Bonner Wissenschaftler erforschen "Witwenland"

Feuchtgebiete nehmen in Afrika südlich der Sahara rund 228 Millionen Hektar ein. Beinahe ungenutzt und wenig erforscht sind die kleinen Feuchtgebiete in Ostafrika, die alleine in Tansania und Kenia etwa 12 Millionen Hektar umfassen.

Trotzdem übernehmen die saisonal unter Wasser stehenden Gebiete wichtige Funktionen als Speicher für Wasser und Kohlenstoff. Außerdem beherbergen sie viele Arten, die sonst nirgendwo vorkommen. Häufig erachten einheimische Stämme die Flächen als minderwertig und geben sie beispielsweise an Witwen ab, die das Land für den landwirtschaftlichen Eigenbedarf nutzen.

Durch das große Bevölkerungswachstum in Afrika kommt es heute jedoch zu einer immer intensiveren Bewirtschaftung der Feuchtgebiete, um die wachsenden städtischen Märkte mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Gerade die Zentren der Gebiete eignen sich für den Anbau von Reis, während an den trockeneren Randgebieten Gemüse wächst. Aber auch die internationale Schnittblumenindustrie hat die Vorteile der Feuchtgebiete entdeckt und nutzt sie zum großflächigen Anbau. „Die demographischen und ökonomischen Entwicklungen verstärken zunehmend den Druck auf diese Gebiete“, erklärt Professor Dr. Mathias Becker vom Bonner Institut für Nutzpflanzenwirtschaft und Ressourcenschutz, der das Projekt koordiniert. „Dadurch kommt es zu Konflikten, diese Tendenz mit den ökologischen und sozialen Funktionen in Einklang zu bringen.“

Ziel des Projektes ist es, Konzepte zu entwickeln, die die Vielfalt des Gebietes als Ökosystem und die veränderten Rahmenbedingungen der Nutzung berücksichtigen. „Bislang gibt es noch keine konkreten Handlungsoptionen, wie sich die notwendige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion mit den Vorgaben der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes vereinbaren lässt“, erläutert Becker. Zu Beginn wollen die Forscher vor Ort die Größe der einzelnen Feuchtgebiete messen, ihren Artenreichtum erfassen, Wasser- und Nährstoffflüsse messen und das landwirtschaftliche Nutzungspotenzial der Fläche bestimmen. Anhand dieser Daten wählen die Wissenschaftler die repräsentativsten Feuchtgebiete aus und erstellen ein umfangreiches Modell zur sinnvollen und umweltgerechten Nutzung.

„Wir möchten mit unserer Arbeit vor allem Entscheidungshilfen liefern und verdeutlichen, wie wertvoll diese Flächen sind“, sagt Becker. „Die Förderung durch die Volkswagenstiftung zeigt uns, dass wir im richtigen Trend liegen. Denn obwohl die Feuchtgebiete bislang als Stiefkinder der Agrarforschung betrachtet wurden, beschäftigen wir uns mit dem Thema schon seit langer Zeit.“

Kontakt:
Professor Dr. Mathias Becker
Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz
Universität Bonn
Telefon: 0228/ 73-4001
E-mail: mathias.becker@uni-bonn.de

Media Contact

Dr. Andreas Archut idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-bonn.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Neuroprothese aktiviert neue Verbindungen im Gehirn nach Schlaganfall

In der modernen Neuroprothetik wird erforscht, wie Menschen mit Lähmungen verloren gegangene Funktionen durch technologische Hilfsmittel wiedererlangen können. Hierbei versuchen die Patientinnen und Patienten die gelähmten Gliedmaßen zu bewegen –…

Ähnlichkeit von Hepatozyten aus Leber und aus Stammzellen verbessert

Die Forschung mit Stammzellen wird immer wichtiger, denn Stammzellen können sich in jede beliebige Körperzelle entwickeln – in Haut-, Nerven- oder Organzellen wie Leberzellen, die sogenannten Hepatozyten. Stammzellen können daher…

Hinweisschild für Abwehrzellen

Internationale Studie klärt Zusammenhänge der adaptiven Immunantwort auf. Wie erkennen T-Killerzellen von Viren befallene Körperzellen? Körperfremde Bestandteile werden als Antigene auf der Zelloberfläche wie eine Art Hinweisschild präsentiert. Die Langzeitstabilität…

Partner & Förderer