Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel u. Gaststätten und Uni Jena gründen Präventions-Kompetenzzentrum


Ein Kompetenzzentrum für interdisziplinäre Prävention richtet die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein. Der Kooperationsvertrag zwischen beiden Einrichtungen wurde heute (7.12.) durch BGN-Hauptgeschäftsführer Norbert Weis und Rektor Prof. Dr. Karl-Ulrich Meyn im Steigenberger Hotel Esplanade unterzeichnet.

Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die Entstehung berufsbedingter Erkrankungen auf breiter Basis zu erforschen und moderne Vorbeugungskonzepte zu entwickeln und wissenschaftlich zu begleiten. Das Hauptaugenmerk gilt dabei zunächst Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, der Haut und des Wirbelsäulen- und Stützapparats sowie der Lärmschwerhörigkeit und psychomentalen Problemen.

Die Berufsgenossenschaft richtet derzeit rund 20 Kompetenzzentren bundesweit ein, die Forschungsaktivitäten werden jedoch in Jena konzentriert. „Die Krankheitsvorbeugung liegt uns sehr am Herzen, so Dr. Wolfgang Schneider, Erfurter BGN-Abteilungsleiter Gesundheitsschutz, „weil die Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter in unseren bundesweit 350.000 Mitgliedsbetrieben der entscheidende Faktor in einer sich rasch verändernden Arbeitswelt ist.“ Für wirkungsvolle Präventionsstrategien sei eine wissenschaftliche Vorarbeit und Begleitung unverzichtbar.

Mit dem Institut für Pathophysiologie des Jenaer Uni-Klinikums arbeitet man bereits seit sieben Jahren zusammen. „Wir haben uns bisher vor allem auf den Themenkomplex Rückenschmerz konzentriert“, berichtet Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle. Dabei untersuchen die Jenaer Wissenschaftler u. a. mit Hilfe elektrophysiologischer Messungen die Muskelaktivitäten, die bei Bewegungsabläufen wie Heben und Tragen eine Rolle spielen. „Wer, etwa in der Gastronomie, häufig schwere Lasten befördern muss, leidet oft unter chronischen Rückenschmerzen“, weiß Scholle. „Für diese Patienten entwickeln wir Therapiekonzepte, versuchen aber auch, durch gezielte Trainingsmaßnahmen solchen Beschwerdebildern bereits vorzubeugen.“

Ergänzt wird das gemeinsame Präventionsprogramm um zwei weitere Arbeitsgebiete: Hautallergien, unter denen z. B. Bäcker und Fleischer aufgrund des Kontakts mit Lebensmittelzusatzstoffen häufig leiden, und Lärmschwerhörigkeit, die insbesondere Arbeitnehmer im Gaststätten- und diskothekenbereich bedroht. Darum werden sich die Universitätshautklinik sowie die Neurophysiologie und HNO-Klinik bemühen.

„Perspektivisch wollen wir aber auch andere Institute der Uni Jena, etwa die Sportwissenschaft, die Evolutionsbiologie und die Psychologie mit in unser Kompetenzzentrum einbinden“, erklärt Prof. Scholle. Damit werde es ermöglicht, den Menschen in seinem Arbeitsumfeld insgesamt zu betrachten und ihn nicht auf einzelne Krankheitsbilder zu reduzieren.


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