Brustkrebs-Patientinnen fehlt seelische Begleitung

Depressionen sind die häufigste psychische Begleiterkrankung bei Krebs-Patienten. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität und auch den Krankheitsverlauf der Betroffenen oft enorm. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt eine Studie, welche die Wirksamkeit einer „Kurzzeit-Psychotherapie“ bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen untersucht. Die gemeinnützige Organisation unterstützt dieses Kooperationsprojekt an den Universitäten Mainz und Leipzig im Rahmen ihres Förderschwerpunktprogramms „Psychosoziale Onkologie“ mit 543.000 Euro.

„Wie wird es weiter gehen? Wie soll ich mit der Krankheit umgehen? Wird mein Mann mich noch lieben?“ – Nach der Diagnose 'Brustkrebs' geht es vielen Frauen ähnlich: Die Krankheit trifft fast alle Betroffenen plötzlich und völlig unerwartet. Alle Lebensziele, Inhalte und Werte werden in Frage gestellt. Die Sorge um das weitere Leben ist ein ständiger Begleiter der Therapie. Hinzu kommt, dass viele Frauen die Erkrankung als Angriff auf ihre Weiblichkeit sehen.

„Die Patientinnen leiden häufig unter starken seelischen Belastungen und Depressionen“, sagt Professor Dr. Manfred Beutel, Studienleiter am Universitätsklinikum Mainz, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. „Unbehandelt beeinträchtigen die depressiven Leiden die Betroffenen und ihre Lebensqualität oft erheblich und verschlechtern sogar den Krankheitsverlauf.“ Dies zeigt: Krebs-Patienten benötigen nicht nur die bestmögliche medizinische Therapie, sondern auch seelische Begleitung. „Viele Frauen wünschen sich kompetente Gesprächspartner, mit denen sie über ihre Erkrankung und die damit einhergehenden Ängste und Belastungen sprechen können“, so der Studienleiter. „Doch nur ein Drittel aller Krebs-Patienten werden entsprechend ihrer Bedürfnisse psychologisch begleitet.“

Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie wird jetzt die Wirksamkeit einer Kurzzeit-Psychotherapie bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen erforscht. „Wir wollen prüfen, inwieweit wir auch mit einem begrenzten Zeitrahmen von maximal 25 Behandlungsstunden in sechs Monaten den Patientinnen helfen können“, erklärt Prof. Dr. Reinhold Schwarz, Studienleiter in der Abteilung Sozialmedizin der Universität Leipzig. Die Wissenschaftler untersuchen, wie sich die Psychotherapie auf die depressiven Symptome der Patientinnen und deren Lebensqualität auswirkt. Besonders beachten sie bei dieser „psychodynamischen“ Therapie, wie die Betroffenen ihre Erkrankung vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Entwicklung erleben und dadurch bedingte Einbußen sowie innere oder zwischenmenschliche Konflikten verkraften. „Depressive Erkrankungen können vor allem mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Angst vor dem Verlassenwerden und Alleinsein einhergehen“, erklärt Beutel. „In anderen Fällen stehen Gefühle des verletzten Selbstwertgefühls oder des Versagens im Vordergrund, verbunden mit perfektionistischen und selbstkritischen Zügen.“ Die Studie soll klären, ob die Kurzzeit-Therapie bei beiden Formen depressiver Erkrankungen die Psyche gleich gut stabilisiert und die Lebensqualität erhöht.

Der Nutzen der Kurzzeit-Psychotherapie wird hinsichtlich erfolgreicher Konfliktverarbeitung und verbesserter Lebensqualität jeweils zu Behandlungsbeginn, -ende und nach weiteren sechs Monaten beurteilt. Die Studie läuft über drei Jahre. 180 Brustkrebs-Patientinnen nehmen daran teil. Die Ergebnisse werden verglichen mit Brustkrebs-Patientinnen, die keine spezielle Psychotherapie erhalten.

Das Forschungsprojekt ist Teil des Förderungsschwerpunktprogramms „Psychosoziale Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe. Die gemeinnützige Organisation hat dieses Schwerpunktprogramm initiiert, um die psychosoziale Versorgung krebskranker Menschen und die psychosozialen Versorgungsstrukturen in der Krebsmedizin zu verbessern und die psychoonkologische Forschung voranzubringen. Mit vier Millionen Euro fördert die Deutsche Krebshilfe bundesweit insgesamt 14 Projekte rund um die Themen Arzt-Patient-Kommunikation, Behandlung psychischer Symptome von Krebs-Patienten und Begleitung der Angehörigen.

Infokasten: Psychosoziale Onkologie
Psychosoziale Onkologie erfordert ein ganzes Team von Fachleuten: Ärzte, Psychologen, Pfleger, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen. Psychotherapie und andere therapeutische Möglichkeiten wie Entspannungsmethoden, künstlerische Therapien oder Sportprogramme, die ergänzend zu Gesprächen eingesetzt werden können, senken die Belastungen durch die Krankheit. Aber auch Selbsthilfegruppen sind hilfreiche Angebote in der psychosozialen Unterstützung: Hier finden Gespräche mit Menschen statt, die Ähnliches erleben oder erlebt haben. Im stationären Bereich leisten psychoonkologische Dienste in Kliniken und Krankenhäusern Unterstützung. Im ambulanten Bereich finden Betroffene professionelle Ansprache etwa in Krebsberatungsstellen.

Projektnummer: 107457

Media Contact

Dr. med. Eva M. Kalbheim idw

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

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