Autoklimaanlagen fressen Emissionsminderungen auf

Wuppertal Institut warnt vor Fehlentwicklung

Die Regierungskoalition wie die EU-Kommission wollen die Kfz-Steuer klimagerecht reformieren. Die Planung berücksichtigt jedoch neben CO2 keine anderen klimawirksamen Gase und produziert damit eine Lücke. Grund dafür sind die Klimaanlagen in PKW. Im März 2002 hatte das Wuppertal Institut erstmals auf die kommende Klimalast durch den PKW-Klimaanlagenboom auf Deutschlands Straßen hingewiesen.

Die Fakten sind der Bundesregierung bekannt. Ihr neuester F-Gase-Bericht (Fluorierte Gase) weist dieses Wachstum aus. Am 30. Januar findet dazu in Bonn eine Anhörung des Bundesumweltministeriums statt. Der Anlass: Die Bundesregierung stellt das Konzept ihrer so genannten „F-Gase“-Politik zur Diskussion. Das heute übliche Kältemittel, ein HFKW, ist ein F-Gas – und es ist ein Klimagas. Die Wuppertaler Wissenschaftler drängen darauf, dass die Regelungslücke geschlossen wird. Sie rechnen vor:

Bis zum Jahr 2010 sollen die CO2-Emissionen bei neu zugelassenen PKW von 185 g (in 1995) auf 120 g pro Kilometer reduziert werden – also um etwa ein Drittel. So sieht es eine Verabredung zwischen Autoindustrie und Politik auf europäischer Ebene vor. Auf Deutschland bezogen heißt das: Der durchschnittliche Norm-Verbrauch eines neu zugelassenen PKW in Deutschland sinkt von heute 8,7 l auf 5,7 Liter pro 100 Kilometer. Das ist die gute Absicht.

Noch 1995 galten Klimaanlagen in Pkw als Luxus, ihr Anteil an den Klimagas Emissionen schlug kaum zu Buche. Deren CO2-äquivalente Emissionen von H-FKW, also des Kältemittels, brachten 0,15 Mio. t, rechnet man die CO2-Emissionen wegen des Betriebs der Klimaanlagen hinzu, so kommt man auf etwa 0,5 Mio. t – also Kleinkram.

Heute jedoch werden bereits 80 Prozent der Neuwagen aus deutscher Produktion mit Klimaanlagen ausgestattet, mit stetig steigender Tendenz. Die erwartbare Wirklichkeit ist, dass die Klimalast der Klimaanlagen, so die Bundesregierung, mit einem Wachstumsfaktor in Höhe von 31 (in 15 Jahren) bzw. einer Wachstumsrate von 23% pro Jahr wachsen wird.

Die gute Absicht, die CO2-Emissionen der Neuwagen gegenüber 1995 um ein Drittel zu verringern, wird durch die Autoklimaanlagen somit fast zur Hälfte wieder aufgezehrt. Vor dieser Tendenz für die Zukunft warnen die Wuppertaler Forscher.

Ansprechpartner:

Dr. Hans-Jochen Luhmann
Tel.: (0202) 2492-133
E-mail: Jochen.Luhmann@wupperinst.org

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Stoffwechselenzym schützt Proteine mit Schwefel

In der Zelle werden vielen Proteinen zusätzliche Schwefelatome angeheftet. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum haben nun erstmals das für die Übertragung des Schwefels verantwortliche Enzym gefunden. Außerdem haben sie Hinweise auf…

Plastikmüll in der Arktis stammt aus aller Welt

– auch aus Deutschland. Forschende des AWI haben Herkunft von Plastikmüll an den Stränden Spitzbergens analysiert. „Citizen Science“ ermöglicht es interessierten Bürgerinnen und Bürgern aktiv an wissenschaftlicher Forschung mitzuwirken. Wie…

Neue Standards zur Quantifizierung des Hepatitis-B-Virus-Reservoirs in Leberzellen

Etwa 300 Millionen Menschen sind mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) chronisch infiziert, was zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen kann. Therapien zur Heilung von HBV werden daher dringend benötigt. Aufgrund der einzigartigen…

Partner & Förderer