WWF fordert von der Fischwirtschaft mehr Transparenz und Umweltengagement

© WWF

Schweinswalopfer für Kabeljaufilet? / Verbraucher tappen im Dunkeln

Trotz der neuen EU-Verordnung über die Kennzeichnung von Fischprodukten, die seit dem 1. Januar in Kraft ist, können sich Verbraucher nicht über die Fangmethode und die genaue Herkunft von Fischen informieren. Deshalb können deutsche Konsumenten auch nicht erfahren, ob der ihnen angebotene Kabeljau aus Stellnetzen in der Nordsee stammt, in denen auch Schweinswale als Beifang sterben mussten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung, die der WWF heute vorgestellt hat.

„Zwischen dem Fischernetz im Meer und dem Verkaufstresen liegt ein Bermuda-Dreieck der Informationen, das Verbraucher nicht durchdringen können. Aus Verbraucher- und Umweltsicht ist dies ein absolut unhaltbarer Zustand“, kritisiert Fischereiexpertin Heike Vesper vom WWF.

Die WWF-Untersuchungen haben ergeben, dass der nach Deutschland importierte frische Kabeljau überwiegend aus Dänemark kommt. Ein Viertel des dänischen Kabeljaus stammt aus der Nordsee und davon werden fast 50 Prozent mit Stellnetzen gefangen. Wenn der Kabeljau aus der Nordsee und aus dänischen Fängen stammt, so liegt die Wahrscheinlichkeit, einen Fisch zu verspeisen, bei dessen Fang Schweinswale sterben mussten, bei 43 Prozent! Der WWF hat daher versucht herauszufinden, wo der Stellnetzkabeljau in Deutschland gehandelt wird. Dazu wurden Einzel- und Großhändler, Verarbeiter und Fischfachverbände befragt. Zum Teil wurde gar nicht, teils lückenhaft geantwortet, obwohl sich die Fischindustrie bereits 1996 zu mehr Transparenz verpflichtet hatte. Fazit: Verbraucher können nicht erfahren, ob ihr Kabeljau aus dänischen Stellnetzen stammt, in denen auch Schweinswale sterben mussten.

„Die Fischindustrie muss dringend daran mitarbeiten, die Transparenz gegenüber dem Verbraucher zu verbessern, und gleichzeitig ihren Einfluss geltend machen, damit umweltverträgliche Fischereimethoden angewendet werden“, fordert Heike Vesper. Außerdem müsse die EU-Verordnung nachgebessert werden, damit der Verbraucher besser über Herkunft und Fangmethode seines Fisches informiert wird.

Der Kabeljaubestand in der Nordsee ist bereits im Jahr 2000 völlig zusammengebrochen, und jährlich sterben allein in der zentralen und südlichen Nordsee über 7.000 Schweinswale als ungewollter Beifang in den Stellnetzen der dänischen Fischer. „Niemand kann wollen, dass das tausendfache Töten von Schweinswalen Jahr für Jahr weitergeht. Nur durch Transparenz für die Verbraucher und den verantwortungsvollen Umgang der Fischwirtschaft und des Handels mit dem Nahrungsmittel Fisch wird die Natur erhalten und die Zukunft der Fischerei gesichert“, sagt WWF-Expertin Heike Vesper.

Media Contact

Heike Vesper ots

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Nanowirbel mit besonderer Eigenschaft

In manchen magnetischen Materialien lassen sich wirbelförmige Nano-Strukturen erzeugen: sogenannte Skyrmionen. Forschende am PSI haben nun erstmals antiferromagnetische Skyrmionen erschaffen und nachgewiesen. Ihre Besonderheit: In ihnen sind entscheidende Bausteine gegenläufig…

Meeresspiegelanstieg: Stabilitäts-Check der Antarktis offenbart enorme Risiken

Je wärmer es wird, desto rascher verliert die Antarktis an Eis – und viel davon wohl für immer. Dies hat ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der Columbia University und…

In Wäldern nicht aufräumen

Bitte nicht stören: Nach Waldbränden, Borkenkäferbefall oder anderen Schädigungen sollte in den betroffenen Wäldern nicht aufgeräumt werden. Das schreibt ein Forschungsteam in „Nature Communications“. Stürme, Brände, Borkenkäfer: Weltweit sind viele…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close