Landnutzung mit Weitblick: In der Region Mittelasien/Kaukasus starten zum Jahresbeginn 2007 zwei neue Projekte

Bodenerosion in Baschkortostan im Süden Russlands

Mit rund 240.000 Euro unterstützt die Stiftung in der Region ein Vorhaben, das eine langfristig vernünftige Landnutzung zum Ziel hat. Unter Federführung von Professor Dr. Manfred Frühauf vom Institut für Geographie der Universität Halle-Wittenberg beschäftigt sich ein deutsch-russisches Wissenschaftlerteam sowohl mit natürlichen als auch durch den Menschen verursachten Prozessen der Bodenerosion und Bodenverschlechterung in Baschkortostan. Die Republik Baschkortostan – mit 143.600 km2 drei Mal so groß wie beispielsweise Niedersachsen – liegt im Süden Russlands am Rande des Ural-Gebirges. Das Klima ist halbtrocken; die Landschaft ist überwiegend durch weite Ebenen geprägt und in die drei Zonen Baumsteppen, Grasland und Gebirgswälder unterteilt. In den hohen Lagen wird Ackerbau betrieben, während die Tiefebenen als Weiden oder extensives Weideland dienen.

Seit dem Zusammenbruch der früheren Sowjetunion hat sich der Umgang der Bevölkerung mit Land und Boden verändert: Zum einen werden inzwischen Flächen, die früher als zu wenig produktiv galten, landwirtschaftlich genutzt, zum anderen halten mehr und mehr Menschen privat Vieh in der Nähe von Siedlungen. Die Folge: eine zunehmende Verschlechterung und ein beschleunigter Abtrag der Böden. Insgesamt hat sich die Produktivität der genutzten Acker- und Weideflächen nach Expertenmeinung in den vergangenen zehn Jahren um rund 40 Prozent vermindert; zu den genannten Faktoren kommt noch hinzu, dass weniger Mineraldünger eingesetzt wird und Windschutzgebiete abgeholzt wurden.

Wie sieht das Zusammenspiel ökologischer, sozio-ökonomischer und politischer Einflussgrößen aus? Dieser Kernfrage gehen die Wissenschaftler im Detail nach und nutzen dazu einerseits Informationen aus russischen Archiven und Fernerkundungsdaten, andererseits führen sie vor Ort Freilandarbeiten durch. Ihr Ziel ist es, die Voraussetzungen zu schaffen für eine nachhaltige Landnutzung in dieser Region. Am Ende des Vorhabens, an dem auf russischer Seite Wissenschaftler von der Bashkir State University in Ufa beteiligt sind, sollen Empfehlungen für Strategien zur Bodenerhaltung stehen. Das Projekt zeichnet auch aus, dass sich der wissenschaftliche Nachwuchs vor Ort qualifizieren kann: Zwei junge Forscher aus der Region arbeiten mit einem deutschen Doktoranden eng zusammen.

Grasland-Ökosysteme in Aserbaidschan

Mit 600.000 Euro unterstützt die VolkswagenStiftung ein interdisziplinäres Verbundprojekt zu den Grasland-Ökosystemen in Aserbaidschan. Geographen ebenso wie Landschafts-Ökologen und -Ökonomen der Universitäten Greifswald und Baku untersuchen die subalpinen und alpinen Weiden im Großen und Kleinen Kaukasus sowie die Steppen und Halbwüsten der Niederungsgebiete, die intensiv als Sommer- beziehungsweise Winterweiden genutzt werden. Diese Gebiete sind einerseits als Wirtschaftsflächen von Bedeutung, weisen andererseits eine hohe Biodiversität auf.

Ziel der Forscher ist es vor allem, die Nutzungsintensität der Flächen besser einschätzen zu können beziehungsweise festzustellen, ob eine Überweidung vorliegt, die eingedämmt werden sollte. Auf der Grundlage der Ergebnisse könnte es dann mittelfristig gelingen, im Zusammenspiel mit der Bevölkerung vor Ort – und politischen Entscheidungsträgern – eine dauerhaft umweltgerechte ländliche Entwicklung in den untersuchten Ökosystemen Steppe, Halbwüste und in einzelnen Bergregionen anzustoßen.

Das Vorhaben ist wissenschaftlich und gesellschaftspolitisch von Bedeutung – und darüber hinaus auch aus wissenschaftspolitischer Sicht interessant. Denn auf aserbaidschanischer Seite erhält eine Reihe von Nachwuchsforscherinnen und -forschern über das Projekt Qualifizierungsmöglichkeiten. Neben einer Projektkoordinatorin sind dort zwei Doktoranden und sechs Studierende eingebunden, auf deutscher Seite des Weiteren ein Koordinator, drei Doktoranden und weitere Studierende. Das Gemeinschaftsvorhaben wird getragen von Professor Dr. Ulrich Hampicke und Dr. Michael Rühs vom Lehrstuhl für Landschaftsökonomie sowie den Professoren Dr. Michael Succow und Dr. Michael Manthey vom Lehrstuhl für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Auf aserbaidschanischer Seite ist die Fakultät für Geographie der Baku State University beteiligt.

Kontakt
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 – 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
Kontakt Förderinitiative der VolkswagenStiftung
Dr. Matthias Nöllenburg
Telefon: 0511 8381 – 290
E-Mail: noellenburg@volkswagenstiftung.de

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Weitere Informationen:

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