Schmetterlings-Zählung – ein Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätskonvention

Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) ist einer der ersten Schmetterlinge im Frühjahr. Die Männchen sind leicht an ihren markanten orangefarbenen Vorderflügelhälften zu erkennen. Foto: Karl Heyde, Leipzig

Das Monitoring der biologischen Vielfalt ist eine zentrale Komponente der Erforschung und des Schutzes von Pflanzen und Tieren unserer Erde. Dies hat die soeben zu Ende gegangene UNO-Konferenz der Vertragspartner der Konvention zur biologischen Vielfalt, wie auch in deren Vorfeld der Umweltrat der Europäischen Union erneut bekräftigt. Derzeit werden für Europa von der Europäischen Umweltagentur (EEA = European Environment Agency) die wichtigsten Indikatoren für den Zustand der biologischen Vielfalt entwickelt, wobei vor allem Vögeln und Schmetterlingen eine zentrale Rolle zukommt. Dementsprechend stellt das vom UFZ Leipzig-Halle geleitete Tagfalter-Monitoring Deutschland hierfür einen zentralen nationalen Baustein dar.


Das Tagfalter-Monitoring Deutschland geht 2006 in das zweite Jahr. Erstmals können alle Zähler ihre Beobachtungen nun online per Internet übermitteln. Die Software dafür wurde in Kooperation zwischen dem Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) und der Wissensplattform science4you entwickelt. Jetzt können die Schmetterlingszähler ihre Beobachtungen in einer zentralen Datenbank auch selber bearbeiten, in Karten darstellen und durch Belegfotos und Abbildungen ihrer Zählstrecken ergänzen. Das neue Online-Tool macht es möglich, die Tagfalter-Daten aus Deutschland mit denen von Monitoring-Projekten in anderen Ländern, wie England, Holland oder der Schweiz zu vergleichen. Bisher mussten die in Erfassungsbögen festgehaltenen Einzelbeobachtungen mühevoll von Hand eingegeben werden, um in die zentrale Datenbank zu gelangen.

Am 1. April beginnt die zweite Saison für das im Vorjahr gestartete Tagfalter-Monitoring Deutschland. In allen Bundesländern ziehen Schmetterlingsfreunde los, um Woche für Woche die Tagfalter in ihrer Umgebung zu zählen. Ausgestattet sind sie mit einem Notizblock und mit Digitalkamera oder Kescher, falls die Bestimmung eines Falters genaues Hinsehen erfordert.

2005 waren bereits 30.000 Falterbeobachtungen auf den festgelegten Zählstrecken gesammelt worden. Die meisten Arten wurden von den Zählern aus Bayern und Baden-Württemberg gemeldet, wo die Falterfauna am vielfältigsten ist. Knapp 500 freiwillige Helfer sind bis jetzt in das Projekt eingestiegen – Tendenz steigend. Doch noch gibt es größere Lücken im Beobachtungsnetz, insbesondere in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Mitmachen kann jeder, der etwa zwei Stunden pro Woche Zeit für die Begehungen aufbringt. Artenkenntnisse sind hilfreich, man kann sie sich aber auch vergleichsweise schnell aneignen.

Das UFZ erhofft sich von den freiwilligen Zählern genauere Informationen zur Verbreitung der heimischen Schmetterlingsarten, zum Einfluss der Landnutzung auf die Bestände und zu den Ursachen des überall zu beobachtenden Artenrückgangs. Es wird allerdings noch ein paar Jahre dauern, bis die Daten zu den Populationen so umfangreich und aussagekräftig sind, dass man Trends für die Entwicklung der einzelnen Arten erkennen und bewerten kann. Daraus ergeben sich dann Maßnahmen zum Schutz einzelner Arten, aber auch der Artenvielfalt insgesamt.

Fachbehörden haben schon Interesse an den Ergebnissen des Monitorings angemeldet, denn in einigen Bundesländern kommt die Ausweisung von so genannten FFH-Gebieten nur schleppend voran, weil es nicht genügend Informationen zu naturschutzrelevanten Populationen unter anderem. von Schmetterlingen gibt. In der Konsequenz drohten dem Bund und den Ländern bereits Strafzahlungen an die EU in Millionenhöhe. Noch größer könnten die Probleme werden, wenn ab 2010 nachgewiesen werden soll, dass hierzulande der Verlust der biologischen Vielfalt gestoppt wurde. Dazu nämlich haben sich Staaten wie Deutschland in der Biodiversitätskonvention auf dem Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro verpflichtet. Ein Dauerbeobachtungsprogramm wie das Tagfalter-Monitoring kann hier die entscheidenden Informationen liefern, da diese Tiergruppe ein hervorragender Anzeiger für den Zustand großer Teile unserer Fauna und Flora ist. Die Europäische Stiftung zum Schutz der Schmetterlinge (BCE = Butterfly Conservation Europe) entwickelt derzeit in Kooperation mit der Umweltagentur EEA einen Indikator auf der Basis von Schmetterlingsbeobachtungen in Europa. In Anbetracht der Berichtspflichten Deutschlands erhoffen sich die verantwortlichen Wissenschaftler am UFZ deshalb auch mittelfristig Unterstützung von Seiten der Bundes- und Landesregierungen.

Weitere fachliche Informationen über:
Elisabeth Kühn, Josef Settele, Reinart Feldmann
UFZ-Department Biozönoseforschung
Telefon: 0345-558-5263
oder über:
Doris Böhme/ Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: presse@ufz.de

Vom 20. bis 31. März fand im südbrasilianischen Curitiba die 8. UNO-Konferenz der Vertragspartner der Konvention zur biologischen Vielfalt (englisch: CBD = Convention on Biological Diversity) statt. Die Biodiversitätskonvention (englisch: Convention on Biological Diversity, CBD) soll die Artenvielfalt der Erde schützen. Die Unterzeichner verpflichten sich, die biologische Vielfalt (Biodiversität) sowohl in ihren eigenen Ländern zu schützen als auch geeignete Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt auf globaler Ebene zu unterstützen. Biologische Vielfalt umfasst dabei die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten, die Artenvielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Inzwischen wurde die Konvention von 187 Staaten sowie der EU unterzeichnet. Die Teilnehmer des UNO-Umweltgipfels von Rio de Janeiro hatten 1992 beschlossen, die Zerstörung der Umwelt und Artenvielfalt bis 2010 entscheidend zu verringern.

Das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Die Wissenschaftler entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern. Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Ansprechpartner für Medien

Doris Böhme idw

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