Dickdarmkrebs besser behandeln

Der 34-jährige Wissenschaftler ist Oberarzt der Inneren Klinik (Tumorforschung) am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) des Universitätsklinikums Essen und Mitglied der Gruppe von Prof. Dr. Martin Schuler.

Dickdramkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland mit etwa 70.000 Neuerkrankungen jährlich. Etwa die Hälfte der Patienten befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit. „Ein Hauptproblem bei der Behandlung ist die Resistenz gegenüber den eingesetzten Antikörpertherapien“, erläutert Prof. Dr. Martin Schuler. Dass sie auf Mutationen der RAS Onkogene zurückgeht, ist eins der bedeutendsten Ergebnisse translationaler Forschung der letzten Jahre. Die Arbeitsgruppe am Westdeutschen Tumorzentrum konnte nun zeigen, dass dabei die Hochregulation des Eiweißstoffes BCL-XL eine ganz entscheidende Rolle spielt: BCL-XL verhindert den durch Antikörper und Chemotherapien ausgelösten Zelltod.

Durch den gezielten Einsatz von BCL-XL-Inhibitoren gelang es Dr. Stefan Kasper und seinem Team, die durch RAS-Onkogene vermittelte Resistenz gegenüber Antikörpern in vorklinischen Untersuchungen zu überwinden.

Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Oncogene“ erstmals veröffentlicht*. „Wir werden die gewonnenen Erkenntnisse nun in wissenschaftlich kontrollierten klinischen Studien überprüfen und haben dabei vor allem auch die mögliche Anwendung bei der Behandlung unserer Patienten im Blick“, erklärt Dr. Stefan Kasper. Strategien zur Überwindung der Antikörperresistenz sind wichtig, weil mehr als 40 Prozent aller Patienten mit Dickdarmkrebs RAS-Mutationen im Tumor aufweisen.

Der mit 5.000 EUR dotierte DGHO Forschungs- und Innovationspreis zeichnet herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und angewandten Krebsforschung aus. Seit 2009 erhält ihn bereits zum zweiten Mal ein UDE-Wissenschaftler. Das bestätigt, dass wir mit unserem Forschungsansatz auf dem richtigen Weg sind“, freut sich Prof. Dr. Martin Schuler. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) wurde 1908 gegründet.

Sie vertritt die Anliegen der hämatologischen und onkologischen Kliniken und Praxen in Forschung und Lehre, Fort- und Weiterbildung und gehört mit seinen mehr als 2.700 Mitgliedern zu den größten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Das WTZ ist das einzige Onkologische Spitzenzentrum der Metropolregion Ruhr, das durch die Deutsche Krebshilfe in einem internationalen Begutachtungsverfahren ausgewählt wurde. Derzeit gibt es in Deutschland elf onkologische Spitzenzentren, davon zwei in Nordrhein-Westfalen.

* Kasper S, Breitenbuecher F, Reis H, Brandau S, Worm K, Köhler J, Paul A,
Trarbach T, Schmid KW, Schuler M. Oncogenic RAS simultaneously protects against anti-EGFR antibody-dependent cellular cytotoxicity and EGFR signaling blockade. Oncogene. 2012 Jul 16. doi: 10.1038/onc.2012.302. [Epub ahead of print]
Weitere Informationen: Dr. med. Stefan Kasper, Tel. 0201/723-3449, stefan.kasper@uk-essen.de

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430
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