Kommentar: Kraft-Wärme-Kopplung spart jährlich zwischen 10 und 20 Millionen Tonnen CO2


Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über eine Studie des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums, deren erstaunliches Ergebnis besagt, dass die Förderung der in Deutschland betriebenen Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung ökologisch kontraproduktiv sei.
Nun sind solche Betrachtungen deutlich komplizierter als oft auf den ersten Blick vermutet, denn die hinter solchen Analysen stehende Frage lautet: Was würde passieren, wenn diese Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen nicht betrieben würden. Wären die heute existierenden Anlagen nicht gebaut worden, oder würden sie heute abgeschaltet, dann würden auf mittlere Sicht keineswegs emissionsärmere Kraftwerke in Betrieb genommen, wie dies der Vergleich mit dem gesamten heutigen Stromerzeugungsmix in der Studie suggeriert.
Im Gegenteil: Gerade die von RWE und E.ON bekannt gegebene Liste der im Rahmen des Abbaus von Überkapazitäten stillzulegenden Kraftwerke zeigt, dass es vor allem besonders stark emittierende Kraftwerke sind, die heute – unter anderem durch die Kraft-Wärme-Kopplung – nicht mehr benötigt werden.
Berechnungen des Öko-Instituts e.V. zeigen, dass bei einer realitätsnäheren Betrachtung der Bestand an Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen heute jährlich zwischen 10 und 20 Millionen Tonnen CO2 einspart und damit einen deutlichen und unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz erbringt.
Bereits vor diesem Hintergrund macht die übergangsweise Sicherung der bestehenden Kraft-Wärme-Kopplung durch das im Mai diesen Jahres in Kraft getretene Gesetz durchaus auch ökologisch Sinn, wenngleich es im Kern auf die Vermeidung von "stranded investments" ausgerichtet war, die durch die schnelle Öffnung des Strommarktes in Deutschland drohten. Die derzeit gewährten Subventionen sind damit keineswegs ökologisch kontraproduktiv. Dass mit einem solchen Instrumentarium bei entsprechender Ausgestaltung stets auch noch größere ökologische Entlastungen erzielt werden können, ist einerseits nicht neu und andererseits keineswegs nur auf die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung beschränkt.
Auch deshalb muss eine zukünftige Förderpolitik zum Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung besondere Anreize setzen, um mit dieser effizienten Technologie möglichst große Emissionsminderungen zu erzielen, wobei das Spektrum solcher Anlagen im übrigen ausdrücklich auch moderne kohlegefeuerte Ablagen einschließt.
Das Öko-Institut e.V. arbeitet derzeit intensiv an einem entsprechend ausgestalteten, rechtlich abgesicherten und unbürokratisch umsetzbaren Zertifikatsmodell, mit dem der im deutschen Klimaschutzprogramm vorgesehenen Emissionsminderungsbeitrag der Kraft-Wärme-Kopplung eingelöst werden kann.


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Ilka Buchmann idw

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