Frühwarn-Score für chronische Schmerzen nach einer OP

Ein holländisch-deutsches Forschungsteam untersuchte Warnhinweise für eine Chronifizierung von Schmerzen nach einer Operation.

Michael Szabó/UKJ
Universitätsklinikum Jena

Ein holländisch-deutsches Forschungsteam untersuchte Warnhinweise für eine Chronifizierung von Schmerzen nach einer Operation: Eingriffe am Skelettsystem, eine präoperative Opioideinnahme, zwei Wochen nach dem Eingriff anhaltende Schmerzen und schmerzhafte Kältereize erwiesen sich als wichtigste Risikofaktoren.

Operationsschmerzen verschwinden in den allermeisten Fällen nach wenigen Tagen – bei einigen Operierten können sich daraus jedoch chronische Schmerzen entwickeln, die die Betroffenen schwer beeinträchtigen. Ein bekanntes Beispiel sind Phantomschmerzen nach Amputationen, aber auch nach vielen anderen Operationen können sich chronische Schmerzen entwickeln. In einer jetzt im British Journal of Anaesthesia veröffentlichen Studie hat niederländisch-deutsche Forschungsgruppe untersucht, ob es Frühwarnzeichen für eine solche Chronifizierung gibt – dies würde eine rechtzeitige Identifikation der Betroffenen ermöglichen, so dass präventive Maßnahmen eingeleitet werden könnten.

Dazu hat die Gruppe an einem Kollektiv von 344 Patienten mit verschiedenen Operationen einen Frühwarn-Score entwickelt. Darüber hinaus jedoch wurde an einer zweiten Gruppe aus einer anderen Klinik die Validität des Scores überprüft – dieser Aufwand zeichnet die methodische Qualität der Studie aus.

Neben Risikofaktoren wie Operationen am Skelettsystem sowie einer präoperativen Opioideinnahme fielen vor allem zwei Faktoren auf: Wenn Patienten 14 Tage nach einer Operation immer noch über Schmerzen klagten, vor allem aber, wenn sie dabei berichteten, dass sich ein Kältereiz als schmerzhaft anfühlt, war das Risiko einer Chronifizierung drei Monate nach der Operation deutlich erhöht. „Eine veränderte Schmerzschwelle für Kälte ist ein Hinweis darauf, dass das schmerzverarbeitende System nicht mehr normal funktioniert“, berichtet Marjelle van Driel, Erstautorin der Studie, die die Arbeit zusammen mit Mienke Rijsdijk in den Universitätskliniken Utrecht und Rotterdam initiiert hat.

Die Studie wurde zusammen mit dem internationalen Schmerz-Forschungsnetzwerk PAIN OUT durchgeführt, das im Universitätsklinikum Jena in Deutschland koordiniert wird. „Die Arbeit verdeutlicht welches Potential eine einfache, aber zielgerichtete Nachbefragung von Patienten nach Operation und Narkose sein kann“, betont Winfried Meißner, Koordinator von PAIN OUT und Coautor der Studie. Im nächsten Schritt sollte nun untersucht werden, welche Verfahren bei den identifizierten Betroffenen mit erhöhtem Risiko eine Chronifizierung verhindern können.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

apl. Prof. Dr. Winfried Meißner
Sektion Schmerztherapie, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena
E-Mail: Winfried.Meissner@med.uni-jena.de

Originalpublikation:

van Driel et al: Development and validation of a multivariable prediction model forearly prediction of chronic postsurgical pain in adults: a prospective cohort study. British Journal of Anaesthesia 2022, doi: 10.1016/j.bja.2022.04.030

Weitere Informationen:

http://pain-out.med.uni-jena.de/contact PainOut-Projek

http://www.uniklinikum-jena.de

Media Contact

Dr. Uta von der Gönna Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Mit einem Klick erfahren, wo es im Wald brennt

Satellitengestützte Erkennung von Waldbränden im Waldmonitor Deutschland jetzt online. Seit heute kann jedeR BürgerInnen verfolgen, ob und wo es in Deutschlands Wäldern brennt. Der Waldmonitor Deutschland [http://Waldmonitor-deutschland.de] zeigt jetzt frei…

Komplexe Muster: Eine Brücke vom Großen ins Kleine schlagen

Ein neue Theorie ermöglicht die Simulation komplexer Musterbildung in biologischen Systemen über unterschiedliche räumliche und zeitliche Skalen. Für viele lebenswichtige Prozesse wie Zellteilung, Zellmigration oder die Entwicklung von Organen ist…

Neuartige Membran zeigt hohe Filterleistung

Partikel aus alltäglichen Wandfarben können lebende Organismen schädigen. Für Wand- und Deckenanstriche werden in Haushalten meistens Dispersionsfarben verwendet. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Bayreuth hat jetzt zwei typische Dispersionsfarben auf…

Partner & Förderer