Knorpelzellen mit kleinen Schnitten transplantiert

Das Wort ist ein echter Zungenbrecher – aber dahinter verbirgt sich eine großartige Zukunftsperspektive bei der Behandlung von Gelenkschmerzen: Chondrozyten-Transplantation.

Unter Chondrozyten verstehen die Ärzte Knorpelzellen. Orthopäden der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) haben jetzt erstmals nachgezüchtete Knorpelzellen minimal-invasiv in ein Hüftgelenk transplantiert.

Eigentlich hatte sich der Patient, ein 26-jähriger Medizinstudent, gelernter Rettungsassistent und Hobby-Eishockeyspieler, wegen einer anderen Erkrankung einer Operation an der Hüfte unterzogen: Als er es nach einer Nachtschicht im Rettungsdienst vor Schmerzen kaum noch in den dritten Stock seiner Wohnung schaffte, operierten die Orthopäden eine gar nicht so seltene Fehlstellung, bei der ein Oberschenkelknochen an den Hüftknochen stößt.

Dies geschieht insbesondere in Belastungssituationen. Geschulte Operateure können diese Fehlstellung beheben, indem sie den Knochen genau dort etwas vertiefen, wo er an den Hüftknochen zu stoßen droht.

Festgestellt wurde dabei aber ein weiterer Gelenkdefekt: Der Knorpel im Hüftgelenk hatte sich abgelöst und war stark beschädigt. Nun kann die moderne Medizin heute Knorpelgewebe entnehmen und künstlich vermehren – also nachzüchten. Beim Kniegelenk geschieht dies bereits häufig, aber auch bei der Hüfte wurde dieses Verfahren in Mannheim schon fünfmal angewandt. Doch die Transplantation „zurück“ in den Körper ist üblicherweise mit einer recht großen offenen, mehrstündigen Operation verbunden.

Ein OP-Team um Dr. Stefan Fickert, Oberarzt im Orthopädisch-Unfallchirurgischen Zentrum, hat solch einen Eingriff nun arthroskopisch vorgenommen, also minimal-invasiv mit Hilfe sehr schlanker medizintechnischer Geräte. Dazu gehört auch ein so genannter Applikator, den man sich als einen dünnen, biegsamen Stift vorstellen kann. Über ihn wird die Trägersubstanz mit den außerhalb des Körpers vermehrten Zellen eingebracht. „Wir Mannheimer dürften wohl die ersten sein, die den Eingriff mit dieser Technologie an einem Hüftgelenk vorgenommen haben“, zeigt sich der Gelenkspezialist Fickert nach dem erfolgreichen Verlauf der Operation zufrieden.

Die Operationszeit reduzierte sich dadurch erheblich auf knapp über eine Stunde – und damit auf nicht einmal die Hälfte der sonst zu veranschlagenden Zeit. Zudem mussten dafür keine Muskeln durchtrennt werden, auch dies ist sonst unvermeidlich. Und so konnte sich der 26-Jährige noch am Operationstag vorsichtig mit Gehstützen fortbewegen und nach gerade mal vier Tagen aus dem Klinikum entlassen werden. Zwei Monate liegt das zurück, seinem Medizinstudium und seinen Freizeitaktivitäten kann sich der junge Mann nun wieder beschwerdefrei widmen.

Media Contact

Klaus Wingen idw

Weitere Informationen:

http://www.umm.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik

Kennzeichnend für die Entwicklung medizintechnischer Geräte, Produkte und technischer Verfahren ist ein hoher Forschungsaufwand innerhalb einer Vielzahl von medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin.

Der innovations-report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Bildgebende Verfahren, Zell- und Gewebetechnik, Optische Techniken in der Medizin, Implantate, Orthopädische Hilfen, Geräte für Kliniken und Praxen, Dialysegeräte, Röntgen- und Strahlentherapiegeräte, Endoskopie, Ultraschall, Chirurgische Technik, und zahnärztliche Materialien.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Entwicklung von High-Tech Tech-Schattenmasken für höchsteffiziente Si-Solarzellen

Das Technologieunternehmen LPKF Laser & Electronics AG und das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) haben einen Kooperationsvertrag vereinbart: Gemeinsam werden sie Schattenmasken aus Glas von LPKF zur kostengünstigen Herstellung hocheffizienter…

Hitzewellen in den Ozeanen sind menschgemacht

Hitzewellen in den Weltmeeren sind durch den menschlichen Einfluss über 20 Mal häufiger geworden. Das können Forschende des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern nun belegen. Marine Hitzewellen zerstören Ökosysteme…

Was Fadenwürmer über das Immunsystem lehren

CAU-Forschungsteam sammelt am Beispiel von Fadenwürmern neue Erkenntnisse über die Regulation der angeborenen Immunantwort. Alle höheren Lebewesen verfügen über ein Immunsystem, das als biologischer Abwehrmechanismus den Körper vor Krankheitserregern und…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close