Sichere Deponien in Indonesien

Die TU Braunschweig hat in Kooperation mit dem Institut für Bodenkultur der Universität Wien und dem Institut Teknologi Bandung ein „community based monitoring“-Projekt für Bandung, Indonesien, entworfen, der die Deponien in Bandung sicherer machen soll. Die EU-Kommission bewilligte Projektleiter Prof. Klaus Fricke und Koordinator Dr. Florian Kölsch von der Abteilung für Abfallwirtschaft des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau der TU Braunschweig eine Förderung von 300.000 Euro.

Hintergrund für die Bewilligung ist unter anderem das Deponieunglück vom 21. Februar 2005, bei dem 147 Menschen in der Nähe der 6-Millionen Stadt Bandung auf West-Java (Indonesien) starben. Über 30 Hektar Reisfelder wurden von herabstürzenden Abfallmassen begraben. Ähnlich wie vor fünf Jahren in Manila mussten erneut zahlreiche Menschen sterben, weil Deponien nicht sicher betrieben worden sind.

Hinter der Tragödie offenbart sich das politische Grundproblem, dass die Deponiebetreiber nicht über die finanziellen Mittel für einen ordnungsgemäßen und sicheren Betrieb verfügen. Für die Durchsetzung hierfür notwendiger Gebührenerhöhungen fehlt den Verantwortlichen aus Städten und Landkreisen der politische Wille. Die Aufsichtsbehörden haben zwar das technische Verständnis, es fehlt jedoch an Durchsetzungskraft, insbesondere die Drohung von Anlagenschließungen laufen ins Leere. Allenfalls der gesicherte Nachweis bevorstehender Umweltkatastrophen gäbe die Handhabe, mehr Druck auf die kommunale Ebene auszuüben.

Das „community based monitoring“ setzt an diesem Problem an. Auf den und neben den Deponien haben sich zahlreiche Einwohner niedergelassen, die von der Wiederverwertung des Deponiemülls leben. Da die betroffenen Anlieger, die meist zu den untersten sozialen Schichten gehören, das größte Interesse an einem sicheren Deponiebetrieb haben, soll ihnen zukünftig die Aufgabe der Überwachung der Kippen (monitoring) übertragen werden. Sie sollen zu so genannten Feuermeldern ausgebildet werden, die Veränderungen an der Deponie beobachten und weitermelden sollen. Durch die unmittelbare Publikation der Messdaten im Internet sollen die Umweltbehörden gestärkt werden, die nötigen Schritte einzuleiten. Dadurch soll von zwei Seiten Druck auf die verantwortlichen Kommunen bzw. Betreiber gemacht werden, den Betrieb zu optimieren.

Die TU Braunschweig befasst sich seit langem mit der Entwicklung geeigneter Monitoring-Maßnahmen. Verschiedene TU-Institute arbeiten im Sonderforschungsbereich „Bauwerksüberwachung“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam an diesem Problem. Ihre Forschungsergebnisse werden mit dem EU-Projekt in die Praxis umgesetzt.

„Community based monitoring“ könnte auch für das hoch entwickelte Westeuropa ein interessantes Instrument sein. Industrie- und Umweltanlagen in dicht besiedelten Regionen erfordern wegen des hohen Emissionspotenzials eine sorgfältige Überwachung. Dies ist in vielen Bereichen sicherlich gewährleistet. Dennoch haben Umweltskandale in der Vergangenheit immer wieder kritische Fragen zur Qualität, Unabhängigkeit und Transparenz der Kontrollen aufgeworfen, beispielsweise Leukämiefälle in der Nähe von Atomkraftwerken, Dioxinemissionen aus Müllverbrennungsanlagen, Grundwasserkontaminationen oder unerlaubte Abwassereinleitungen.

Weitere Informationen
Prof. Dr.-Ing. Klaus Fricke
Dr. Florian Kölsch
Abteilung für Abfallwirtschaft des Leichtweiß-Institut für Wasserbau
Tel.: (+49) 0531/338962
E-Mail: f.koelsch@tu-braunschweig.de

Ansprechpartner für Medien

Dr. Elisabeth Hoffmann idw

Weitere Informationen:

http://www.tu-braunschweig.de/

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neues Computermodell verbessert Therapie

Mithilfe mathematischer Bildverarbeitung haben Wissenschafter der Forschungskooperation BioTechMed-Graz einen Weg gefunden, digitale Zwillinge von menschlichen Herzen zu erstellen. Die Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der klinischen Diagnostik. Obwohl die…

Teamarbeit im Molekül

Chemiker der Universität Jena erschließen Synergieeffekt von Gallium. Sie haben eine Verbindung hergestellt, die durch zwei Gallium-Atome in der Lage ist, die Bindung zwischen Fluor und Kohlenstoff zu spalten. Gemeinsam…

Älteste Karbonate im Sonnensystem

Die Altersdatierung des Flensburg-Meteoriten erfolgte mithilfe der Heidelberger Ionensonde. Ein 2019 in Norddeutschland niedergegangener Meteorit enthält Karbonate, die zu den ältesten im Sonnensystem überhaupt zählen und zugleich einen Nachweis der…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen