Kerckhoff-Klinik: Erste Herzklappen-OP ohne Öffnung des Brustkorbs

Bad Nauheimer Kardiologen implantieren Herzklappen-Ersatz über die Beinarterie – Verfahren eröffnet neue Chancen für bisher inoperable Patienten

Erstmals in Hessen haben Kardiologen der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim neuartige Herzklappen über die Beinarterie implantiert. Bei dem kathetergestützten Verfahren kann auf einen großen Eingriff, bei dem der Brustkorb geöffnet und der Patient während der Operation über eine Herz-Lungenmaschine versorgt wird, verzichtet werden.

„Diese Methode der perkutanen Klappenimplantation ist für Patienten geeignet, bei denen eine herzchirurgische Operation aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.“ erläutert Professor Dr. Albrecht Elsässer, Oberarzt in der Abteilung Kardiologie an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. „Mit dem neuen Verfahren können wir daher künftig auch Patienten eine Behandlungsmöglichkeit anbieten, die bisher als inoperabel galten.“ ergänzt Professor Dr. Christian Hamm, Ärztlicher Direktor der Kerckhoff-Klinik

Pro Jahr werden in Deutschland rund 20.000 Herzklappen-Operationen durchgeführt – mit steigender Tendenz. Rund 100.000 Menschen haben derzeit in Deutschland einen Herzklappenersatz. Notwendig wird ein solcher Ersatz, wenn die eigenen Herzklappen aufgrund angeborener oder erworbener Defekte ihren Dienst versagen. Erworbene Defekte können immunologische, ischämische, traumatische oder degenerative Ursachen haben. „Durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung spielen vor allem die degenerativen Klappendefekte eine immer größere Rolle.“ so Professor Hamm.

Eine der Hauptursachen für die Entstehung von Defekten der Herzklappen ist die Arteriosklerose. Bei Patienten mit arteriosklerotischen Veränderungen des Herz- und Gefäßsystems kann es zu schweren Verkalkungen der Herzklappen kommen. Die Folge ist, dass sich die Herzklappen nicht mehr richtig öffnen und schließen. Tritt eine solche Verkalkung an der Aortenklappe auf, kommt es zur so genannten Aortenklappenstenose, bei der durch eine Verengung am Übergang vom Herzen zur Hauptschlagader nicht genügend Blut in den Kreislauf gepumpt wird. Da sich eine solche Verkalkung der Aortenklappe schleichend über viele Jahre entwickelt, muss das Herz gegen einen immer höheren Widerstand arbeiten. Dies führt letztlich zum Herzversagen.

An der Kerckhoff-Klinik werden jährlich rund 980 Herzklappen-Operationen durchgeführt. Die Klinik zählt damit zu den führenden Zentren in Deutschland mit besten Resultaten. „Die Therapie der Wahl bei Patienten mit chronischen Herzklappendefekten ist der Austausch der eigenen Klappe mit biologischen oder mechanischen Ersatzklappen.“ erläutert Hamm. Bei einer solchen Operation wird der Brustkorb des Patienten geöffnet und das Herz für die Dauer der Operation stillgelegt. Um die Kreislauffunktion aufrecht zu erhalten, wird der Patient während dieser Zeit an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Nicht alle Patienten eignen sich für eine solche Herzklappen-Operation. „Insbesondere für Patienten, die neben einem Herzklappendefekt unter anderen schwerwiegenden Erkrankungen leiden, oder sehr betagte Patienten sind die Risiken eines solchen Eingriffs zu groß. Diese Patienten galten bisher aufgrund eines zu hohen Risikos für Komplikationen als inoperabel und konnten nicht mit Ersatzklappen versorgt werden.“ so Elsässer. „Mit dem neuen Operationsverfahren bieten wir auch für diese Patienten künftig an der Kerckhoff-Klinik eine Behandlungsmöglichkeit.“

Ähnlich wie bei einer Herzkatheter-Untersuchung wird bei diesem Verfahren (CoreValve) eine biologische Herzklappe, die in einem Nitinolring fixiert ist, mit einem Katheter über die Beinarterie in der Leiste zum Herzen gebracht. Die Klappe ist dazu an der Spitze des Katheters auf engstem Raum zusammengefaltet und wird nach richtiger Positionierung von dem Arzt entfaltet. Die defekte eigene Klappe des Patienten wird zuvor aufgesprengt und verbleibt an der Wand der Hauptschlagader. „Damit steht uns nun ein schonendes Verfahren zur Verfügung, mit dem wir auch diejenigen Patienten versorgen können, für die eine konventionelle Herzklappen-Operationen zu riskant wäre.“ kommentiert Elsässer.

Auch für die beiden Patienten im Alter von 63 und 65 Jahren, die jetzt in Bad Nauheim als erste Patienten in Hessen mit diesem neuen System versorgt wurden, wäre eine übliche Herzklappenoperation nicht in Frage gekommen. „In einem Fall lag eine Lungenfibrose vor, so dass der Patient nicht für eine lange und tiefe Narkose geeignet war. In zweiten Fall hat eine so genannte Porzellan-Aorta, d.h. sehr brüchige Hauptschlagader, den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ausgeschlossen.“ so Elsässer. „Diese Technik wird derzeit nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen, da man noch keine langfristige Erfahrung hat“ betont Hamm.

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Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
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