Ecuador: Sensibles Hochgebirge in Gefahr

Das „Humboldt“-Haus in Archidona im Páramo Ecuadors, in dem der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) übernachtete, bevor er den Vulkan Antisana (im Hintergrund) bestieg. © Foto: Dietmar Quandt/Uni Bonn

„Die Diversität und die Ökosysteme Ecuadors sind durch die Zerstörung der Habitate, unsachgemäße Nutzung und Aufforstung extrem gefährdet“, sagt Prof. Dr. Dietmar Quandt vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen an der Universität Bonn. In den Höhenlagen zwischen rund 3.800 und 4.700 Metern kommt der „Páramo“ vor.

Dabei handelt es sich um eine Hochlandsteppe mit vereinzelt vorkommenden andinen Waldbereichen, die zum Teil durch Beweidung und Rodung durch den Menschen entstanden ist. Diese Vegetationsform speichert in ihren humusreichen Böden sehr viel Kohlendioxid und Wasser.

„Unsachgemäße Nutzung führt dazu, dass das Ökosystem zerstört wird und der Páramo allmählich austrocknet“, berichtet Quandt. „Dadurch wird unter anderem zunehmend die Erosion gefördert und die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung bedroht.“

Das „German-Ecuadorian Biodiversity Consortium“ (BIO-GEEC) will nun vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadiskussion und der voranschreitenden Zerstörung der Lebensräume die Biodiversität Ecuadors untersuchen. Hierfür haben sich unter Quandts Federführung insgesamt acht Partnerinstitutionen zusammengeschlossen – vier aus Deutschland und ebenso viele aus Ecuador.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördern das Projekt in den nächsten 18 Monaten mit rund einer Viertelmillion Euro.

Die Wissenschaftler aus Deutschland wollen an den ecuadorianischen Partneruniversitäten moderne Methoden der Artenbestimmung etablieren, darunter molekulare Technologien, Datenbanken und Web-Anwendungen. Mit der aufgebauten Infrastruktur sollen insgesamt vier Teilprojekte hinsichtlich öffentlicher, ökologischer und ökonomischer Interessen getestet werden: Diversität der Samenpflanzen und Bodenmikroorganismen im Páramo, Diversität und Spezifität der Palmen bestäubenden Insekten sowie Giftspinnen und deren Gifte.

Damit soll unter anderem die Basis für eine Wiederherstellung der natürlichen Grundlagen im Páramo geschaffen und auch wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten der verschiedenen Arten erkundet werden, zum Beispiel das Gift von Spinnen als möglicher Rohstoff für Medikamente. Die Untersuchungsflächen umfassen Höhenstufen vom Tieflandregenwald bis in den Páramo.

Außerdem ist ein internationales Netzwerk für gegenseitiges Training und wissenschaftlichen Austausch geplant. Unter dem Schirm von BIO-GEEC soll auch die Grundlage für künftige Projekte geschaffen werden. „Es handelt sich um einen Trittstein für weiterreichende Biodiversitäts-Forschungsprojekte in Ecuador, für die wir weitere Fördermittel einwerben wollen“, sagt Quandt.

Prof. Dr. Dietmar Quandt
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen
Universität Bonn
Tel. 0228/732526
E-Mail: quandt@uni-bonn.de

http://www.nees.uni-bonn.de/news/bio-geec

Ansprechpartner für Medien

Johannes Seiler idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Informationen:

http://www.uni-bonn.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

In Zeitlupe gegen Antibiotikaresistenz

Wie neuartige Therapeutika Einblicke in Membrane von Bakterien geben… Ob Bakterien gegen Antibiotika resistent sind, entscheidet sich oft an ihrer Zellmembran. Dort können Antibiotika auf dem Weg ins Zellinnere blockiert…

Abkürzung für Wächterzellen

Während einer Entzündungsreaktion muss es schnell gehen: Wächterzellen des Immunsystems steht dann ein schneller Weg aus dem Gewebe in Richtung Lymphknoten offen, wie ETH-Forschende herausgefunden haben. Damit unser Immunsystem auf…

Wenn der Krebs von der Prostata in die Knochen streut

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Prof. Dr. Michael Muders von der Universität Bonn zeigt, dass eine Blockade des Proteins Neuropilin 2 neue innovative Behandlungsmethoden des knochenmetastasierten Prostatakarzinoms ermöglichen könnte….

Partner & Förderer