Kristina Schröder: "Wir müssen uns auf ein Leben mit Demenz einstellen."

Kann man trotz einer Demenz noch gut und zufrieden leben? Was bleibt, wenn der Verstand zunehmend schwindet? Können spezielle Formen der Pflege die Lebensqualität bei Demenz-Patienten fördern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich heute in Berlin der Kongress „Lebensqualität bei Demenz“.

Im Mittelpunkt steht dabei das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt H.I.L.DE („Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität Demenzkranker“). Dessen zentrales Ergebnis lautet: Auch schwerst Demenzkranke sind noch in der Lage, Freude und Glück zu empfinden – und Pflegende können diese positiven Gefühle gezielt fördern.

„Die Ergebnisse des Forschungsprojekts H.I.L.DE bestärken mich darin, eine Familienpflegezeit in Deutschland einzuführen“, sagt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. „Menschen mit Demenz wollen als Nachbarn und Freunde wahrgenommen und akzeptiert werden. Angesicht der demografischen Entwicklung ist es unumgänglich, die Gesellschaft auf ein Leben mit Demenz vorzubereiten. Dazu brauchen die Menschen, die sich um Demenzerkrankte kümmern und natürlich die Betroffenen selbst unsere Zuwendung und unsere Unterstützung. Die Familienpflegezeit eröffnet den Familien neue Chancen, Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige zu übernehmen.“

Das Forschungsprojekt H.I.L.DE sollte dazu beitragen, Pflegenden zu helfen, die Bedürfnisse auch schwerst Demenzkranker zu erkennen und Reaktionen richtig zu verstehen. Das verbessert die Lebensqualität von Angehörigen ebenso die der Erkrankten. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sind in einem praxisnahen Handbuch zusammengefasst, das im Verlag Hans Huber Bern erscheint und in Kürze im Buchhandel erhältlich sein wird.

Bereits heute gibt es rund 1,2 Millionen demenzkranke Menschen in der Bundesrepublik Deutschland. Trotz erfreulicher Fortschritte der Forschung ist die häufigste Form, die Alzheimer Demenz, nicht heilbar. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2050 auf mehr als zwei Millionen ansteigen könnte. Das Modell der Familienpflegezeit sieht vor, dass Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 50 Prozent reduzieren können, dabei dann aber 75 Prozent ihres Gehalts beziehen. Zum Ausgleich müssten sie später wieder voll arbeiten, bekämen aber in diesem Fall weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts – so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist.

Weitere Informationen zur Familienpflegezeit finden Sie unter www.bmfsfj.de.

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