Friseur als Gesundheitsberater der Zukunft

Friseure könnten wertvolle Dienste für das Gesundheitssystem leisten, wenn sie als Mittler zwischen Patienten und Ärzten eingesetzt werden. Mit diesem Vorschlag warten Wissenschaftler der Ohio State University im „Journal of Applied Gerontology“ auf.

In einer Befragung zeigte sich, dass die meisten Friseure sehr nahe und regelmäßige Kontakte zu ihrer Kundschaft pflegen, besonders wenn es sich um ältere Personen handelt. Grund dafür ist, dass alte Menschen beim Haareschneiden oft vom persönlichen Leben erzählen und dabei über Probleme rund um Gesundheit, Familie oder Finanzen berichten. Da die Friseure ihrerseits häufig mit Aufmunterung und Ratschlägen reagieren, schlagen die Forscher vor sie speziell zu schulen, um Anzeichen für Krankheiten wie etwa Demenz zu erkennen und an geeignete Spezialisten weiterzuvermitteln. „Die meisten befragten Friseure sorgten sich um die Kunden und würden ihnen gerne weiter helfen“, sagt Keith Anderson, Mitautor der Studie und Professor für Sozialarbeit.

Begeistert von der Idee ist Katharina Pils von der österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie http://www.geriatrie-online.at . „Die Gruppe der kranken Menschen, die sich nicht für Gesundheitsthemen interessieren, ist groß. Fast alle heutigen Programme zur Gesundheitsförderung bauen jedoch auf die Eigeninitiative der Zielpersonen, wodurch viele nicht erreicht werden. Solche Ideen zeigen daher neue Möglichkeiten des Anschlusses“, so die Altersmedizinerin im pressetext-Interview. Bekannt sei bisher ein ähnliches Projekt mit Milchmännern in London, die für die Führung einfacher Gespräche mit den Kunden geschult wurden und im Bedarfsfall an Sozial- oder Gesundheitsadressen weiterverwiesen. Wesentliches Kriterium sei dabei die Kontinuität einer Beziehung. „Während früher oft der Hausbesorgers der wichtigste Sozialarbeiter war, geschieht die Seelenbeichte heute im Friseur- oder Schönheitssalon oder bei der Massage“, erklärt Pils.

Potenzial gesteht Pils dieser Idee besonders bei der Früherkennung von Altersdemenz zu. „Es geht dabei um das Wahrnehmen von Veränderungen. Erste Zeichen sind etwa, wenn ein sonst stets pünktlicher Kunde vereinbarte Termine vergisst, wenn dieselbe Geschichte während einer Sitzung dreimal erzählt wird oder wenn das Bezahlen plötzlich Probleme bereitet.“ Für die Umsetzung dieser Maßnahme könne man in der Berufsausbildung Fähigkeiten wie Anteilnahme, Nachfragen oder Ratschläge geben trainieren. Dennoch müsse man auch Grenzen erkennen. „Die Information, die ein Kunde dem Friseur gibt, darf dieser nie weitergeben, da das ein Ende der Vertrauensbeziehung bedeuten würde. Selbstständige Aktivität des Friseurs, die über Vorschläge hinaus geht, würde somit nicht in Frage kommen. Zudem kann das Wissen und die Verantwortung auch belasten und bräuchte Supervision“, so die Wiener Medizinerin. Auch bliebe diese Maßnahme auf Personen beschränkt, die auf ihr Äußeres achten, da für sozial Benachteiligte oder Verwahrloste kaum der regelmäßige Besuch von Friseur oder Schönheitssalon in Frage kommt.

Von der frühen Wahrnehmung von Alterskrankheiten hängen Therapiechancen und die weitere Lebensqualität oft in hohem Ausmaß ab. Noch wichtiger als die angeführten Maßnahmen hält Pils jedoch die Förderung des allgemeinen Bewusstseins. „Es wäre sinnvoll, in den letzten Schuljahren Biologie und Ethikunterricht in manchen Themen zu vernetzen. Jeder sollte wissen, welche körperlichen und geistigen Veränderungen das Alter mit sich bringt oder welche Gefahren auftauchen, wozu etwa Sturzrisiko und Mangel- oder Fehlernährung zählen.“ Die wichtigste Fähigkeit für Angehörige einer alten Person sei das Zuhören. „Hier haben junge Menschen ein großes Potenzial, da sie gute Kommunikatoren sind“, so die Gerontologin.

Media Contact

Johannes Pernsteiner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://www.osu.edu

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