Herzinfarkt bei Frauen: Wie erhöhen Frauen ihren Schutz vor dem Infarkt?

Wie erkenne ich den Herzinfarkt? Eine Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen. Deutsche Herzstiftung/Jan Neuffer

Immer noch sehen viele Menschen den Herzinfarkt als „Männerproblem“, so dass auch viele Frauen gesundheitliche Risiken eher dem Krebs zuschreiben und nicht glauben, dass auch sie herzkrank werden können. Nicht aber Krebs, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen in Deutschland die führende Todesursache. Bei Betrachtung der Herzkrankheiten in der Summe sterben daran mehr Frauen als Männer (2014: 110.915 Frauen gegenüber 97.061 Männern).

Allerdings erliegen mehr Männer dem Herzinfarkt (27.188 Männer/20.993 Frauen). „Aber der Herzinfarkt bei Frauen bringt besondere Probleme mit sich. Für Frauen gibt es bestimmte Faktoren, die sie und ihr Arzt besonders im Blick haben sollten, weil diese die koronare Herzkrankheit (KHK), die dem Herzinfarkt immer vorausgeht, begünstigen: Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes“, betont Prof. Dr. med. Christiane Tiefenbacher vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Kardiologin am Marien-Hospital Wesel.

Worauf Frauen für einen besseren Schutz vor Herzinfarkt (www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html) besonders achten sollten, erläutert der Herzstiftungs-Ratgeber „Herz in Gefahr“, der kostenfrei unter www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html oder per Tel. unter 069 955128400 angefordert werden kann.

Herzinfarkt: Untypische Beschwerden bei Frauen häufiger
Erleiden Frauen einen Herzinfarkt, ist die Verzögerungszeit bis zum Anruf bei der Rettungsstelle (112) mit durchschnittlich 108 Minuten (80 bei Männern) besonders lang. Grund für die Verzögerung, die beim Herzinfarkt lebensbedrohlich sein kann, sind untypische Beschwerden. Beim Herzinfarkt treten bei rund 80 % der Männer und Frauen Beschwerden im Brustkorb auf, die bei rund 50-60 % in den linken Arm ausstrahlen.

Frauen erleben weniger einen starken Schmerz im Brustkorb, sondern deutlich häufiger Druck oder ein Engegefühl in der Brust. Neben dem typischen Brustschmerz treten bei Frauen häufig untypische Symptome auf: Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch.

„Bei Frauen macht sich der typische Brustschmerz häufig weniger heftig bemerkbar. So schieben sich die untypischen Beschwerden in den Vordergrund: der Verdacht auf Herzinfarkt stellt sich nicht ein und die Dringlichkeit, die 112 anzurufen, entfällt“, erläutert Prof. Tiefenbacher. Frauen sollten bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Rettungswagen (112) rufen.

Auf welche Risikofaktoren sollten Frauen besonders achten?

Für Frauen gelten die gleichen Risikofaktoren wie für Männer, die konsequent zu behandeln sind: Rauchen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Psychosoziale Faktoren (z. B. Doppelbelastung durch Beruf und Familie). Bis zu den Wechseljahren sind Frauen allerdings wegen der Geschlechtshormone (Östrogene) relativ gut gegen eine Verengung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) und damit vor dem Herzinfarkt geschützt.

Ausnahme: Frauen, die rauchen und die Pille nehmen, haben ein hohes Herzinfarktrisiko. Rauchen allein erhöht ihr Herzinfarktrisiko um das Sechsfache. Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko stark zu. Sorgfältig ist auf den Blutdruck zu achten, weil dieser bei Frauen nach der Menopause sehr schnell ansteigt. „Dies ist auch ein Grund dafür, dass bei Frauen mehr Schlaganfälle auftreten. Sehr wichtig ist eine regelmäßige Blutdruckkontrolle beim Arzt oder zu Hause mit dem Messgerät.“ Nicht empfohlen wird eine östrogenhaltige Ersatztherapie für Frauen nach den Wechseljahren, weil eine Hormontherapie das Risiko für Herzkreislauf-Komplikationen eher erhöht.

Besondere Vorsicht auch bei Übergewicht und Diabetes

Wichtig zu wissen ist, dass Frauen ab einem Taillenumfang von 88 cm ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben, so dass zum Abnehmen geraten wird. Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes treten bei Frauen häufig in Kombination auf und steigern somit das Herzinfarktrisiko. Die Häufigkeit von Diabetes nimmt z. B. mit Übergewicht und Bewegungsmangel zu.

„Diabetikerinnen haben ein sechsfach erhöhtes Herzinfarktrisiko und sollten auf eine gute Blutzuckereinstellung achten“, rät Prof. Tiefenbacher. Grundsätzlich gilt, dass alle Risikofaktoren zunächst durch einen konsequent gesunden Lebensstil (regelmäßige Ausdaueraktivitäten von 30 Minuten 5-mal pro Woche, Rauchverzicht, gesunde Ernährung und Normalgewicht) optimiert werden sollten.

Reicht das nicht aus, wird eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Frauen wie Männer sollten ab dem 40. Lebensjahr Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig kontrollieren, ab dem 50. Lebensjahr halbjährlich. Bei genetischer Belastung kann die Kontrolle ab 40 zu spät sein, da Diabetes und Bluthochdruck sehr früh auftreten können.

Tipps und Infos zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen Herzinfarkt-Risiko-Selbsttest erhalten Betroffene bei der Deutschen Herzstiftung unter www.herzstiftung.de oder per Tel. unter 069 955128-400. Eine Darstellung der Herzinfarkt-Alarmzeichen ist erreichbar unter www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html

Druckfähiges Bildmaterial für Redaktionen

Herzinfarkt-Alarmzeichen
www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/herzinfarkt-alarmzeichen.jpg

Arteriosklerose (Illustration und Bildunterschrift)
www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/grafik-arteriosklerose-30-2016.jpg
www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/bildunterschrift-arteriosklerose-30-2016.pdf

Herzinfarkt
www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/grafik-herzinfarkt-2-2017.jpg

6/2017
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de/
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

http://www.herzstiftung.de/khk-sonderband.html
http://www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html
http://www.herzstiftung.de
http://www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/bildunterschrift-arteriosklerose-…

Ansprechpartner für Medien

Michael Wichert idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Screeningsystem für Lungengeräuschanalyse

Ein an der TU Graz entwickeltes Mehrkanal-Aufnahmegerät für krankhafte Lungengeräusche und die dazugehörige automatische Analyse der Geräusche könnten bestehende Screening-Methoden zur Früherkennung zum Beispiel von Covid-19-Infektionen unterstützen. Hierfür benötigt es…

Digitale Technologien für den Blick in den Boden

Weltbodentag Böden sind eine empfindliche und in Folge intensiver Landwirtschaft auch häufig strapazierte Ressource. Wissenschaftler*innen des ATB entwickeln daher digitale Lösungen für eine ressourcenschonende und umweltgerechte Bodenbewirtschaftung. Mit dem Weltbodentag…

Kartierung neuronaler Schaltkreise im sich entwickelnden Gehirn

Wie kann man neuronale Netze aufbauen, die komplexer sind als alles, was uns bis heute bekannt ist? Forscher am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main haben die Entwicklung von…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen