Einheitliche Standards für Vorhofflimmer-Studien gefordert

Vorhofflimmern ist eine komplexe Krankheit, an der mehrere Millionen Menschen in Europa leiden. Die Ursachen dieser Herzrhythmusstörung sind zum Teil noch unverstanden, die klinischen Folgen vielfältig und oft schwer vorhersehbar. So stellt das Vorhofflimmern eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle dar. Ebenso verschieden sind die Behandlungsmöglichkeiten, die weltweit in klinischen Studien ständig weiter optimiert werden. Doch die Erfolge der unterschiedlichen therapeutischen Ansätze lassen sich nur schwer vergleichen, solange es keine einheitlichen Standards für Vorhofflimmer-Studien gibt.

Verbindliche Ergebnisparameter für kontrollierte klinische Vorhofflimmerstudien zu definieren, war deshalb das erklärte Ziel einer Ende Januar 2007 gemeinsam vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) veranstalteten Konferenz, an der rund 60 namhafte europäische Vorhofflimmer-Spezialisten aus Wissenschaft und Industrie teilnahmen. Als Ergebnis dieser Konsensuskonferenz veröffentlichten die beteiligten Wissenschaftler unter Federführung des AFNET nun eine Reihe von Empfehlungen für Vorhofflimmer-Studien („Outcome Parameters for Trials in Atrial Fibrillation“ Kirchhof et al., Europace 25.09.2007, und „Outcome Parameters for Trials in Atrial Fibrillation – Executive Summary“ Kirchhof et al., European Heart Journal 25.09.2007).

Die Teilnehmer der Konferenz empfehlen in den Publikationen, dass in allen Studien neben Toden, Schlaganfällen, schweren Blutungen, EKG-Aufzeichnungen von Vorhofflimmern auch die Pumpkraft des Herzens und die Lebensqualität erfasst und berichtet werden. Einige der Empfehlungen beruhen auf Einteilungen, die seit über 50 Jahren in Gebrauch sind, andere beruhen auf Daten der letzten wenigen Jahre. Für die verschiedenen Bereiche geben die Autoren jeweils eine Liste von erforderlichen Parametern an, die in einer kontrollierten klinischen Studie nicht fehlen dürfen. Eine wichtige Beobachtung ist das häufige asymptomatische Auftreten von Vorhofflimmern. Daher wird gefordert, dass häufige EKG-Aufzeichnungen in allen Vorhofflimmer-Studien Standard werden sollen, wie sie in zum Beispiel in den Studien des Kompetenznetzes Vorhofflimmern schon üblich sind. Zur besseren Beurteilung der Lebensqualität der Patienten schlagen die Autoren vor, die häufig mit Vorhofflimmern verbundenen Symptome wie Herzklopfen, Schwindel, Atemnot und Angst, die von Patient zu Patient sehr unterschiedlich stark auftreten, nach Schweregrad zu klassifizieren. Hierfür wird eine einfache Klassifizierung beschrieben.

Ziel der neuen Empfehlungen ist es, zukünftige Studien durch einheitliche Vorgaben besser vergleichbar und dadurch die Therapieverfahren besser bewertbar zu machen. „Damit wird der behandelnde Arzt es in Zukunft leichter haben, für jeden einzelnen Patienten aus der Vielzahl der Behandlungsmöglichkeiten die am besten geeignete Therapie auszuwählen“ so Professor Günter Breithardt, der gemeinsam mit Professor Paulus Kirchhof die Konsensuskonferenz ins Leben gerufen hatte.

Professor Breithardt, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C, Kardiologie und Angiologie, am Universitätsklinikum Münster, ist Sprecher des Kompetenznetzes Vorhofflimmern, Professor Kirchhof, Oberarzt dieser Klinik, ist Leiter zweier Forschungsprojekte und Koordinator im Kompetenznetz Vorhofflimmern. Beide haben gemeinsam mit den Professoren Thomas Meinertz (Hamburg), Ursula Ravens (Dresden) und Gerhard Steinbeck (München) und europäischen Experten auf dem Gebiet des Vorhofflimmerns dieses interdisziplinäre Projekt umgesetzt.

Im Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) arbeiten deutschlandweit Wissenschaftler und Ärzte zusammen mit dem Ziel, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das AFNET führt rund 20 wissenschaftliche Projekte durch, die sowohl Grundlagenforschung als auch klinische und epidemiologische Studien beinhalten. Das im Jahr 2003 gegründete interdisziplinäre Netzwerk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Die Zentrale befindet sich am Universitätsklinikum Münster.

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Günter Breithardt
Prof. Dr. Paulus Kirchhof
Medizinische Klinik und Poliklinik C, Kardiologie und Angiologie
Universitäts¬klinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33, 48149 Münster
Tel: 0251 / 83-47617
E-Mail: g.breithardt@uni-muenster.de; kirchhp@uni-muenster.de

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