Akute Hepatitis C: Warum der schmale Grat zwischen Resistenz und chronischer Erkrankung?

Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) stellt trotz bedeutender Fortschritte bei der antiviralen Therapie eine medizinische Herausforderung dar, die mit hohen sozioökonomischen Belastungen für das Gesundheitssystem verbunden ist. Allein in Deutschland wird von mindestens 500.000 HCV-infizierten Individuen ausgegangen. Bei 50 bis 90 Prozent der Betroffenen kommt es zu einem chronischen Verlauf der HCV-Infektion, der mit dem Risiko der Entwicklung einer Leberzirrhose und eines Leberzellkarzinoms assoziiert ist. Durch die derzeitig verfügbare antivirale Therapie mit pegyliertem Interferon-alfa in Kombination mit Ribavirin kann bei lediglich der Hälfte der chronisch infizierten Patienten das HCV dauerhaft eliminiert werden.

Warum es bei einigen Patienten nach akuter HCV-Infektion zu einer kompletten Ausheilung, in den meisten Fällen aber zu einer anhaltenden Infektion kommt, ist weitestgehend unbekannt. Zur Erforschung eben dieser Resistenz, beziehungsweise Empfänglichkeit des Menschen gegenüber der HCV-Infektion hat sich nun ein neuer nationaler Forschungsverbund aus führenden, in Deutschland tätigen Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. S. Zeuzem zusammengeschlossen. Die Spezialisten sind auf dem Gebiet der HCV-Immunologie und Molekularbiologie ausgewiesen. Dem Verbund, dem auch weitere Hepatologen der Medizinischen Klinik I der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt angehören, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Förderung von 2,7 Mio. Euro für eine dreijährige Förderperiode zugesagt.

„Eine detaillierte Kenntnis der Determinanten, die eine Veranlagung zu einer ,natürlichen Resistenz' gegenüber einer anhaltenden HCV-Infektion bedingen, ist für die Entwicklung eines prophylaktischen Impfstoffes, beziehungsweise Verbesserung der derzeitigen antiviralen Therapie von größter Bedeutung“, erklärt der Sprecher der zentralen Koordinationsstelle des Verbunds in Frankfurt, Prof. Dr. Stefan Zeuzem, zugleich Direktor der Medizinischen Klinik I am Frankfurter Universitätsklinikum.

Zwei Arbeitsgruppen in Frankfurt, die Gruppe der Medizinischen Klinik I am Frankfurter Universitätsklinikum unter der Leitung von Prof. Dr. C. Sarrazin und die zentrale Koordinationsstelle unter der Leitung von Prof. Zeuzem und Dr. Wolf Peter Hofmann, beteiligen sich neben sieben weiteren Arbeitsgruppen an dem Forschungsverbund. Der Zusammenschluss erfolgte im Rahmen einer Ausschreibung des Gesundheitsforschungsprogramms „Forschung für den Menschen“ der Bundesregierung mit dem Titel „Forschungsnetze zu Empfänglichkeit und Resistenz gegenüber Infektionen“. Der unter dem Titel „Host and viral determinants for susceptibility and resistance to hepatitis C virus infection“ eingereichte Projektantrag wurde von externen Gutachtern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) positiv bewertet.

Neben den beiden Frankfurter Forschergruppen setzt sich der Forschungsverbund aus den folgenden sieben Arbeitsgruppen an sechs weiteren Hochschulkliniken zusammen: der Charité Universitätsmedizin Berlin (Prof. Dr. T. Berg), dem Universitätsklinikum Bonn (Prof. Dr. U. Spengler), dem Universitätsklinikum Essen (Prof. Dr. M. Roggendorf), dem Universitätsklinikum Freiburg (Prof. Dr. R. Timme), der Medizinischen Hochschule Hannover (PD Dr. H. Wedemeyer, Dr. M. Cornberg), dem Universitätsklinikum Heidelberg (Prof. Dr. R. Bartenschlager), und dem Klinikum der Ludwigs-Maximilans-Universität München (Prof. Dr. H. Diepolder).

Es besteht Konsens darüber, dass eine natürliche Resistenz gegenüber HCV sowohl von wirts- als auch viruseigenen Faktoren bestimmt wird. Im Hinblick auf Wirtsfaktoren konnte eine deutliche Assoziation der Stärke und Polyklonalität der zellulären und humoralen Immunantwort mit der erfolgreichen Viruselimination nachgewiesen werden. Im Gegenzug scheint HCV befähigt zu sein, frühe Mechanismen der nicht-adaptiven Immunantwort zu antagonisieren und somit eine chronische Infektion zu begünstigen.

Als Grundvoraussetzung sollen in dem Projekt prospektiv Patienten-Kohorten erweitert werden, die in bereits bestehenden nationalen Netzwerken, insbesondere dem Kompetenznetz für Hepatitis, zusammengeführt wurden. Patientendaten und Materialbanken werden anonymisiert und entsprechend den Vorgaben der entsprechenden Ethikkommissionen ergänzt. Durch einen multidisziplinären Ansatz mit der zentralen Koordinationsstelle für Patientenmaterial und translationale Aktivitäten in Frankfurt werden im Projekt wesentliche immunologische und molekularbiologische Faktoren beleuchtet, die nach heutigem Wissensstand im Zusammenhang mit der Resistenz und Empfänglichkeit gegenüber der HCV-Infektion stehen.

Für weitere Informationen:

Dr. med. Wolf Peter Hofmann / Prof. Dr. med. S. Zeuzem
Medizinische Klinik I
Klinikum der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (069) – 63 01 – 51 22
Fax (069) – 63 01 – 64 48
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Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
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