Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 droht schlechtere Behandlung

Das heutige breite Therapieangebot hat messbare gesundheitliche Vorteile. Trotzdem könnte eines der Medikamente – die kurz wirksamen Insulinanaloga – schon bald nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, warnen diabetesDE und die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetelogie (AGPD) der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG).

Grund dafür ist ein kürzlich veröffentlichter Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), in dem es den Zusatznutzen dieser Insulinart für Kinder und Jugendliche verneint. Die Diabetes-Experten fordern, dass das Institut in seinem Abschlussbericht den tatsächlichen Bedarf chronisch kranker junger Patienten berücksichtigt und das Therapieangebot erhalten bleibt.

Viele Kinder und Jugendliche nutzen zurzeit unterschiedlich schnell und unterschiedlich lang wirkende Insuline. Diese ermöglichen eine Anpassung der Diabetes-Therapie an den Tagesablauf und damit ein altersgerechtes Heranwachsen. Die Therapievielfalt zahlt sich aus: In den letzten 15 Jahren habe sich der Stoffwechsel bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 messbar verbessert, betonen die Diabetes-Experten in einer Stellungnahme. So sei der Anteil der Patienten, deren Blutzuckerwerte im angestrebten Normalbereich liegen, in diesem Zeitraum von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen.

Der aktuelle Vorbericht des IQWiG zum Thema „Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1“ berücksichtige dies nicht: Der Nutzen kurzwirksamer Analoga sei nicht ausreichend belegt, um eine Erstattungsfähigkeit durch die Gesetzlichen Krankenkassen zu sichern, so das IQWiG. Nach Meinung der AGPD ist die Schlussfolgerung jedoch fehlerhaft: Aufgrund ethischer Bedenken bezüglich langfristiger pharmakologischer Studien mit Kindern und Jugendlichen liegt wenig Datenmaterial vor. Das IQWiG orientiert sich in seinem Bericht deshalb an Zielgrößen und Untersuchungen erwachsener Menschen. Er erfülle damit zwar formale Kriterien, so die AGPD, bilde jedoch nicht die Realität der pädiatrischen Diabetologie und den Bedarf chronisch kranker junger Menschen ab. Andere nationale Organisationen – wie beispielsweise das National Institute for Health an Clinical Excellence in Großbritannien (NICE) – bewertet das vorliegende Datenmaterial anders und empfiehlt kurz wirksame Insulinanaloga als Standard.

Die Experten der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetologen haben in einer ausführlichen Stellungnahme ihre Begründungen zum Vorbericht dem IQWiG zukommen lassen. Das Institut würdigt zurzeit die schriftlichen Stellungnahmen und erarbeitet einen Abschlussbericht für den Gemeinsamen Ausschuss (G-BA). Sollte das IQWiG bei seinem Ergebnis bleiben und der G-BA sich dieser Meinung anschließen, werden kurz wirksame Insulinanaloga zukünftig nicht mehr von den Gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Die Diabetes-Experten von diabetesDE, AGPD und DDG fordern, das bisherige Therapie-Angebot zu erhalten, da es nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Angehörigen spürbar verbessert. Es spart dem Gesundheitswesen auch viel Geld: Die Folgen von konstant normalen Blutzuckerwerten im Kindesalter sind deutlich weniger Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes mellitus. Insbesondere Fußamputationen, Nierenversagen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Blindheit lassen sich damit bei den erwachsenen Diabetes-Patienten vermeiden. Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Rund 25 000 Kinder und Jugendliche leben in Deutschland mit der bisher unheilbaren Erkrankung.

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