Neuer Ansatz zur Behandlung von Mitralklappen-Erkrankungen: Erste Patientendaten

Das neuentwickelte Implantat wird ausgehend von der Leiste in den linken Vorhof des Herzens eingeführt und dort eingesetzt, wo die Mitralklappe undicht ist. Inselspital, Universitätsspital Bern

Ein aktiver Lebensstil bis ins hohe Alter – diesen Wunsch erfüllen sich immer mehr Menschen. Der gesellschaftliche Trend geht allerdings zu Lasten des Herzens: Denn der langjährige Einsatz kann die Mitralklappe (das Ventil zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer) undicht werden lassen.

Durch den Blutrückstau hat das Herz zusätzliche Arbeit. Es kommt zu Luftnot und Leistungsschwäche. Fast zehn Prozent der Bevölkerung über 75 Jahre sind betroffen. Die Entwicklung von sicheren und schonenden Behandlungsoptionen für ältere Patientinnen und Patienten bei möglichst kurzem Spitalaufenthalt ist daher eine zentrale Herausforderung der heutigen Herzmedizin.

Wenn eine offene Herz-OP nicht in Frage kommt

Die optimale Behandlung von Erkrankungen der Mitralklappe ist immer noch die Operation am offenen Herzen. Für viele ältere Patienten stellt dieser grosse Eingriff aber ein Risiko dar, weil oft Begleiterkrankungen vorhanden sind. Alternativ kann in einem Schlüsselloch-Eingriff durch die Leiste die Klappe mit einem Katheter behandelt werden. Heute setzen Kardiologen hier einen Clip ein, der die undichte Mitralklappe repariert. Allerdings kann der Clip nicht bei allen Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, vor allem wenn die Herzklappe stark verändert ist.

Ein neues amerikanisches Rekonstruktionssystem hat nun das Potential, diese Einschränkung zu beheben. Es kommt auch bei anatomisch stark veränderten Herzklappen in Frage, die bisher nicht mittels Katheter behandelt werden konnten. Davon erhoffen sich Kardiologen weniger und kürzere Spitalaufenthalte und eine verbesserte Lebensqualität für die Betroffenen.

Erster Einsatz am Inselspital

Die Universitätskliniken für Kardiologie und für Herz- und Gefässchirurgie am Inselspital sind international bekannt in der Entwicklung von schonenden und innovativen Behandlungsverfahren für Personen mit Herzklappenerkrankungen. Aufgrund dieses Renommees wurde das neue System weltweit erstmals im September 2016 am Inselspital eingesetzt. Sieben Herzklappen-Zentren aus fünf verschiedenen Ländern (Deutschland, Griechenland, Kanada, USA und Schweiz) verifizierten daraufhin die Sicherheit und Machbarkeit des Eingriffs bei älteren Personen.

Die Auswertung der Patientendaten unter der Leitung von Prof. Dr. med. Stephan Windecker am Inselspital ergab, dass das neue System zuverlässig angewendet werden kann bei Patientinnen und Patienten, welche mit verfügbaren Techniken schwierig zu behandeln waren. Es verschloss ausserdem die undichte Mitralklappe sehr effektiv: 95 Prozent der Behandelten gaben nach dem Eingriff eine merkliche Verbesserung ihrer Beschwerden an. Diese vielversprechenden Resultate werden nun in Langzeitstudien mit einer grösseren Patientengruppe bestätigt, bevor das neue System zugelassen werden kann. Die Erstauswertung erschien am 19. August in «The Lancet».

Kontakt:
Prof. Dr. med. Stephan Windecker, Direktor und Chefarzt, Universitätsklinik für Kardiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, +41 31 63 2 44 97, Stephan.Windecker@insel.ch.

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)31600-8/fullte…

Media Contact

Monika Kugemann Universitätsspital Bern

Weitere Informationen:

http://www.insel.ch

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik

Kennzeichnend für die Entwicklung medizintechnischer Geräte, Produkte und technischer Verfahren ist ein hoher Forschungsaufwand innerhalb einer Vielzahl von medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin.

Der innovations-report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Bildgebende Verfahren, Zell- und Gewebetechnik, Optische Techniken in der Medizin, Implantate, Orthopädische Hilfen, Geräte für Kliniken und Praxen, Dialysegeräte, Röntgen- und Strahlentherapiegeräte, Endoskopie, Ultraschall, Chirurgische Technik, und zahnärztliche Materialien.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Ordnung in der Unordnung

Dichtefluktuationen in amorphem Silizium entdeckt Erstmals hat ein Team am HZB mit Röntgen- und Neutronenstreuung an BESSY II und BER II in amorphem Silizium mit einer Auflösung von 0.8 Nanometern…

Das Protein-Kleid einer Nervenzelle

Wo in einer Nervenzelle befindet sich ein bestimmter Rezeptor? Ohne Antwort auf diese Frage ist es fast unmöglich, Rückschlüsse über die Funktion dieses Proteins zu ziehen. Zwei Wissenschaftlerinnen am Max-Planck-Institut…

40 Jahre alter Katalysator birgt Überraschungen für die Wissenschaft

Wirkmechanismus des industriellen Katalysators Titansilikalit-1 basiert auf Titan-Paaren/Entdeckung wegweisend für die Katalysatorentwicklung Der Katalysator “Titansilikalit-1“ (TS-1) ist nicht neu: Schon vor fast 40 Jahren wurde er entwickelt und seine Fähigkeit…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close