Flexible OP-Technik folgt menschlicher Anatomie

Der Operateur führt zwei OP-Instrumente durch die flexiblen Arbeitskanäle der Operations-Endoskopieeinheit Foto: Universitätsklinikum Ulm

Ärzte der Ulmer Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde nutzen mit als erste das von einer US-Firma entwickelte flexible robotische Endoskopsystem für minimal-invasive Operationen im Kopf-Hals-Bereich.

Weltweit erstmals wird es im Rahmen einer klinischen Studie bei Patienten eingesetzt. Bisher standen in diesem Bereich nur starre Endoskope zur Verfügung, welche die Ärzte zum Operieren tief in den Rachenraum einführten. Die Anatomie vieler Patienten ließ aber diesen geraden starren Zugang nicht zu, so dass bei ihnen eine schonend minimal-invasive Operation nicht möglich war.

Die neue Operations-Endoskopieeinheit kann in Zukunft mehr Patienten die Perspektive auf eine schonende Therapie eröffnen. Es wurden an der Ulmer HNO-Klinik bereits mehrere Patienten erfolgreich mithilfe der flexiblen Technik operiert.

Ingenieure der Firma Medrobotics®™ entwickelten das Flex®System, um den Kurven der menschlichen Anatomie entgegenzukommen. Dabei geht es vor allem um die Entfernung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, die fünfthäufigste Tumorart in Deutschland.

„Das neuartige Endoskop besteht aus einem flexiblen ‚Hightechrohr‘, an dessen Ende sich LED-Leuchten und eine HD-Kamera befinden“ erläutert Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. „Mit Hilfe der Kontrolleinheit können wir die Operations-Endoskopieeinheit den körperlichen Biegungen folgend in den Rachenraum einführen“, so Hoffmann. 

Ist der Bereich, in dem operiert werden soll, optimal ausgeleuchtet, kann die Operation beginnen. „Unsere OP-Instrumente sind ebenfalls flexibel. Wir führen sie durch zwei biegsame Arbeitskanäle, die an dem flexiblen Endoskop befestigt sind, zur Operationsstelle und steuern sie mechanisch“, erklärt der Geschäftsführende Oberarzt Prof. Dr. Marc Scheithauer das Vorgehen. Dabei haben die Ulmer Ärzte auch die Einbindung von speziellen Instrumenten wie beispielsweise einer elektrisch schneidenden Nadel für besonders feine Schnitte mit initiiert und das Verfahren für das weite Öffnen des Mundes verbessert.

„Das neue System eröffnet die Perspektive, mehr Patienten mit Tumoren im Kopf-Hals-Bereich eine schonende minimal-invasive Operation zu ermöglichen als bisher und ihnen eine große offene Operation zu ersparen. Das gilt für Patienten, deren Zugang zum Rachen erschwert ist, die beispielsweise ihren Mund nicht weit öffnen oder ihren Kopf nicht stark genug nach hinten biegen können“, sagt Priv. Doz. Dr. Patrick Schuler.

Im Rahmen einer klinischen Studie überprüfen die Ulmer Ärzte nun gemeinsam mit Kollegen in Leeuwen, Essen und Marburg weltweit erstmals die Einsatzmöglichkeiten des flexiblen Systems. Eine erste wissenschaftliche Publikation zum Einsatz der neuen Technik erschien jetzt im Fachjourjnal „The Laryngoscope“ (DOI 10.1002/lary.24957).

„Unser Ziel ist zum einen, die Operations-Endoskopieeinheit selbst noch weiter zu entwickeln, beispielsweise indem wir die Auswahl an Instrumenten für den Operateur noch erweitern. In einem weiteren Schritt möchten wir dann auch überprüfen, ob die OP-Ergebnisse sich von denen mit der starren Standardtechnik unterscheiden“, sagt Professor Hoffmann.

Gerne vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner zu dem Thema.

Petra Schultze
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (SII)
Universitätsklinikum Ulm
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