Botanische Gärten weiten Engagement im Naturschutz aus

Der Sandkrokus ist ein Beispiel für eine Pflanzenart, die an ihrem Naturstandort zwar ausgestorben ist, die aber durch eine Erhaltungskultur - im Botanischen Garten der Uni Würzburg -gerettet werden konnte. Foto: Gerd Vogg

Die Leiter und Kustoden der sechs Botanischen Gärten in Bayern trafen sich am 3. Mai an der Uni Würzburg. Hier beschlossen sie Maßnahmen, mit denen sie verstärkt zur Erhaltung bedrohter Pflanzenarten im Freistaat beitragen wollen. Mit dabei waren Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken.

Bayern beherbergt insgesamt 2.763 einheimische Gefäßpflanzenarten (Stand 2003). 43 Prozent davon seien in ihrem Fortbestand bedroht, sagt Gerd Vogg, Kustos des Würzburger Botanischen Gartens. Hier habe der Freistaat eine große internationale Verantwortung, weil einige dieser Pflanzen außer in Bayern sonst nirgends vorkommen.

In Unterfranken gilt das zum Beispiel für das Apenninen-Sonnenröschen, den Faserschirm oder das Karlstadter Steinbrech-Habichtskraut. Letzteres wurde erst 2001 von dem Karlstadter Arzt und Hobby-Botaniker Franz Dunkel als neue Art beschrieben. Alle drei Pflanzenarten wachsen nur auf den so genannten Mainfränkischen Trockenrasen, die wegen ihrer seltenen Pflanzen- und Tierarten von höchster Bedeutung sind. Der Botanische Garten der Uni Würzburg hat darum eine eigene Abteilung, die den typischen Pflanzen dieses seltenen Biotoptyps gewidmet ist.

Botanische Gärten sind seit jeher Orte der Artenvielfalt – alleine in der Würzburger Einrichtung am Dallenberg wachsen etwa 10.000 Pflanzenarten. In ihren Sammlungen befinden sich auch viele Arten, die an den Wildstandorten stark bedroht, manchmal sogar schon ausgestorben sind. Darum scheinen die Botanischen Gärten geradezu dafür prädestiniert, in Sachen Umweltbildung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den regionalen Arten- und Lebensraumschutz eine wichtige Rolle zu übernehmen. Dass sie dies künftig tun sollen, wurde bei dem Treffen in Absprache mit den Naturschutzbehörden festgelegt. Für 2007 ist bereits eine bayernweite Ausstellung „Botanischer Artenschutz in Bayern“ geplant.

Kontrovers diskutiert wurde, ob Erhaltungskulturen von stark bedrohten Pflanzen in Botanischen Gären mit einer anschließenden Wiederansiedlung in der freien Natur für die Arterhaltung sinnvoll sind. „Gerade bei der Kultur von komplizierten Wildpflanzen besitzen Botanische Gärten ja langjährige Fachkompetenz“, sagt Vogg.

Beispiel: Unter Voggs Vorgänger Uwe Buschbom wurde in Würzburg erfolgreich der Sandkrokus (Romulea limbarae) kultiviert. Diese kleine, blau blühende Pflanze wächst nur am Monte Limbara auf Sardinien. Von dort hatte Buschbom vor über 25 Jahren einige Exemplare mitgebracht – zu einer Zeit, als die Pflanze noch nicht gefährdet war.

2003 konnten die Würzburger dann dazu beitragen, das an seinem natürlichen Standort durch den Bau einer Hubschrauber-Landefläche inzwischen ausgestorbene Gewächs zu retten: Der Würzburger Garten war der einzige Ort, an dem diese Art überlebt hatte. Für eine langfristige Erhaltungskultur und ein Wiederansiedlungsprojekt am Naturstandort überließ man dem Botanischen Garten Brest, der sich nun vor Ort um die Erhaltung dieser Art kümmert, einige Exemplare des Sandkrokus.

Allerdings gebe es neben solch erfolgreichen Projekten auch Beispiele, bei denen eine langfristige Sicherstellung des Vorkommens in der Natur fehlschlug. Bei der Tagung war es deshalb die Meinung aller Teilnehmer, dass blinder Aktionismus auf diesem Gebiet fehl am Platze sei. Erhaltungskulturen und Wiederansiedlungsprojekte sollten immer gemeinsam mit den regionalen Naturschutzbehörden geplant, koordiniert und wissenschaftlich begleitet werden.

Weitere Informationen: Dr. Gerd Vogg, T (0931) 888-6239, Fax (0931) 888-6207, E-Mail: vogg@botanik.uni-wuerzburg.de

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Robert Emmerich idw

Weitere Informationen:

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