Innovatives Forschungsprojekt testet Schwerionen-Bestrahlung kombiniert mit Chemotherapie

Sehr bösartige Hirntumore, so genannte Glioblastome, haben nach wie vor eine sehr schlechte Prognose, da sie gegenüber Bestrahlung und Chemotherapie nicht sensibel sind.

Einen innovativen Therapieansatz – die Kombination von Chemotherapie mit einer Schwerionenbestrahlung – erforschen jetzt Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Das Forschungsprojekt wird von der Dietmar Hopp Stiftung mit 255.000 Euro unterstützt.

Lebenserwartung von eins bis zwei Jahren

Glioblastome sind die häufigsten und bösartigsten Hirntumore von Erwachsenen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten beträgt nur ein bis zwei Jahre. Standardtherapie ist derzeit die möglichst vollständige Entfernung des Tumors durch einen Neurochirurgen gefolgt von einer herkömmlichen Strahlentherapie mit Photonen, meist in Kombination mit Chemotherapie. Für die Chemotherapie wird seit wenigen Jahren das Medikament Temozolomid verwendet, mit dessen Hilfe die Behandlungsergebnisse verbessert werden konnten.

Dennoch sind die Therapieresultate noch unbefriedigend. Ein frühzeitiges erneutes Wachsen des Tumors schränkt weiterhin die Prognose der Patienten erheblich ein. Hauptursache für das rasche erneute Wachstum ist die hohe Widerstandskraft der Tumorzellen gegen herkömmliche Therapien. Neue Behandlungsansätze werden daher dringend gesucht.

Gemeinschaftsprojekt von Strahlentherapeuten und Tumorpathologen

„Durch die Kombination von Chemotherapie mit einer Schwerionenbestrahlung erhoffen wir uns, dass wir in der Behandlung von Glioblastomen einen großen Schritt weiter kommen“, erklärt Dr. Stephanie Combs, Wissenschaftlerin in der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie, die gemeinsam mit Privatdozent Dr. Wilfried Roth, der am Pathologischen Institut des Universitätsklinikums Heidelberg und am DKFZ tätig ist, das neue Forschungsprojekt leitet.

Schwerionen sind hochgeladene Ionen, die eine sehr effektive und präzise Abtötung des Tumorgewebes ermöglichen, bei gleichzeitiger Schonung des umgebenden Gewebes. Die Anwendung dieser innovativen Strahlentherapie wird derzeit am Universitätsklinikum Heidelberg in einer weltweit einzigartigen Anlage, dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT, vorbereitet.

Die Wissenschaftler wollen zunächst in Laborversuchen – die zum Teil in der Beschleunigeranlage der Gesellschaft für Schwerionenforschung GSI in Darmstadt durchgeführt werden – testen, ob die kombinierte Behandlung Vorteile hat.

Ansprechpartner:
Dr. med. Stephanie E. Combs
Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie
Universitätsklinikum HeidelbergIm Neuenheimer Feld 40069120 HeidelbergTel: 06221 / 56-82 01Fax: 06221 / 56-53 53

E-Mail: Stephanie.Combs@med.uni-heidelberg.de

PD Dr. med. Wilfried Roth
Molekulare Neuro-Onkologie
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)Im Neuenheimer Feld 28069120 HeidelbergTel: 06221 / 56-26 47Fax: 06221 / 42 36 30

E-Mail: W.Roth@dkfz.de

Katrin Tönshoff
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