Mehr Sicherheit und kürzere Operationszeiten durch innovative Medizintechnik

Dank Trierer Forscher werden Therapien für Krankheiten wie Parkinson, Dystonie, Tremor oder Schmerzerkrankungen maßgeblich verbessert. Brüderkrankenhaus und Fachhochschule entwickeln gemeinsam hochmoderne Verfahren für die Operationsplanung und -navigation bei der Tiefenhirnstimulation. Erste Verfahrensentwicklungen bereits an weltweit führende Firma in Medizintechnik aus den USA verkauft.

Seit knapp zwei Jahren arbeiten Professor Dr. Peter Gemmar vom Institut für innovative Informatikanwendungen (i3A) der Fachhochschule Trier und Oberarzt Dr. Frank Hertel vom Bereich Stereotaxie und Neuromodulation am Brüderkrankenhaus Trier (BKT) in einem interdisziplinären Kooperationsprojekt zusammen, um gemeinsam innovative Informatikanwendungen für die Gehirnchirurgie zu untersuchen und zu entwickeln.

Das i3A ist spezialisiert auf die Entwicklung moderner Computeranwendungen – unter anderem in den Bereichen automatische Bild- und Signalanalyse. Im BKT werden schon seit einigen Jahren spezielle computergestützte Gehirnoperationen – in der Fachsprache Stereotaxien genannt – zur Behandlung von Bewegungsstörungen und Schmerzen durchgeführt. Hierbei werden Elektroden für so genannte Hirnschrittmacher sehr präzise in kleinste Zielstrukturen des Gehirns implantiert. Mittlerweile ist das BKT bundesweit eines der fünf größten Zentren bundesweit für diese Therapien geworden.

Bei den Operationsverfahren zur Tiefenstimulation müssen umfangreiche und anspruchsvolle Analysen von Magnetresonanz-Tomografiebildern (MRT) und Ableitungssignalen von Gehirnströmen vor und während der Operation durchgeführt werden. Die Arbeitsgruppe um Gemmar und Hertel befasst sich mit der Entwicklung computergestützter Verfahren zur Teilautomatisierung der zeitaufwändigen Untersuchungsaufgaben, um sie medizinisch nutzbar zu machen. Inzwischen wurden in mehr als zehn Diplom- und Bachelor-Abschlussarbeiten mehrere unterschiedliche Problemstellungen untersucht und Lösungsansätze erarbeitet.

Dabei konnten schon nach knapp einem Jahr zwei erfolgreiche Forschungsergebnisse für die computergestützte Auswertung von MRT-Bildern für die stereotaktische Tiefehirnstimulation vorgestellt werden, welche die Planung komplizierter stereotaktischer Hirnoperationen erheblich erleichtern. Die entwickelten Programme führen zu einer deutlichen Reduktion der Operationszeiten und erhöhen die Operationssicherheit. Beide Programme konnten nun – nach umfangreichen Tests – an eine der weltweit führenden Medizinelektronikfirmen aus den USA verkauft werden, wo sie in die nächste Generation von Planungsrechnern integriert werden sollen. Vergangene Woche haben die Wissenschaftler die neuen Verfahren in Colorado/USA präsentiert: "Die Gespräche verliefen sehr positiv und es besteht ein konkretes Interesse an der Verwertung weiterer Entwicklungen", freut sich Peter Gemmar. Einige weitere viel versprechende Ergebnisse neuester Entwicklungen hatte das Team bereits mit nach Colorado bringen können.

Die intensive und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen BKT und i3A soll weiter ausgebaut werden. Die beiden Initiatoren planen, einen Schwerpunkt im Bereich Medizin-Informatik und Neuromodulation in Trier zu etablieren.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Peter Gemmar
Tel. +49 651 8103-375 oder -583
Fax +49 651 8103-480
E-Mail: i3a@fh-trier.de

Media Contact

Konstanze Kristina Jacob idw

Weitere Informationen:

http://www.fh-trier.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik

Kennzeichnend für die Entwicklung medizintechnischer Geräte, Produkte und technischer Verfahren ist ein hoher Forschungsaufwand innerhalb einer Vielzahl von medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin.

Der innovations-report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Bildgebende Verfahren, Zell- und Gewebetechnik, Optische Techniken in der Medizin, Implantate, Orthopädische Hilfen, Geräte für Kliniken und Praxen, Dialysegeräte, Röntgen- und Strahlentherapiegeräte, Endoskopie, Ultraschall, Chirurgische Technik, und zahnärztliche Materialien.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Theoretische Physik: Modellierung zeigt, welche Quantensysteme sich für Quantensimulationen eignen

Eine gemeinsame Forschungsgruppe um Prof. Jens Eisert von der Freien Universität Berlin und des Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) hat einen Weg aufgezeigt, um die quantenphysikalischen Eigenschaften komplexer Festkörpersysteme zu simulieren. Und…

Rotation eines Moleküls als „innere Uhr“

Mit einer neuen Methode haben Physiker des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik die ultraschnelle Fragmentation von Wasserstoffmolekülen in intensiven Laserfeldern detailliert untersucht. Dabei nutzten sie die durch einen Laserpuls angestoßene Rotation…

Auf dem Weg zur fischfreundlichen Wasserkraft

In dem europaweiten Projekt „FIThydro“ unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) haben Forscherinnen und Forscher in Zusammenarbeit mit Industriepartnern bestehende Wasserkraftwerke untersucht. Diese Ergebnisse nutzten sie, um neue Methoden…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close