklich nötig wäre: mehr internationale Kooperation.“ Diese könnte durch globale verbindliche Klimaziele Anreize für Investoren setzen, emissionsarme Technologien voran zu bringen. Effizienzinnovationen könnten finanziell gefördert und regionale Emissionshandelssysteme verknüpft werden, so Marschinski. „All dies könnte auf ökonomisch sinnvolle Weise helfen, von der Politik gesetzte Klimaschutzziele zu erreichen.“

Artikel: Jakob, M., Marschinski, R. (2012): Interpreting trade-related CO2 emission transfers. Nature Climate Change [DOI: 10.1038/nclimate1630] (Advance Online Publication)

Weblink zum Artikel, wenn er am 23.09. freigeschaltet wird: http://dx.doi.org/10.1038/nclimate1630

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Ansprechpartner für Medien

Mareike Schodder PIK Potsdam

Weitere Informationen:

http://www.pik-potsdam.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Rotorblattlager erfolgreich getestet

Prüfstand beweist sich im Regelbetrieb Das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES absolvierte auf dem Lagerprüfstand in Hamburg eine erfolgreiche Testreihe zur beschleunigten Prüfung von Rotorblattlagern. Im Rahmen von Forschungs- und Industrieprojekten…

Die Umwandlung von Formen in Zahlen

Die Natur hat viele Dinge hervorgebracht, die sich in Größe, Farbe, und vor allem in der Form voneinander unterscheiden. Während sich die Farbe oder Größe eines Objekts einfach bestimmen lässt,…

Blutgruppe bestimmt Zusammensetzung des Darmmikrobioms mit

CAU-Forschungsteam weist in großer Genomstudie Zusammenhänge bestimmter Genvarianten mit der Zusammensetzung der Bakterienbesiedlung im menschlichen Körper nach Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit erforschen seit einigen Jahren, inwiefern die Mikroorganismen, die in…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen