Von den Problemen Marienkäfer zur Sesshaftigkeit zu verführen

Nützliche Insekten schaffen es im Freiland noch nicht gegen Schadorganismen anzukommen. Nützlingsgemeinschaften im Freiland zu fördern ist trotzdem eine wichtige Maßnahme. Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) geben den Landwirten entsprechende Empfehlungen.


Kaum ein Gewächshaus in Deutschland kommt heute ohne kleine Helfer aus. Die Rede ist von Nützlingen. Diese nützlichen Insekten und Milben werden ausgesetzt, um z. B. unliebsame Blattläuse oder Milben zu vertilgen, die sonst die Zierpflanzen durch ihren Fraß verunzieren. Der Einsatz von Fressfeinden oder Parasiten führt dazu, dass weniger Chemie gegen die Schädlinge eingesetzt werden muss. Gerne würde man sich auch im Freiland verstärkt der Nützlinge bedienen. Doch lassen sie sich hier schwerer ansiedeln. „Um sie zur Sesshaftigkeit zu verführen, müssen ihnen die Landwirte etwas bieten, indem sie z. B. Hecken oder Ackerschonstreifen anlegen“, erklärt Dr. Bernd Freier von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA).

„Zehnjährige Feldstudien zeigen, dass es Marienkäfer und ihre Larven, Schweb- und Florfliegenlarven und Spinnen in 50 % der Fälle schaffen, mit den Getreideblattläusen fertig zu werden. Nützlingsgemeinschaften im Freiland zu fördern ist daher eine wichtige Maßnahme, um den Blattläusen im Getreide beizukommen“, erläutert der Wissenschaftler des BBA-Instituts für integrierten Pflanzenschutz in Kleinmachnow. Aber an die Effizienz und Treffsicherheit chemischer Mittel reicht man mit den unberechenbaren Nützlingen nicht heran. „Würden Sie künstlich Nützlinge einbringen, so würde Ihnen ein Marienkäfer vielleicht einen Zehntel Cent pro Quadratmeter von dem einsparen, was Sie für Pflanzenschutzmittel ausgeben müssten. Ein Käfer jedoch kostet schon 50 Cent“, gibt Freier ein Rechenexempel. Da sich das für den Landwirt nicht rechnet, plädiert Bernd Freier für einen integrierten Ansatz. Der Landwirt soll die Nützlinge bei seinen Entscheidungen berücksichtigen, durch entsprechende Saumstrukturen fördern und erst, wenn der Blattlausbefall akut wird, zum chemischen Mittel greifen. Dann sollten es möglichst Mittel sein, die die natürlichen Feinde schonen.

Damit die Landwirte wissen, wann sie handeln sollen, geben ihnen die Wissenschaftler der BBA Zahlenwerte an die Hand, die sie in ihren Feldversuchen ermittelt haben. „Bei drei bis fünf Blattläusen pro Weizenhalm und weniger als fünf Nützlingen pro Quadratmeter muss er eingreifen“, so etwa sieht die Regel aus. Erfahrene Landwirte haben das bereits im Blick ohne zählen zu müssen.

Das Thema „Natürliche Selbstregulation bei Getreideblattläusen“ wurde anlässlich eines Workshops am 23./24. November in der Außenstelle Kleinmachnow der Biologischen Bundesanstalt vorgestellt (siehe Presseinformation der BBA vom 21.11.2005).

Kontakt:
Dr. Bernd Freier
Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
Institut für integrierten Pflanzenschutz
Stahnsdorfer Damm 81, 14532 Kleinmachnow
Tel.: 03 32 03 / 48 – 322
E-Mail: b.freier@bba.de

Media Contact

Stefanie Hahn idw

Weitere Informationen:

http://www.bba.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Gedächtnistraining für das Immunsystem

Nach einer Infektion merkt sich das Immunsystem den Krankheitserreger und kann deshalb bei einer erneuten Infektion schnell reagieren. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben jetzt neue Details dieses Vorgangs entschlüsselt. Wenn…

Wundheilende Wellen

Wie fragen Zellen in unserem Körper nach dem Weg? Selbst ohne eine Karte, die ihnen den Weg weist, wissen sie, wohin sie gehen müssen, um Wunden zu heilen und unseren…

Treffen der Generationen im Herzen der Galaxis

Astronomen finden eine bisher unbekannte Population von Sternen nahe dem Zentrum der Milchstraße Das Zentrum unserer Heimatgalaxie gehört zu den sternreichsten Gebieten des bekannten Universums. Innerhalb dieser Region haben nun…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close