Neue Konzepte für eine ökologische Nutzung der Trockengebiete

Deutsche und chinesische Wissenschaftler wollen künftig stärker zusammen arbeiten, um ökologische Probleme der Trockengebiete im Nordwesten Chinas zu bekämpfen. Dazu soll ein gemeinsames Zentrum für Trockengebietsforschung in Beijing gegründet werden.

Diese Absicht erklärten Wissenschaftler der Agrar-Universität Urumqi, der Beijing Forestry University, der Universitäten Bielefeld, Halle, Hohenheim, Marburg und des Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) auf einem deutsch-chinesischen Symposium in Urumqi im Oktober 2006. Im Mittelpunkt des Symposiums, das vom Chinesisch-Deutschen Zentrum für Wissenschaftsförderung (CDZ) unterstützt wurde, standen Fragen der Biodiversität in Trockengebieten. Ein Rückgang der Artenvielfalt und der Verlust von stabilen Ökosystemen spielt eine wichtige Rolle bei den Desertifikationsprozessen.

Desertifikation und globaler Umweltwandel bedrohen die Biodiversität und den Landschaftshaushalt vor allem in den Wüstenrandgebieten. Unsachgemäße Landnutzung, Überweidung und Rodungen (etwa in Oasen, in grundwassergespeisten Baumstreifen in Wadis und Galeriewäldern oder in der Trockensavanne), Übernutzung der Böden und Wasserressourcen führen zur Landschaftsdegradation und damit zum Verlust der von vorneherein schon sehr niedrigen biologischen Produktionsgrundlage sowie zum Rückgang der Artenvielfalt – also der Biodiversität. Für zukünftige Rehabilitationsmaßnahmen muss auch die Bedeutung der Biodiversität für die Ökosystemfunktionen verstärkt berücksichtigt werden. Die Erhaltung oder Entwicklung der Biodiversität in den Trockengebieten trägt zum Aufbau von langfristig stabilen Ökosystem bei. Dabei sollen standortsspezifische Maßnahmen zur Entwicklung der Biodiversität bei den Planungen zur Desertifikationsbekämpfung mitberücksichtigt werden. „Das setzt allerdings auch grundlegende Erkenntnisse über die vorhandene Biodiversität in den verschiedenen ariden Ökosystemen und deren Funktion in den Ökosystemen voraus“, betont Maik Veste von der Universität Hohenheim.

„Denn stabile Ökosysteme und eine nachhaltige Land- und Ressourcennutzung sind entscheidend für die weitere Umweltentwicklung in China“

Schwerpunkt der wissenschaftlichen Untersuchungen wird die Region Urumqi und die Innere Mongolei sein. Die Stadt Urumqi liegt im Nordwesten Chinas und ist mit rund zwei Millionen Einwohnern die am weitesten vom Meer entfernte Großstadt der Welt. Wie alle chinesischen Großstädte wächst auch Urumqi rasant, obwohl die Stadt in einem Trockengebiet liegt, dass von Verwüstung betroffen ist ist. Diese Megacity befindet sich am Rande der Taklamakan-Wüste und war einst Teil der alten Seidenstraße.

Die wissenschaftliche Kooperation auf dem Gebiet der Trockengebietsforschung soll zwischen chinesischen und deutschen Instituten weiter ausgebaut werden. Das beschlossen die beteiligten Wissenschaftler. Schwerpunkte zukünftiger Projekte sind die Ökologie der Trockengebiete, das Management natürlicher Ressourcen, die Desertifikationsbekämpfung und die Erhaltung der Biodiversität. „Wir haben bereits Erfahrungen mit der Modellierung von Trockengebieten und Wäldern“, erzählt Dr. Jürgen Groeneveld vom UFZ. „Diese Erfahrungen könnten wir einbringen, um die Aufforstungsprojekte in China zu unterstützen.“ Aber auch neue innovative Nutzungskonzepte, wie Energiefarmen und Bioenergie werden diskutiert. Der Austausch von Studierenden, Wissenschaftlern und Lehrpersonal soll gefördert werden, ebenso wie die Durchführung gemeinsamer Projekte zur Ökologie der Trockengebiete im weitesten Sinne, auch unter Berücksichtigung angewandter Aspekte. Koordiniert werden diese Aktivitäten in Zukunft von einem jetzt gegründeten, gemeinsamen Zentrum für Trockengebietsforschung in Beijing.

Weitere Informationen über:

Maik Veste
Sino-German Dryland Reseach Center
veste@drylandreseach.de
oder
Dr. Jürgen Groeneveld
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ)
Telefon: 0341-235-2695
http://www.ufz.de/index.php?de=3830
oder
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ), Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0341-235-2278
E-Mail: presse@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?de=640
Das UFZ Leipzig-Halle ist das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Media Contact

Doris Böhme idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Mit Physik mehr Bier im Glas

Ist Schaum in der Badewanne oder auf dem Bier durchaus gewünscht, ist die Vermeidung von Schaum – beispielsweise in industriellen Prozessen – ein viel diskutiertes Thema. Oftmals werden Flüssigkeiten Öle…

Reliefkarte für Genverstärker

Wie stark wirkt ein Genschalter auf sein Gen? Ein Berliner Forschungsteam hat ein Register aus Genverstärkern, deren Lage im Genom sowie ihrer Aktivierungsstärke in Mäuse-Stammzellen erstellt. Dabei entdeckten sie DNA-Muster,…

Ultraschnelle Videokamera für elektrische Felder

Von Heinrich Hertz zu Terahertz: High-Tech-Anwendungen in der Optoelektronik arbeiten heute mit ultraschnellen elektrischen Schwingungen und erreichen teilweise Frequenzen bis in den Terahertz-Bereich. Einem Team der Universitäten Bayreuth und Melbourne…

Partner & Förderer