Umweltprobleme machen nicht vor nationalen Grenzen Halt

Die vier europäischen Geierarten, zu denen auch der hier abgebildete Gänsegeier (Gyps fulvus) gehört, möchte die "Bulgarian Environment Partnership Foundation" in der ehemaligen Heimat der Aasvögel wieder ansiedeln.

Zwei Jahre nach der Osterweiterung der Europäischen Union (EU) befinden sich die zehn Beitrittsländer wirtschaftlich auf der Überholspur. Damit sie bei ihrem rasanten Anpassungsprozess nicht ökologisch „vor die Wand fahren“, sollen die Belange der Umwelt nicht ausgebremst werden. Die nachhaltige Entwicklung in Mittel- und Osteuropa (MOE) zu fördern, ist deshalb ein wichtiges Anliegen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geworden. Als größte Umweltstiftung der Welt unterstützte sie bisher mit über 31 Millionen Euro rund 200 Modellprojekte in zwölf Staaten des ehemaligen Ostblocks. „Umweltprobleme machen nicht vor nationalen Grenzen Halt. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen darf es deshalb auch nicht“, begründet DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde die ökologische Hilfe zur Selbsthilfe aus Anlass des Europatages Anfang Mai.

Seitdem die EU vor zwei Jahren um rund 738.000 Quadratkilometer gewachsen ist, werden gemeinsame Herausforderungen des Umweltschutzes in Mitteleuropa von den bisherigen und neuen Unionsländern zunehmend gemeinschaftlich angegangen. „Schon aufgrund geografischer Wechselwirkungen sind diese Probleme nicht allein dezentral sinnvoll zu bewältigen. Wir werden unsere vielfältigen internationalen Aktivitäten daher auch auf Kandidatenländer der nächsten EU-Beitrittsrunde ausbauen“, so Brickwedde.

Von zentraler Bedeutung sei es, in den jungen Demokratien durch Umweltbildung ein ökologisches Bewusstsein zu entwickeln. Neben der breiten Öffentlichkeit stellt die Jugend eine besondere Zielgruppe dar für die Umweltkommunikation und den Kulturgüterschutz. Mit 125.000 Euro fördert die DBU etwa in Zusammenarbeit mit der Bergakademie Freiberg, der Karlsuniversität in Prag und dem Landratsamt Annaberg das freiwillige Engagement Jugendlicher bei der Restaurierung des umweltgeschädigten historischen Wassersystems im tschechischem Zisterzienserkloster Osek. Hier legen die ehrenamtlichen Helfer überwucherte Aquädukte, Kaskaden und Bassins aus der Barockzeit frei. In studentischen Arbeiten entstehen Konzepte für eine umfassende Sanierung.

Jährlich erhalten 60 hoch qualifizierte Hochschulabgänger aus den MOE-Staaten ein DBU-Stipendium. Sie absolvieren ein anspruchsvolles Praktikum in deutschen Einrichtungen des Umwelt- und Naturschutzes, um nach der Rückkehr ins Heimatland das nötige Rüstzeug für einen erfolgreichen Job zu haben. Eng verknüpft ist damit ein angestrebter Technologietransfer in den osteuropäischen Raum. Denn Voraussetzung für eine rasche und dauerhafte Vermeidung von Umweltschäden durch Übernutzung von zum Beispiel Seen und Flüssen sei die Umsetzung technischer Innovationen der Wasserwirtschaft, so Brickwedde. Bedarfsgerechte Schulungsunterlagen, Exkursionen und Seminare zu den Themen Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und Gewässerbewirtschaftung sowie umwelttechnische Berufsausbildungen in den Staaten Mittel- und Osteuropas wird die DBU daher in den nächsten fünf Jahren mit bis zu 675.000 Euro fördern.

Neben der Weitergabe von Wissen werden regionale Initiativen bei ihrem handfesten Einsatz für den Natur- und Artenschutz unterstützt. Mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) zum Beispiel sichert die DBU langfristig den Lebensraum Aue am Unterlauf der Donau. Im bulgarisch-rumänischen Grenzgebiet wurden in den vergangenen Jahrzehnten die Überschwemmungsgebiete des zweitgrößten Flusses Europas vielerorts vom Strom getrennt, um sie für Land- und Forstwirtschaft zu nutzen. Eine späte Rache der Natur hierfür zeigte sich in der Überflutung des Donaudeltas nach Ostern. Als Bestandteil einer nachhaltigen Regionalentwicklung sollen die Auewiesen in den kommenden drei Jahren wieder hergestellt und „extensiv“, das heißt ohne übermäßige Eingriffe in die Natur, bewirtschaftet werden. Insgesamt fördert die DBU dieses Modellprojekt von staatlichen und privaten Trägern des Naturschutzes an der Donau mit über 460.000 Euro.

Mit knapp 125.000 Euro unterstützt die DBU auch eine bulgarische Umweltinitiative, die sich für die dauerhafte Wiederansiedlung der vier europäischen Geierarten in dem Land zwischen Balkangebirge und Schwarzem Meer einsetzt. Um den Bart- (Gypaetus barbatus), Gänse- (Gyps fulvus), Mönchs- (Aegypius monachus) und Schmutzgeiern (Neophron percnopterus) „unter die Flügel zu greifen“, wurden befristete Futterplätze eingerichtet, erklärt Diplom-Biologe Wolfgang Fremuth von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Langfristig würden mit der Wiederansiedlung von Karakachanschafen und Balkangämsen die natürlichen Nahrungsgrundlagen der Aasfresser gefördert. Zur Erfolgskontrolle der Schutzmaßnahmen werden die Horstplätze der wegen ihrer Funktion als Kadaverbeseitiger „Gesundheitspolizei der Natur“ genannten Vögel dauerhaft beobachtet.

Ansprechpartner für Medien

Franz-Georg Elpers idw

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