Korallen des Bikini-Atolls trotzen Atombombentests

Ein halbes Jahrhundert nach dem letzten US-amerikanischen Atombombentest im Bikini-Atoll scheint sich das Riff erholt zu haben. Zu diesem Schluss kommt ein international besetztes Forscherteam des Centre of Excellence for Coral Reef Studies an der James Cook University. Auf Tauchgängen durch das Bikini-Atoll haben die Wissenschaftler aus Australien, Deutschland und Italien Vielfalt und Vorkommen von Meereslebewesen untersucht.

In den 1950er Jahren hatten die USA am Bikini-Atoll zahlreiche Tests mit Atombomben durchgeführt. Dabei wurde auch die mit 15 Megatonnen größte oberirdisch getestete Atombombe Bravo gezündet. Mit der Detonation wurden drei Inseln zerstört, das Meereswasser erhitzte sich auf 55.000 Grad. Der Explosionskrater erstreckt sich über eine Breite von zwei Kilometern und ist 73 Meter tief. Aber auch im Bravo-Krater trafen die Forscher wieder auf Leben: Bis zu acht Meter hohe Korallen und große baumähnliche Pflanzenformationen mit 30 Zentimeter dicken Stämmen fanden die Wissenschaftler.

„Der gesunde Zustand der Korallen im Bikini-Atoll heute ist Beweis ihrer Widerstandsfähigkeit und der Fähigkeit sich auch von massiven Störungen zu erholen“, ist sich Studienleiterin Zoe Richards sicher. Allerdings stellten die Forscher auch fest, dass ein großer Teil der Korallenarten, die es noch vor den Atomwaffentests nachweislich gegeben hatte, vollständig verschwunden war. Bei zumindest 28 Korallenspezies sei das Aussterben direkt mit den Versuchen der Jahren 1946 bis 1958 und der resultierenden Radioaktivität verbunden.

Zwar sei die Gamma-Strahlung heute recht gering, berichtet Maria Beger von der University of Queensland, die Pflanzen auf den Inseln seien zum Verzehr aber nicht geeignet, weil sie noch immer zu stark kontaminiert sind. „Als ich einen Geiger-Zähler in die Nähe einer Kokosnuss hielt, die radioaktives Material aus dem Boden aufnehmen kann, schlug er extrem aus“, sagt Beger. So seien die Inseln für den Menschen auch weiterhin unbewohnbar.

Zu Vergleichszwecken untersuchten die Forscher auch das benachbarte Rongelap-Atoll, das nicht direkt von den Atomtests betroffen war. Die Unterwasserwelt dort befindet sich den Forschern zufolge in unversehrtem Zustand. Es gilt als das zweitgrößte Atoll der Erde und besitzt eine große Vielfalt an Korallenarten. Deshalb geht das Team davon aus, dass das stromaufwärts liegende Atoll möglicherweise zur Wiederbelebung des Bikini-Atolls beiträgt. Die schnelle Genesung sei aber vor allem darauf zurückzuführen, dass das Bikini-Atoll seit den Tests von Menschenhand größtenteils unberührt geblieben sei.

Ansprechpartner für Medien

Claudia Misch pressetext.austria

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