Der Weg zu sauberen Gewässern

Die meisten Seen, Flüsse und Küstengewässer sind derzeit in keinem guten ökologischen Zustand: Ein zu hoher Nährstoffgehalt führt zu einem starken Algenwachstum – man spricht von Eutrophierung. Zersetzen sich diese Algen, wird massiv Sauerstoff verbraucht. Das Gewässer beginnt zu „kippen“ – es stinkt und die Fische sterben. Zudem verursachen die Algen eine Trübung des Wassers, wodurch sich viele Arten aufgrund des Lichtmangels nicht entwickeln können.

Wie kann man hier entgegenwirken? Darüber diskutierten Anfang Juni Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung beim „1. Dialog am Müggelsee“, den das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei ins Leben gerufen hat. Dr. Horst Behrendt vom IGB stellte fest: „Die Reduzierung von Stickstoff und Phosphor ist unser erstes Ziel. Wir müssen jedoch zunächst die Verursacher identifizieren, um effektive Handlungsstrategien zu entwickeln.“ Die Havel trage beispielsweise nur drei bis vier Prozent der Stickstofffracht der Elbe bei. Eine Reduktion des Stickstoffeintrags in die Havel habe daher nur sehr geringe Auswirkungen auf die Belastung der Küstengewässer.

Für Dr. Volker Mohaupt vom Umweltbundesamt (UBA) ist der Hauptverursacher klar: „64 Prozent der Stickstoffeinträge der Elbe stammen aus der Landwirtschaft. Hier brauchen wir strengere Richtlinien.“ Mohaupt führte als Vorbild die dänische Düngeverordnung an: „Will ein Landwirt mehr Mineraldünger ausbringen als die Düngeverordnung zulässt, muss er dafür das Dreifache des Weltmarktpreises zahlen. Somit ist das Überdüngen wirtschaftlich unattraktiv.“

Doch auch Klärwerke leiten Nährstoffe in die Gewässer. Jede weitere Verschärfung der Grenzwerte für den Nährstoffeintrag erfordert neue technologische Verfahren, die eine Erhöhung der Wassergebühren zur Folge haben können, wie Norbert Schmidt vom Vorstand der Berliner Wasserbetrieben betonte.

Neben einer Optimierung des Kläranlagenbetriebes können durch gezielte Revitalisierung von Bächen und Flüssen Nährstoffe verstärkt zurückgehalten und zugleich die biologische Vielfalt gefördert werden. Prof. Peter Krebs, der sich an der TU Dresden mit Siedlungswasserwirtschaft beschäftigt, forderte daher neue integrierende Ansätze bei der Abwassereinigung, welche die natürlichen Leistungen der Gewässer mit einbeziehen.

Allgemein gültige Grenzwerte können Wissenschaftler nicht immer angeben, sondern sie sollten gewässerspezifisch festgelegt werden. Wird etwa zuviel Nitrat in belasteten Seen entfernt, kann es zu einer verstärkten Freisetzung von Phosphor aus den Sedimenten und zu Blaualgenblüten kommen. Daher wird überlegt, Nitrat gezielt zum Management von Seen einzusetzen – wobei eine zu hohe Nitratkonzentration wiederum die Artenvielfalt verringert. Allerdings kann es ökologisch und ökonomisch Vorteile bringen, den Nitratgehalt des Abwassers auf einem bestimmten Niveau beizubehalten.

Diese vielschichtigen Zusammenhänge machen es den Entscheidungsträgern nicht leicht. Norbert Schmidt von den Berliner Wasserbetrieben hatte sich vom Dialog am Müggelsee schnelle und klare Ergebnisse gewünscht. „Doch die Zusammenhänge sind komplex. Ich als Manager muss einsehen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht von heute auf morgen zu bekommen sind und nur Entscheidungshilfen bieten, aber keinen eindeutigen Weg vorzeichnen.“ IGB-Direktor Prof. Klement Tockner stellte fest: „Wir wollen die Diskussion und den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik fördern, um möglichst gute Handlungsstrategien zu entwickeln – zum Nutzen für Mensch und Natur.“

Gesine Wiemer

Kontakt:
Prof. Dr. Gunnar Nützmann
Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Tel.: (030) 641 81 661
E-Mail: nuetzmann@igb-berlin.de

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Weitere Informationen:

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