Leben mit chronischen Erkrankungen: BMBF fördert Projekt unter Federführung der RUB

Immer mehr Menschen in Deutschland werden älter, damit steigt auch die Zahl der Patienten, die an zwei oder mehr chronischen Erkrankungen leiden („Multimorbidität“). Bereits jetzt sind in Deutschland etwa 60 Prozent der über 55-jährigen und etwa 80 Prozent der über 80-jährigen betroffen.

Um Multimorbidität wirksam zu bekämpfen, entwickeln Mediziner in fachübergreifenden Projekten neue Therapieansätze und Versorgungsstrukturen. Mit 2,8 Millionen Euro für zunächst drei Jahre fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen interdisziplinären Forscherverbund unter Federführung der Ruhr-Universität Bochum: „Priscus“ (altehrwürdig) startet im Herbst; der Forscherverbund hat sich als eins von sechs Projekten unter 40 Mitbewerbern im BMBF-Programm „Gesundheit im Alter“ durchgesetzt.

Projekt von fünf Hochschulen

Sprecher von Priscus ist der Bochumer Biometriker Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch (Medizinische Fakultät der RUB). Als Partner kooperieren in diesem Verbund renommierte Wissenschaftler und Ärzte von sieben Instituten und Kliniken aus fünf Hochschulen in Bochum, Hannover, Witten/Herdecke, Münster und Bielefeld.

Gezielte Lösungen für Ältere

Ziel von Priscus ist, ein Modell zur gesundheitlichen Versorgung von älteren Menschen mit mehrfachen chronischen Erkrankungen zu entwickeln. Neue Versorgungsstrukturen und Therapiestandards müssen gezielt auf die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung abgestimmt sein und qualitativ hochwertige Behandlungen ermöglichen. Das klassische „Chronic Care Model“ der Medizin reicht dafür nicht aus, zielt es doch hauptsächlich auf Patienten mit einer einzigen chronischen Erkrankung ab. Gleichzeitig stehen die Kostenträger vor der Herausforderung, knappe Ressourcen in einer alternden Gesellschaft gerecht zu verteilen. Immer weniger junge Menschen finanzieren mit ihren Versicherungsbeiträgen die steigenden Behandlungskosten der Älteren.

Priscus deckt alle Themen ab

Im Projekt Priscus kooperieren Institute und Kliniken, die das gesamte Spektrum der relevanten Themen umfassen – von der Allgemein-, der Alters- und Sportmedizin über Pharmakologie und Sozialmedizin bis zur Gesundheitsökonomie. Fachübergreifend erforschen sie unter anderem die hausärztliche Versorgung und die „Lotsen-Funktion“ des Hausarztes, neue Behandlungsstandards für ältere Patienten sowie den Einfluss der körperlichen Aktivität auf die Gesundheit. Ergänzt wird das Projekt um Aspekte der Medikamentenversorgung und der – eingeschränkten – Lebensqualität durch Multimorbidität sowie um neue gesundheitsökonomische Modelle. Notwendige Daten kommen zum großen Teil aus der getABI-Studie mit 6.880 Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren, die seit 2001 von Sanofi-Aventis, Berlin („Unresticted Educational Grant“) unterstützt wird. Die Datenzentrale von getABI, einer der größten epidemiologischen Studien im hausärztlichen Bereich in Deutschland, befindet sich in Bochum.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch, Sprecher des Verbundprojekts Priscus, Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät der RUB, Tel. 0234/32-27790, E-Mail: hans.j.trampisch@rub.de

Programm „Gesundheit im Alter“ des BMBF: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/1381.php

Partner im Verbundprojekt

Partner im Verbundprojekt Priscus („Prerequisites for a new health care model for elderly people with multi-morbidity“) und ihre konkreten Forschungsthemen sind:

– die Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier): hausärztliche Versorgung

– die Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation, Klinikum der RUB (Prof. Dr. Ludger Pientka): Entwicklung neuer Behandlungsstandards

– der Lehrstuhl für Sportmedizin der RUB (Prof. Dr. Petra Platen): Einfluss der körperlichen Aktivität auf die Gesundheit

– der Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/Herdecke (Prof. Petra Thürmann): Verbesserung der medikamentösen Versorgung älterer Menschen

– das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Prof. Dr. Klaus Berger): Auswirkungen der Mehrfacherkrankungen auf die Lebensqualität der Patienten

– die Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement der Universität Bielefeld (Prof. Dr. Wolfgang Greiner): gesundheitsökonomische Modelle

– die Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der RUB (Prof. Dr. Hans Joachim Trampisch): Datenzentrale der getABI-Studie (German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index), unterstützt von Sanofi-Aventis, Berlin („Unresticted Educational Grant“)

Media Contact

Dr. Josef König idw

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