Amputation: Virtueller Arm lindert Phantomschmerz

AR-Technologie im Einsatz: Arm wird virtuell angefügt (Foto: youtube.com)

Wissenschaftler der Chalmers University of Technology http://chalmers.se haben einen neuen Behandlungsansatz für Amputierte mit Phantomschmerzen in den Gliedmaßen entwickelt. Über rechnergenerierte Augmented Reality kann der Patient einen virtuellen Arm sehen und bewegen, der durch den verbleibenden Arm kontrolliert wird. Elektrische Signale der Muskeln der amputierten Gliedmaße „kommunizieren“ mit dem Computer und erlauben so eine Bewegung in Echtzeit.

Schmerzen deutlich reduziert

Der Patient Ture Johanson konnte seine Schmerzen durch das neue Computerprogramm deutlich verringern. Er setzt es jetzt regelmäßig zu Hause ein. Johanson erlebt jetzt Perioden ohne Schmerzen und wacht nicht mehr in der Nacht durch Schmerzen auf. Der 73 Jahre alte Schwede hat die Hälfte seines rechten Armes bei einem Autounfall vor 48 Jahren verloren.

In den vergangenen Jahrzehnten hat er viele Behandlungsansätze und auch Hypnose ausprobiert, allerdings ohne Erfolg. Innerhalb einiger Wochen nach dem Beginn der Behandlung mit der Augmented-Reality-Lösung haben sich seine Schmerzen verringert. „Ich habe zwar immer noch Schmerzen. Sie dauern aber oft statt Minuten nur noch Sekunden. Ich spüre sie jetzt nur noch im kleinen Finger und an der Spitze des Ringfingers. Zuvor reichten die Schmerzen von meinem Handgelenk bis zum kleinen Finger.“

Einsatz auch bei Rehabilitation

Auch die Wahrnehmung der Phantomhand hat sich verändert. Sie befindet sich jetzt in einer ruhenden und entspannten Position und ist nicht mehr zur Faust geballt. Johanson hat auch gelernt, die Bewegungen seiner Phantomhand ohne Verbindung zum Computer oder Beobachten der virtuellen Hand zu kontrollieren. Der leitende Wissenschaftler Max Ortiz Catalan geht davon aus, dass das Bewegen der Muskeln und die Möglichkeit, ihre Aktivitäten zu beobachten, der Schlüssel für den Erfolg dieses Behandlungsansatzes sein dürften.

„Die motorischen Areale im Gehirn, die für die Bewegung des amputierten Armes erforderlich sind, werden reaktiviert. Das visuelle Feedback bringt das Gehirn dazu zu glauben, dass es einen Arm gibt, der diese motorischen Befehle ausführt. Der Patient hat das Gefühl, dass der amputierte Arm wieder vorhanden ist.“ Einsatzgebiete des neuen Behandlungsansatzes könnten auch die Rehabilitation nach einem Schlaganfall mit Verletzungen des Rückenmarks sein. Details wurden in Frontiers of Neuroscience http://bit.ly/1fSXnVu veröffentlicht.

Video: http://www.youtube.com/watch?v=qDE8edN_Cs8

Media Contact

Michaela Monschein pressetext.redaktion

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik

Kennzeichnend für die Entwicklung medizintechnischer Geräte, Produkte und technischer Verfahren ist ein hoher Forschungsaufwand innerhalb einer Vielzahl von medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin.

Der innovations-report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Bildgebende Verfahren, Zell- und Gewebetechnik, Optische Techniken in der Medizin, Implantate, Orthopädische Hilfen, Geräte für Kliniken und Praxen, Dialysegeräte, Röntgen- und Strahlentherapiegeräte, Endoskopie, Ultraschall, Chirurgische Technik, und zahnärztliche Materialien.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Neue Produktionstechnologie für schwere Nutzfahrzeuge

Das EU-Klimaziel, den CO2-Ausstoß von neuen Pkw bis 2030 um 37,5 Prozent zu senken, soll bereits in fünf Jahren auch auf schwere Nutzfahrzeuge ausgedehnt werden. Weitere Verschärfungen der Ziele werden…

Neues Modell zur Genregulation bei höheren Organismen

Gene können je nach Bedarf an- und ausgeschaltet werden, um sich an Umweltveränderungen anzupassen. Aber wie genau interagieren die verschiedenen beteiligten Moleküle miteinander? Wissenschaftler des Institute of Science and Technology…

Infektionsrisiko COVID-19: Simulation von Aerosolbelastung in Räumen

Im Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Hochschule RheinMain (HSRM) wurde ein Simulationsmodell erstellt, mit dem die Aerosolausbreitung in Räumen berechnet, bewertet und untersucht werden kann. Das Simulationsmodell ist in der Lage, unterschiedliche…

Partner & Sponsoren

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close