200 minimal invasive Operationen bei Kindern in der MHH

30 Prozent aller Eingriffe im Bauch- und Brustraum erfolgen mit schonender Technik

In der Abteilung Kinderchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde jetzt das 200ste Kind mit minimal invasiver Technik erfolgreich operiert. Bei den kleinen Patienten handelt es sich um Kinder aller Altersgruppen, darunter auch Frühgeborene. Das Krankheitsspektrum reicht von seltenen Fehlbildungen und Tumoren bei Neugeborenen bis hin zu vergleichsweise häufigen Erkrankungen wie der Blinddarm-Entzündung.

Einige Operationsverfahren sind weltweit erstmals bei Säuglingen in der MHH angewandt worden:

  • Entfernen eines missgebildeten Lungenteils über einen fünf Millimeter langen Brustwandschnitt
  • Herstellen einer Zwölffingerdarm-Verbindung und Korrektur einer Darmfehllage nach einem Darmverschluss. Dabei wurden Instrumente mit einem Durchmesser von lediglich drei Millimetern verwendet
  • Rekonstruktion des Zwerchfells nach einer Verletzung

Die minimal invasive Technik, auch Schlüsselloch-Chirurgie genannt, bietet große Vorteile: Es bleiben kaum sichtbare Narben zurück, die Operationen führen nur zu geringen Schmerzen. Oft können die Kinder bereits nach wenigen Stunden wieder Nahrung zu sich nehmen, so dass das Trauma durch den Eingriff und den Krankenhausaufenthalt für Kinder und Eltern sehr gering ist. Meist ist es möglich, die kleinen Patienten innerhalb von 24 Stunden nach der Operation zu entlassen – ein Beispiel dafür ist ein zweijähriger Junge, dem eine mehr als einen Liter fassende Zyste im Bauch entfernt wurde. Verwachsungen kommen nach minimal invasiven Eingriffen sehr selten vor und wenn doch, stellen sie kein Problem dar.

Die modernen Verfahren haben die Kinderchirurgie revolutioniert. Operationen werden ohne große Schnitte über Fernsehmonitore gesteuert und mit Instrumenten ausgeführt, die nicht größer sind als eine Kugelschreibermine. Dabei helfen rund zehn computervernetzte Geräte.

Derzeit erfolgen in der MHH-Kinderchirurgie etwa 30 Prozent der Eingriffe in Bauch und Brustkorb mit der Technik, die Tendenz ist steigend: Professor Ure rechnet damit, dass in den kommenden Jahren die Schlüsselloch-Chirurgie bei mehr als der Hälfte der Operationen eingesetzt wird. Gleichzeitig analysieren Ärztinnen und Ärzte die Methode wissenschaftlich: Sie prüfen die Techniken an Modellen und verfeinern sie, sie untersuchen die Reaktionen des Körpers. Von besonderem Interesse ist die Reaktion des Immunsystems. Sie scheint im Vergleich zur herkömmlichen Operation deutlich günstiger, sorgt für die raschere Erholung der Kinder und möglicherweise für die geringere Komplikationsrate.

Die minimal invasive Kinderchirurgie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. „Der Kinderchirurg im 21. Jahrhundert wird immer weniger direkt mit eigenen Händen operieren. Er wird auf spezielle Instrumente, zwischengeschaltete Geräte, die Hilfe von Computern und Robotern angewiesen sein, um exakt und schonend zu arbeiten“, sagt Professor Ure. Das große Ziel: Die Kinderchirurgie der Zukunft wird weitestgehend schmerzfrei sein mit einem sehr kurzen Krankenhaus-Aufenthalt und wird keine Narben hinterlassen.

Weitere Informationen gibt gern Professor Dr. Benno M. Ure, Direktor der Abteilung Kinderchirurgie, Telefon: (0511) 532-9260, Fax: (0511) 532-9059, E-Mail: Ure.Benno@mh-hannover.de

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Christa Möller idw

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