Kopfschmerz-Forschung: Damit das Gewitter im Kopf nicht chronisch wird

Wer sehr viel Schmerzmittel nimmt, hat ein um das Achtfache erhöhtes Risiko, chronische Kopfschmerzen zu entwickeln.

Das ist eines der Ergebnisse des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums aus 14 Arbeitsgruppen von acht Universitäten, das seit 2002 insgesamt 18000 Personen untersucht hat. Überraschendes auch zum Schleudertrauma nach Autounfällen: Die Patienten berichten von umso mehr Kopfschmerztagen, je größer das Auto war, in dem sie bei dem Unfall saßen. Eindeutiger noch ist der Zusammenhang mit psychosozialen Merkmalen: Je gereizter die Patienten sind, je größer die Angst vor Erkrankung ist und je höher das Gesundheitsbewusstsein, desto länger dauern die Symptome an.

Rund eine Million Arbeitstage gehen jedes Jahr durch chronischen Kopfschmerz und Migräne verloren. Man geht bei beiden Krankheiten von etwa acht Millionen Betroffenen aus. Chronische Kopfschmerzen bleiben aufgrund ihrer weiten Verbreitung eines der wichtigsten Gesundheitsprobleme. Daran erinnert Prof. Hans Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, anlässlich des Deutschen Kopfschmerztages am 5. September 2008. Gleichzeitig hat Diener aber auch eine gute Nachricht: Das vom Forschungsministerium seit 2002 mit 6,5 Millionen Euro finanzierte Deutsche Kopfschmerzkonsortium hat in mehreren Studien grundlegende Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung chronischer Kopfschmerzen aufgedeckt, die nun zu einer besseren Vorbeugung beitragen. Einzelheiten zu den erzielten Fortschritten werden Diener und weitere führende Mitglieder des Konsortiums auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) berichten, die vom 10. bis 13. September in Hamburg stattfindet.

Schmerzmittel können Kopfschmerzen erzeugen

Der Übergebrauch von Schmerzmitteln ist ein wesentlicher Faktor, der mit der Chronifizierung von Kopfschmerz einher geht. Während im Durchschnitt fünf Prozent aller Studienteilnehmer chronische Kopfschmerzen aufwiesen, waren es bei denjenigen mit einem Übergebrauch von Schmerzmedikamenten 40 Prozent – also acht Mal so viele. In der Praxis lässt sich diese Erkenntnis dazu nutzen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und sie rechtzeitig an eines der spezialisierten Zentren zu überweisen, wo sie adäquat behandelt werden können, bevor sie zu Dauerpatienten werden.

„Auch die Krankenkassen haben den Wert unserer Daten erkannt“, so Diener. Aus den Verschreibungsdaten ihrer Mitglieder können so auch die dortigen Sachbearbeiter erkennen, wer besonders gefährdet ist und diese Risikopatienten mit einem Anruf auf die drohende Gefahr hinweisen.

Überraschendes zum Schleudertrauma

Auch Auffahrunfälle, bei denen es zu einer Verletzung der Halswirbelsäule (Schleudertrauma) kommt, stehen im Visier des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums. Immerhin erleiden etwa 80 Prozent aller Verkehrsunfallopfer ein mehr oder weniger schweres Halswirbelsäulen-Trauma und etwa 90 Prozent der Betroffenen klagen danach über Kopf- und/oder Nackenschmerzen. Laut Statistik bleiben die Kopfschmerzen in 10 bis 20 Prozent aller Fälle auf Dauer. Ein Team von Neurologen um Dr. Mark Obermann von der Universitätsklinik Essen hat deshalb über 200 Patienten aus 21 kooperierenden Kliniken erfasst und mehr als die Hälfte zur Teilnahme an einer Studie gewinnen können. Dabei fand Obermann gleich mehrere Faktoren, die zur Chronifizierung der Kopfschmerzen beitragen: Überraschenderweise berichteten die Patienten in ihren Tagebüchern von umso mehr Kopfschmerztagen, je größer das Auto war, in dem sie bei dem Unfall saßen. Eindeutiger noch war der Zusammenhang mit psychosozialen Merkmalen der Patienten: „Je gereizter die Patienten waren, je größer die Angst vor Erkrankung ist und je höher das Gesundheitsbewusstsein, desto länger dauerten die Symptome an“, berichtet Obermann.

Hinweis für die Presse
Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener wird die Ergebnisse des Kopfschmerzkonsortiums auf der Themenpressekonferenz zum 81. Jahreskongress der DGN am Mittwoch, 10. September 2008 ab 10.30 Uhr erläutern und steht für Fragen und Interviews zur Verfügung.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren fast 6000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

Pressezentrum und Pressekonferenzen
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Ansprechpartner für die Medien/Akkreditierung: Frank A. Miltner, Tel: 089 46148622, E-Mail: presse@dgn.org, Internet: http://www.dgn.org/presse.html

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