UKE-Forscher deckt möglichen Grund für Häufung von Demenzen im Alter auf

Die Forscher konnten zeigen, wie der Körper versucht, fehlerhafte Eiweiße (Proteine) im Gehirn zu besiegen, bevor er letztlich kapitulieren muss. Das Ergebnis beschreiben sie in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift GENETICS.

Demenzerkrankungen wie Alzheimer, bei denen die Nervenzellen im Gehirn durch krankhafte Ablagerungen (Plaques) aus schadhaften Proteinen zugrunde gehen, stellen Wissenschaftler immer noch vor Rätsel. Prinzipiell können alle Zellen solche fehlgefalteten Proteine abbauen. Dieser Abbauprozess erfolgt mit sogenannten molekularen Mülleimern, den Proteasen. „Doch deren Leistungsfähigkeit nimmt mit zunehmenden Alter ab, es bleiben mehr fehlgefaltete Proteine erhalten, die Proteinlast steigt und die Funktionsfähigkeit der Nervenzellen sinkt zugleich“, erläutert Glatzel.

Doch wie verläuft dieser Prozess bei einer Demenz? Zum ersten Mal gelang es Glatzel und seinen Mitstreitern nun, die Dynamik zu entschlüsseln. Denn die Entwicklung der Krankheit verläuft nicht etwa gradlinig. „Es gibt zunächst einen Anstieg der Proteinlast, dann bleibt diese längere Zeit stabil und plötzlich steigt sie rasant an. Der Körper kapituliert offenbar“, erläutert Glatzel.

Erforscht hat der Mediziner diesen Mechanismus an einer seltenen Demenzerkrankung namens Familial Encephalopathy with Neuroserpin Inclusion Bodies (FENIB), an der weltweit nur wenige Familien leiden. „Die FENIB kann als Modell für Demenzerkrankung dienen. Im Gegensatz zum Morbus Alzheimer ist der Krankheitsmechanismus, an dem nur ein spezielles Eiweiß beteiligt ist, bei FENIB leichter zu erforschen als beim Morbus Alzheimer, wo sich eine Vielzahl von Proteinen ablagern.“

Zudem untersuchten die Mediziner die Krankheit nicht im Menschen, sondern im Tier. „Der Fadenwurm C. elegans hat ein krankmachendes Protein, das dem Protein entspricht, das die Krankheit beim Menschen auslöst. Unsere Ergebnisse lassen sich also auf das Krankheitsgeschehen im Menschen übertragen.“ Der Fadenwurm könnte daher zum neuen Lieblingstier der Demenzforscher mutieren. Denn mit ihm haben sie im Rahmen dieser Arbeit, die sich über vier Jahre erstreckte, einen Modellorganismus entdeckt, mit dem auch die Wirkstoffforschung für neue Medikamente vorangetrieben werden kann.

Bislang gibt es keine Therapie, die spezifisch den Abbau von fehlerhaften Proteinen stimuliert.
Für alle Demenzformen, in denen eine hohe Proteinlast ursächlich für die Erkrankung ist, könne man jetzt die Wege erforschen, auf denen solche Eiweiße normalerweise abgebaut werden, so Prof. Glatzel. „Wir hoffen, dass sich im Laufe der Forschungen hieraus spezifischere Therapien ableiten lassen.“

Kontakt:

Prof. Dr. Markus Glatzel
Institut für Neuropathologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel.: (040) 7410-52218
Fax: (040) 7410-54929
E-Mail: m.glatzel@uke.de

Quelle: Angela Schipanski et al., A novel interaction between aging and ER overload in a protein conformational dementia, GENETICS, Vol. 193, MARCH 2013, pp. 865–876

Media Contact

Christine Jähn idw

Weitere Informationen:

http://www.uke.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Die Zukunft der Robotik ist soft und taktil

TUD-Startup bringt Robotern das Fühlen bei. Die Robotik hat sich in den letzten Jahrzehnten in beispiellosem Tempo weiterentwickelt. Doch noch immer sind Roboter häufig unflexibel, schwerfällig und zu laut. Eine…

Stabilität von Perowskit-Solarzellen erreicht den nächsten Meilenstein

Perowskit-Halbleiter versprechen hocheffiziente und preisgünstige Solarzellen. Allerdings reagiert das halborganische Material sehr empfindlich auf Temperaturunterschiede, was im Außeneinsatz rasch zu Ermüdungsschäden führen kann. Gibt man jedoch eine dipolare Polymerverbindung zur…

EU-Projekt IntelliMan: Wie Roboter in Zukunft lernen

Entwicklung eines KI-gesteuerten Manipulationssystems für fortschrittliche Roboterdienste. Das Potential von intelligenten, KI-gesteuerten Robotern, die in Krankenhäusern, in der Alten- und Kinderpflege, in Fabriken, in Restaurants, in der Dienstleistungsbranche und im…

Partner & Förderer