Regensburger Chirurgen nutzen neuartiges Testverfahren zur Früherkennung von Nierenschädigung

(v.l.n.r.) Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt, Dr. Ivan Göcze und Professor Dr. Michael Nerlich erhoffen sich durch das neue Verfahren eine Reduzierung akuter Nierenschädigungen. UKR

Die Beeinträchtigung der Nierenfunktion gehört zu den häufigsten Komplikationen nach einem komplexen operativen Eingriff wie beispielsweise in der Tumor-, Leber-, Gefäßchirurgie, nach Transplantationen oder nach Unfällen mit schwersten Verletzungen.

Ist die Nierenfunktion gestört, kann sich dies unter anderem negativ auf die benötigte Liegedauer im Krankenhaus, Lebensqualität nach der Entlassung oder gar das Überleben auswirken. Kommt es zu einer solchen Einschränkung der Nierenfunktion, steigen die nierenspezifischen Werte im Blut, jedoch erst mit einer gewissen Verzögerung. Dadurch können derzeit Nierenfunktionsstörungen erst nach 24 bis 48 Stunden nachgewiesen werden.

„Bis die Komplikation folglich erkannt und behandelt werden kann, vergeht oft wertvolle Zeit und der Behandlungserfolg bleibt dadurch sehr limitiert“, so Professor Michael Nerlich, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des UKR.

Auf der Operativen Intensivstation des Universitätsklinikums Regensburg wurden daher im Rahmen einer Studie innovative Urinmarker erstmalig bei Patienten nach komplexen operativen Eingriffen eingesetzt, um eine drohende Nierenfunktionsstörung frühzeitig erkennen und somit einer möglichen Nierengewebeschädigung rechtzeitig entgegenwirken zu können. Dazu wurden zwei im Urin nachweisbare Proteine mit einem in den USA entwickelten Test untersucht.

„Die beiden analysierten Proteine – TIMP-2 und IGFBP7 – dienen als eine Art biologisches Alarmsystem, das signalisiert, wenn die Nierenzellen unter akutem Stress stehen“, erläutert Dr. Ivan Göcze, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR und Leiter der Studie. Vorteil der beiden Proteine: Sie werden sehr früh im Urin freigesetzt, so dass eine drohende Nierenschädigung bereits weniger als sechs Stunden nach der Operation mit hoher Sicherheit erkannt werden kann.

Zudem ist die Vorhersage mittels Urinmarkern sehr einfach durchzuführen und ist deutlich präziser als die gegenwärtige Methode der Risikoschätzung. „Die frühzeitige Bestimmung dieser Biomarker bringt eine neue Qualität in die Früherkennung der Risikopatienten und könnte zukünftig Prävention und Behandlung der Nierenschädigung nach komplexen Operationen wesentlich verbessern“, fasst Professor Hans Jürgen Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR, zusammen.

Die Arbeit entstand in Kooperation zwischen der Klinik und Poliklinik für Chirurgie (Dr. Ivan Göcze, Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt) und der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie (Dr. Matthias Koch und Professor Dr. Michael Nerlich) des Universitätsklinikums Regensburg.

Die vielversprechenden Ergebnisse aus Regensburg wurden am 01.10.2014 auf dem Europäischen Kongress für Intensivmedizin in Barcelona vorgestellt und diskutiert. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Vereinigung Bayerischer Chirurgen wurde die Arbeit zudem mit dem renommierten Otto Goetze-Preis für klinische Forschung ausgezeichnet. Dieser wird seit 1971 für den inhaltlich und rhetorisch besten Vortrag eines nichthabilitierten Chirurgen verliehen.

Im nächsten Schritt wollen die Regensburger Mediziner untersuchen, ob durch den regelmäßigen Einsatz des Testverfahrens, die Häufigkeit und der Schweregrad der akuten Nierenschädigung nach schweren Operationen deutlich reduziert werden können.

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Susanne Körber idw - Informationsdienst Wissenschaft

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