Neuer Therapiestandard für Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium

Beim diesjährigen Kongress der American Society of Hematology (ASH) in Orlando/Florida erregte die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG) mit der Endauswertung ihrer HD-14 Studie besondere Aufmerksamkeit.

Die an der Uniklinik Köln angesiedelten Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine frühe Intensivierung der Chemotherapie mit zwei Zyklen BEACOPP eskaliert plus zwei Zyklen ABVD gefolgt von einer Radiotherapie bei Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium zu einer besseren Tumorkontrolle führt, als wenn die Patienten mit der bisherigen Standardchemotherapie bestehend aus vier Zyklen ABVD plus Radiotherapie behandelt wurden.

Das erfolgreichere Therapiekonzept wird in der Folgestudie HD-17 als neue Standardtherapie verankert.

Das Hodgkin Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, an der in Deutschland jedes Jahr rund 2.000 Menschen erkranken und die unbehandelt zum Tod der Patienten führt. Mit Heilungsraten von über 80 Prozent gehört das Hodgkin Lymphom aber zu den am besten behandelbaren Krebsarten.

In ihrer früheren HD-8 Studie hatte die GHSG bei Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium durch einen kombinierten Therapieansatz bestehend aus einer Chemotherapie mit vier Zyklen ABVD (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbacin) und einer 30 Gy Involved-Field-Radiotherapie, eine Behandlung, bei der nur die vom Lymphom betroffenen Körperregionen bestrahlt werden, Gesamtüberlebensraten von 91 Prozent erzielt. In der Nachbeobachtungszeit hielt der Therapieerfolg bei 83 Prozent der Patienten über fünf Jahre an (Freedom from Treatment Failure = FFTF), die Therapie versagte jedoch bei 17 Prozent der Patienten.

In der aktuell vorgestellten HD-14-Studie wurde untersucht, ob durch die frühzeitige Intensivierung der chemotherapeutischen Behandlung für Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium (Stadium I A, I B oder II A mit einem oder mehreren Risikofaktoren bzw. Stadium II B mit bestimmten Risikofaktoren) bessere Ergebnisse erzielt werden können als mit der Standardtherapie. Insgesamt wurden 1.655 Patienten zufällig zwei verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt. Als Chemotherapie erhielten sie entweder vier Zyklen ABVD (Standardarm) oder zwei Zyklen BEACOPP eskaliert (Bleomycin, Etoposid, Doxorubicin, Cyclophosphamid, Vincristin, Procarbazin und Prednison) gefolgt von zwei Zyklen ABVD (experimenteller Arm). Anschließend wurden die vom Lymphom betroffenen Körperregionen aller Patienten durch eine Involved Field Radiotherapie mit 30 Gy bestrahlt.

In beiden Behandlungsgruppen sprachen zunächst 95 Prozent der Patienten auf die Therapie an. Mit einer medianen Beobachtungszeit von 42,4 Monaten (3,5 Jahre) wurde dann analysiert, in welcher Behandlungsgruppe es über vier Jahre häufiger zum Therapieversagen kommt (zum Beispiel indem die Krankheit fortschreitet, es zum Rezidiv kommt oder die Remission ausbleibt), beziehungsweise es wurde die Zeitspanne gemessen, in der diese Formen des Therapieversagen nicht aufgetreten sind (Freedom from Treatment Failure = FFTF).

Es zeigte sich, dass die FFTF-Rate im Standardarm mit 89,3 Prozent (4x ABVD) deutlich niedriger lag gegenüber 94,7 Prozent im experimentellen BEACOPP-Arm (p=0,0001) – mit der intensiveren Behandlung also mittelfristig bessere Ergebnisse erzielt wurden, als mit der bisherigen Standardtherapie. Trotz etwas höherer hämatopoetischer Nebenwirkungen gab es zwischen beiden Therapiearmen keinen Unterschied bei der behandlungsassoziierten Mortalität oder bei sekundären Neoplasien. Bezüglich des Gesamtüberlebens konnte zwischen beiden Armen noch kein Unterschied festgestellt werden.

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass eine frühe Intensivierung der Therapie durch die eskalierte BEACOPP-Chemotherapie bei Hodgkin-Patienten im mittleren Stadium zu einer insgesamt besseren Tumorkontrolle führt“, sagte Studiengruppenleiter Prof. Dr. med. Andreas Engert (Uniklinik Köln). „Die effektivere Therapie bestehend aus zwei Zyklen BEACOPP eskaliert, zwei Zyklen ABVD gefolgt von einer Involved Field Strahlentherapie mit 30 Gy stellt im Rahmen zukünftiger GHSG-Studien den neuen Behandlungsstandard für Patienten in mittleren Stadien dar.“

Professor Engert präsentiert die Ergebnisse dieser Studie im Rahmen einer ASH-Pressekonferenz am Sonntag, den 5. Dezember 2010, und in einem Vortrag am Montag, den 6. Dezember 2010, in Orlando/Florida (USA).

Literatur: Engert A. et al. 52nd ASH Annual Meeting, 4.-7. Dec. 2010, Abstr. #765.

Ansprechpartner zu Hodgkin-Studien

Prof. Dr. Andreas Engert
Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln, D-50924 Köln
Tel. +49 (0)221 478-5966
a.engert@uk-koeln.de
Ansprechpartner für die Presse
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Pressesprecherin Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.
Uniklinik Köln, D-50924 Köln
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Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Kommunikation
Uniklinik Köln, D-50924 Köln
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Die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG) ist an der Uniklinik Köln angesiedelt und Mitglied im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., einem Zusammenschluss führender deutscher Lymphom-Studiengruppen und Versorgungseinrichtungen. Weitere Informationen unter: http://www.ghsg.org, http://www.lymphome.de und http://www.uk-koeln.de

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