Den Phantomschmerz in die Schranken weisen

Die Hand schmerzt, obwohl sie gar nicht mehr da ist: Patienten, denen Gliedmaßen amputiert wurden, leiden häufig am sogenannten Phantomschmerz.

Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht, wie sich spezielle Arm- und Handprothesen auf die Entwicklung von Phantomschmerz und das Gehirn auswirken. Ist das Gehirn doch permanent dazu in der Lage, sich zu verändern oder weiterzuentwickeln, wie die Jenaer Forscher bereits an vielen Beispielen bewiesen haben. Die Erfolgsaussichten des neuen Projektes haben die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bewogen, die Arbeit der interdisziplinären Forschergruppe in den nächsten drei Jahren mit etwa 300.000 Euro zu fördern.

„Phantomschmerz ist bis heute schlecht therapierbar, weil seine Ursachen nicht ausschließlich in der amputierten Extremität zu suchen sind“, sagt Prof. Dr. Thomas Weiß vom Institut für Psychologie. Vielmehr nehmen die Wissenschaftler von der Universität Jena an, dass es erhebliche Umstrukturierungsprozesse in jenen Teilen des Gehirns gibt, die vor der Amputation mit der Verarbeitung von Informationen aus der nun fehlenden Extremität beschäftigt waren. Diese Umstrukturierungsprozesse seien fehladaptiv, sie gehen sozusagen ins Leere. Eine mögliche Folge ist der Phantomschmerz. Um diese Fehlentwicklung wenigstens teilweise rückgängig zu machen, nutzt die Jenaer Forschergruppe herkömmliche Prothesen, bei denen Druckinformationen aus den künstlichen Fingern dem Gehirn gemeldet werden. „Die ersten Untersuchungen in einer Experimentalanordnung erwiesen sich als sehr vielversprechend“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Miltner, Lehrstuhlinhaber für Biologische und Klinische Psychologie.

Im neuen Projekt soll nun die Experimentalanordnung zu einer funktionstüchtigen Prothese weiterentwickelt werden. Die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität arbeiten dabei intensiv mit dem Unternehmen VisuMotion Jena und der Firma Otto Bock aus Duderstadt zusammen. „Anfang nächsten Jahres soll die neue Prothese zur Verfügung stehen“, sagt Thomas Weiß. Bis dahin werde mit der Experimentalanordnung weitergearbeitet.

Die Forschergruppe kooperiert dabei eng mit der Bernstein-Gruppe „Neuromatrix des Schmerzes“, die Teil des vom Bundesforschungsministerium geförderten nationalen Netzwerkes für Computational Neurosciences ist. Dieses Netzwerk wurde 2004 von der Bundesregierung unter der Bezeichnung „Bernstein-Zentren“ bzw. „Bernstein-Gruppen“ ins Leben gerufen, um deutschlandweit die Forschung auf diesem Gebiet nachhaltig zu fördern und zu bündeln. Der Bernstein-Gruppe der Friedrich-Schiller-Universität gehören Informatiker, Psychologen, Neurologen, Unfallchirurgen, Physiker und Mathematiker an.

Für das neue Projekt werden Patienten mit Arm- oder Handamputationen gesucht, die an der Studie teilnehmen wollen. Anmeldungen nehmen Dipl.-Psych. Caroline Dietrich (Tel. 03641 / 945157, E-Mail: caroline.dietrich@uni-jena.de), Prof. Dr. Thomas Weiß (Tel. 03641 / 945143) und Angelika Kippe (Tel. 03641 / 945140) entgegen.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Weiß
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 / Haus 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945143
E-Mail: thomas.weiss[at]uni-jena.de

Ansprechpartner für Medien

Stephan Laudien idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

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