Minimalinvasive Herzklappenchirurgie: Weltneuheit in Bad Oeynhausen eingesetzt

Die neue Transkatheterklappe ist nur wenige Zentimeter gross (Foto: Armin Kühn)<br>

Als eines von nur vier Herzzentren weltweit ist die von Prof. Dr. Jan Gummert geleitete Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen an der Zulassungsstudie für eine neue Aortenklappe beteiligt. Die Transkatheterklappe namens „ENGAGER“ ist seit März dieses Jahres für den europäischen Markt zugelassen.

Erstmals wurde sie jetzt in Bad Oeynhausen einer 86-jährigen Patientin erfolgreich implantiert. Über 1.200 Herzklappenoperationen werden pro Jahr im Herz- und Diabeteszentrum NRW durchgeführt, etwa 65 Prozent davon betreffen die Aortenklappe.

„Eine Operation mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine hätte für unsere Patientin ein zu hohes Risiko bedeutet“, betont Oberarzt PD Dr. Jochen Börgermann, der den minimalinvasiven Eingriff durchführte. Die 86-jährige Gerta Heß litt an einem der häufigsten Herzklappenfehler, einer hochgradigen Verengung der Aortenklappe. „Eine fortschreitende Verkalkung (Sklerose) kann die Klappenfunktion so erheblich beeinträchtigen, dass die Patienten unter Brustenge und Atemnot leiden“, erläutert Börgermann. „Zudem wird die Herzfunktion aufgrund der erhöhten Druckbelastung auf Dauer geschädigt.“
Während der Operation führte Börgermann die neue künstliche Aortenklappe Engager (Hersteller Medtronic, Meerbusch) mittels Katheter über einen nur fünf Zentimeter langen Schnitt zwischen den Rippenbögen durch die Herzspitze vor. Die Klappe wird daraufhin an Stelle der defekten Aortenklappe entfaltet und ersetzt die Funktion derselben. Die Patientin kann nach dem komplikationslosen Eingriff noch in dieser Woche in die Rehabilitation entlassen werden.

Bei Patienten, bei denen aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Begleiterkrankungen mit einem erhöhten operativen Risiko zu rechnen ist, hat sich die Transkatheter-Aortenklappenimplantation bewährt und wurde am Herz- und Diabeteszentrum NRW annähernd in 500 Fällen eingesetzt. Das Verfahren wird seit über vier Jahren routinemäßig von Herzchirurgen und Kardiologen gemeinsam im Herz- und Diabeteszentrum NRW durchgeführt.
Im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen wird die neue Transkatheter-Aortenklappe koaxial und anatomisch ausgerichtet. Kleine Fixierungsarme fassen hierbei die Taschen der alten Aortenklappe, ziehen diese an den Prothesenkäfig heran und führen so – wie ein Rollkragenpullover am Hals – zu einer sehr guten Abdichtung. Insbesondere die mittelfristigen und langfristigen Ergebnisse können so bei Patienten mit dieser Klappe verbessert werden.

„Unsere Patienten profitieren davon, dass im Herz- und Diabeteszentrum NRW im Rahmen von wissenschaftlichen Studien fortwährend neue OP- und Therapie-Methoden entwickelt und verbessert werden, die noch nicht überall zur Verfügung stehen“, erläutert Prof. Gummert die Forschungsarbeit seiner Klinik und beschreibt damit ein Engagement, dass sich auch in der Namensgebung der neuen Klappe widerspiegelt. „Letztendlich verspricht der kathetergestützte Einsatz von modernsten Klappenprothesen eine hohe Behandlungssicherheit und -qualität, da wir für jeden Patienten das am besten geeignete Verfahren anbieten können.“
Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anna Reiss (Ltg.)
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 / 97 1955
Fax 05731 / 97 2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Media Contact

Anna Reiss idw

Weitere Informationen:

http://www.hdz-nrw.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik

Kennzeichnend für die Entwicklung medizintechnischer Geräte, Produkte und technischer Verfahren ist ein hoher Forschungsaufwand innerhalb einer Vielzahl von medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin.

Der innovations-report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Bildgebende Verfahren, Zell- und Gewebetechnik, Optische Techniken in der Medizin, Implantate, Orthopädische Hilfen, Geräte für Kliniken und Praxen, Dialysegeräte, Röntgen- und Strahlentherapiegeräte, Endoskopie, Ultraschall, Chirurgische Technik, und zahnärztliche Materialien.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Analyse von Partikeln des Asteroiden Ryugu liefert überraschende Ergebnisse

Eine kleine Landekapsel brachte im Dezember 2020 Bodenpartikel vom Asteroiden Ryugu zur Erde – Material aus den Anfängen unseres Sonnensystems. Gesammelt hatte die Proben die japanische Raumsonde Hayabusa 2. Geowissenschaftler…

Kollision in elf Millionen Kilometern Entfernung

Die im letzten Jahr gestartete NASA-Raumsonde DART wird am 27. September 2022 um 1.14 Uhr MESZ in elf Millionen Kilometer Entfernung von der Erde erproben, ob der Kurs eines Asteroiden…

Wie die Erderwärmung astronomische Beobachtungen beeinträchtigt

Astronomische Beobachtungen mit bodengebundenen Teleskopen sind extrem abhängig von lokalen atmosphärischen Bedingungen. Der menschgemachte Klimawandel wird einige dieser Bedingungen an Beobachtungsstandorten rund um den Globus negativ beeinflussen, wie ein Forschungsteam…

Partner & Förderer