Cousin: Rettung des tropischen Inselparadieses

Eine kleine Seychellen-Insel mit dem Namen Cousin ist in mühevoller Kleinarbeit wieder zu einem tropischen Juwel geworden. Das 29 Hektar große Inselchen, das bis vor wenigen Jahren eine Kokos-Plantage war, wurde mit ehemals dort heimischen Tieren und Pflanzen wiederbesiedelt. Verantwortlich dafür ist eine Organisation namens Nature Seychelles http://www.natureseychelles.org .

„Cousin ist ein perfektes Beispiel für ein erfolgreiches Naturschutzgebiet geworden“, meint der Molekularökologe David Richardson von der University of East Anglia in Norwich im pressetext-Interview. Richardson hat die endemische Seychellen-Grasmücke, einen Vogel, der nur auf drei Seychellen-Inseln heimisch ist, erforscht. „Mitte der 60er-Jahre gab es nur etwa 25 bis 30 Individuen. Heute sind es rund 320 erwachsene Vögel, die es auf der Insel gibt.“

Tiere haben Cousin wieder entdeckt

Richardson arbeitet seit 1997 auf den Seychellen. „Cousin ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Naturschutz und Wissenschaft perfekt Hand in Hand gehen können“, so der Forscher. Die Re-Naturierung der Insel hat für Flora und Fauna ausschließlich Vorteile gebracht. Große Kolonien von Seevögeln nisten hier. Im Inselinneren tummeln sich Geckos, Echsen und Riesenschildkröten sowie seltene Rote Landkrabben und Einsiedlerkrebse.

„Cousin ist zudem der wichtigste Nistplatz der Karettschildkröten im westlichen Indischen Ozean geworden“, so Nirmal Shah, CEO von Nature Seychelles. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der nistenden Meeresschildkröten verachtfacht. „Cousin wird heute nur von Wildhütern bewohnt. Doch steht auch Touristen ein Besuch der Insel mit dem Boot von Nature Seychelles offen. Gegen eine Gebühr darf man mit den Wildhütern die Insel besuchen“, erklärt Richardson.

Ursachen für den Erfolg erkunden

Cousin Island ist, anderes als viele andere tropische Inseln, niemals von Mäusen, Ratten und Katzen besiedelt worden. Das war die Rettung für die zahlreichen Vogelarten, aber auch für die Reptilien, da es auf sehr vielen indo-pazifischen Eilanden keine heimischen Landsäugetiere gibt. Trotz der Kokos-Plantage blieben die Grasmücken erhalten. „Um allerdings das Naturparadies zu schaffen, mussten alle Kokospalmen gerodet und durch heimische Flora ersetzt werden“, so Shah. „Heute sind die meisten Pflanzen auf Cousin endemisch. Damit ist die Insel die einzige der Seychellen, die großteils frei von artfremder Flora ist.“

„Doch für den Erfolg muss permanent gekämpft werden“, betont Shah, denn Samen von Papayas oder anderen Pflanzen treiben in dem günstigen Klima schnell aus. „Ein weiteres Problem ist die fehlende genetische Diversität der Grasmücken, die die Tiere empfindlich gegen Krankheiten macht“, so Richardson. „Diesem Problem begegnet man mit der Umsiedlung einzelner erwachsener Tiere von den drei anderen Seychellen-Inseln, auf denen sie auch heimisch sind.“

Vorbildwirkung nachahmen

Nature Seychelles will nun das erfolgreiche Modell auch auf andere Inseln ausweiten. „Um jedoch erfolgreich zu sein, müssen zunächst Katzen und Ratten vernichtet werden“, so Shah. „Anschließend pflanzen wir Wälder und bringen die Vögel zurück. So haben wir in den vergangenen zehn Jahren fünf Inseln renaturiert“, erklärt der Experte. Sehr erfolgreich war das Projekt auf Denis Island.

Dass Tourismus eine wesentliche Rolle für den Erfolg ist, bestreitet Shah nicht. Doch müsse sichergestellt werden, dass damit keine Bedrohung für die Flora und Fauna einhergeht. „So ist es verboten, Muscheln oder Schnecken am Strand zu sammeln“, erklärt Shah. Ein gutes Management sei jedenfalls der Schlüssel für den Erfolg, meint Richardson.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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